„Projekt Seehilfe“
Hilfe, die keine Grenzen kennt

Ochtrup -

Seit 2014 engagiert sich eine Gruppe junger Leute im „Projekt Seehilfe“ für Flüchtlinge auf Sizilien. Ganz vorne mit dabei: Philipp Leusbrock, der in Ochtrup einen Pflegedienst leitet. 20 Mitglieder zählt der Verein bereits. Erst kürzlich wurde er ausgezeichnet. 

Dienstag, 20.06.2017, 06:06 Uhr

Mitglieder der „Seehilfe“ zusammen mit dem Zivilschutz in der Hafenstadt Augusta.
Mitglieder der „Seehilfe“ zusammen mit dem Zivilschutz in der Hafenstadt Augusta. Foto: Projekt Seehilfe e.V.

Der Zustrom an Flüchtlingen ist abgeebbt: In den vergangenen Monaten sind deutlich weniger Menschen nach Deutschland gekommen, um Schutz zu suchen. Die Schließung der Balkanroute, das EU-Abkommen mit der Türkei, die Verschärfung des Asylrechts: Mögliche Gründe für diese „Trendwende“ gibt es einige.

Was allerdings nicht bedeutet, dass sich die Lage vollkommen entschärft hat. Jenseits der deutschen Lande sieht es durchaus anders aus – auf Sizilien zum Beispiel. Die italienische Insel ist zwar Hunderte von Kilometern von der Töpferstadt entfernt. Und trotzdem engagiert sich der Verein „Projekt Seehilfe“, dessen Wurzeln zum Teil in Ochtrup liegen, genau dort. Denn: „Solidarität darf nicht an Grenzen enden“, ist der Leitspruch der jungen, 20 Köpfe zählenden Gruppe.

An deren Spitze steht unter anderem Philipp Leusbrock . Der 31-Jährige, der in Steinfurt wohnt und in Ochtrup einen Pflegedienst leitet, ist Gründungsmitglied und engagiert sich im Vorstand des Vereins. Er und seine Freundin Johanne Bischoff hörten im Sommer 2014 – mal wieder – in den Nachrichten, dass flüchtende Menschen auf ihrem Weg in das südliche Italien im Mittelmeer ertrunken waren. Denjenigen, die es dorthin schafften, fehlte es so ziemlich an allem. „Und wir hatten den Eindruck, dass Sizilien damit komplett alleingelassen wird“, berichtet Leusbrock. „Es interessierte keinen, was da passiert.“

Die jungen Leute wollten etwas tun – und riefen eine Initiative ins Leben. Schnell fanden die beiden Mitstreiter, um Hilfsgüter zu sammeln und persönlich nach Sizilien zu bringen. „Die Resonanz war riesig“, heißt es in einem Bericht der „Seehilfe“ über ihren ersten Einsatz. Nach ihrer Rückkehr beschloss die Gruppe, sich nachhaltig für Geflüchtete auf der italienischen Insel zu engagieren – und gründeten einen Verein.

Mitglieder auch in Italien

Gut zweieinhalb Jahre ist das her, und aus einer Handvoll Leute ist ein Team aus 20 Helfern geworden. Sie kommen aus ganz Deutschland, aber auch aus Italien. Ein Mitglied wohnt sogar auf der Insel. Eine große Hilfe für die Gruppe, die sich bemüht, ein möglichst dichtes Netzwerk zu Leuten vor Ort aufzubauen. So pflegt die „Seehilfe“ zum Beispiel intensiven Kontakt zu einem katholischen Padre, der sich für junge Flüchtlinge einsetzt.

Hilfstransport.

Hilfstransport. Foto: Projekt Seehilfe e.V.

Insgesamt acht Mal sind die Helfer bereits auf Sizilien gewesen, um Spenden abzugeben. „Wir beschränken uns dabei auf Sachgüter“, erläutert Philipp Leusbrock. Von finanziellen Zuwendungen kaufe der Verein vor Ort Dinge, die von Nöten sind. „Wir schauen genau hin, was gebraucht wird“, sagt der 31-Jährige. Das bisher größte Projekt des Vereins rollte im Sommer 2016 gen Süden: ein 40-Tonner, beladen mit Hilfsgütern. Den Transport brachte das „Projekt Seehilfe“ zusammen mit dem Verein „Hanseatic Help“ auf die Straße.

Viele werden obdachlos

Und damit ist es noch längst nicht getan. Wenn Philipp Leusbrock über die Arbeit des Vereins berichtet, schwingt da viel Leidenschaft mit – und Mitgefühl für die vielen Menschen, die mitunter aus für ihn nicht nachvollziehbarem Grund an einem der italienischen „Hotspots“ abgelehnt werden. Etwa 70 Prozent der Ankommenden würden abgewiesen, berichtet Leusbrock. „Auch Kinder, Schwangere und Verletzte fliegen raus.“ Sie landen dann auf der Straße. Und hier setzt auch die Arbeit des deutsch-italienischen Vereins an.

Ein Engagement, das nicht nur die Hilfsempfänger zu schätzen wissen. Erst im Frühjahr wurde das „Projekt Seehilfe“ für seine Arbeit mit dem Jugendkarlspreis auf nationaler Ebene ausgezeichnet. Eine schöne Wertschätzung – und ein Ansporn zum Weitermachen. Denn eines ist für Philipp Leusbrock ganz klar: „Wenn wir Europa aufrechterhalten wollen, ist es unsere Pflicht, dort zu helfen.“

Johanne Bischoff und Philipp Leusbrock bei der Verleihung des Jugendkarlspreises.

Johanne Bischoff und Philipp Leusbrock bei der Verleihung des Jugendkarlspreises. Foto: Projekt Seehilfe e.V.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4941367?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F182%2F
Geldstrafe nach Steuerhinterziehung
 
Nachrichten-Ticker