„Gegrüßet seist du, Maria!“
Maiandachten haben im Münsterland lange Tradition

Ochtrup -

In katholisch geprägten Gegenden wie dem Münsterland finden im Marienmonat Mai regelmäßig Andachten statt. Dabei gedenken die Gläubigen mit Marienliedern und Gebeten der Gottesmutter Maria. Auch in Ochtrup hat dies lange Tradition.

Samstag, 20.05.2017, 08:05 Uhr

Während des Marienmonats Mai steht die „Blaue Madonna mit dem Jesuskind“ in der Johanneskirche in Langenhorst.
Während des Marienmonats Mai steht die „Blaue Madonna mit dem Jesuskind“ in der Johanneskirche in Langenhorst. Foto: Irmgard Tappe

Der Mai wird im wird im Volksmund auch „Wonnemonat“ genannt. Dichter und Poeten unterschiedlicher Epochen ließen sich in Frühlingsgedichten von ihm inspirieren. Für gläubige Katholiken ist er der „Marienmonat“.

In katholisch geprägten Gegenden wie dem Münsterland werden während dieser Zeit die Marienstatuen in den Kirchen geschmückt. In vielen Gemeinden werden zudem Maiandachten unter freiem Himmel gefeiert. Dann bauen die Gläubigen entweder einen Marienaltar auf oder versammeln sich an einem Marienbildstock wie zum Beispiel am Marienbild in der Oster-Bauerschaft. „Ja, auch bei uns in Ochtrup wird diese Tradition gelebt. Mit Marienliedern und Gebeten gedenken die Gläubigen während der gemeinsamen Maiandachten der heiligen Maria als Mutter Jesu. Die Christusbezogenheit ist dabei sehr wichtig“, berichtet Pastor Ludger Bügener. In der Regel wird in den einzelnen Bezirken der Ochtruper Pfarrei je eine Andacht pro Maiwoche gefeiert. Kirchliche Vereine wie Kolpingfamilien, Frauengemeinschaften, Seniorengemeinschaften und KAB bereiten die Andachten abwechselnd vor.

„Diese Form der Maiandachten kennen wir allerdings erst seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil“, weiß Bügener. In früheren Zeiten seien die Maiandachten noch sehr viel intensiver als Zeichen der Volksfrömmigkeit gelebt worden. Katholische Familien hatten in ihren Häusern einen Maialtar aufgebaut, an dem täglich kleine private Maiandachten gehalten wurden. Außerdem beteten die Gläubigen zu den Tischgebeten zusätzlich ein „Gegrüßet seist du, Maria“.

Pastor Ludger Bügener kennt die lange Tradition der Maiandachten in Och­trup aus eigener Erfahrung.

Pastor Ludger Bügener kennt die lange Tradition der Maiandachten in Och­trup aus eigener Erfahrung.

Bügener hat diese Zeit selbst intensiv miterlebt. „Ich bin in der Wester-Bauerschaft aufgewachsen. Dort hatte jede Familie einen solchen Maialtar mit einer Marienstatue und frischen Blumen geschmückt. Und abends versammelten sich Eltern, Großeltern und Kinder vor dem Altärchen. Dann wurden Marienlieder gesungen und man betete ein Gesetz des Rosenkranzes. Das war auch in meiner Familie üblich.“

Der Geistliche erinnert sich außerdem noch an das Bildnis der „Immerwährenden Hilfe“ in der Diele seines Elternhauses, vor dem immer ein Licht brannte. Auch diese Ikonen mit Maria und dem Jesuskind hatten besonders in ländlichen Gegenden fast in jedem Haus ihren Platz. Ein kleines Ikonengemälde mit dem Motiv der Gottesmutter hängt auch bei Bügener im Wohnzimmer. „Das habe ich aus dem ehemaligen Jugoslawien mitgebracht“, erzählt er.

Die Ursprünge der Maiandachten gingen zurück bis ins Mittelalter. Damit wollten die Christen den heidnischen Maifeiern einen religiösen Brauch entgegensetzen. Im 17. Jahrhundert entwickelte sich daraus die Tradition, den Monat Mai der Heiligen Maria als Mutter Gottes zu weihen. In Europa feierte man die ersten Maiandachten im 19. Jahrhundert. Vorreiter war Italien. Von dort breitete sich das Brauchtum über die Schweiz, Frankreich, Belgien und Österreich bis nach Deutschland aus.

Auf deutschem Gebiet feierten drei Ordensfrauen der Schwestern vom Guten Hirten in einem Konvent in der Nähe von München am 1. Mai 1841 die erste Maiandacht . Generell entwickelten sich die Maiandachten parallel zu den Marienwallfahrten.

Marienbildstock am Metelener Damm in Höhe der Gaststätte Althoff.

Marienbildstock am Metelener Damm in Höhe der Gaststätte Althoff. Foto: Irmgard Tappe

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