Damenschützenverein feiert Geburtstag
20 Jahre nach der Gründung hat sich viel getan

Ochtrup -

Zwei Jahrzehnte ist es her, dass einige feierwütige Frauen den ersten Damenschützenverein Ochtrup gründeten. Hatten sie anfangs mit Vorurteilen zu kämpfen, werden sie heute voll akzeptiert. Und die Männer, die haben sich bei ihnen inzwischen auch ihre Rechte erkämpft...

Donnerstag, 17.08.2017, 06:08 Uhr

Relikt aus alten Zeiten: v.l. Judith Bender (1. Vorsitzende), Iris Eschhues (amtierende Königin) und Marion Minning (Gründungsvorsitzende) halten das Plakat des ersten Damenschützenfestes aus dem Jahr 1998 in den Händen.
Relikt aus alten Zeiten: v.l. Judith Bender (1. Vorsitzende), Iris Eschhues (amtierende Königin) und Marion Minning (Gründungsvorsitzende) halten das Plakat des ersten Damenschützenfestes aus dem Jahr 1998 in den Händen. Foto: Stascheit

Bei den Vorbereitungen für ein Schützenfest sind die Rollen in der Regel klar verteilt: Während die Männer das Grün holen, sind die Frauen für das Rosenmachen und das Zeltschmücken zuständig. „Irgendwann haben wir uns mit ein paar Frauen gedacht, dass man das doch auch mal umdrehen könnte. Wir wollten auch mal das Grün holen und die Männer Rosen machen lassen“, erinnert sich Marion Minning .

Dass aus dieser Idee mal ein stattlicher Verein mit rund 100 Mitgliedern werden würde, daran hatten in diesem Moment jedoch die wenigsten geglaubt. „Zu Anfang wurden wir natürlich nur belächelt“, denkt Marion Minning an die schwierige Anfangszeit ihrer schützenfestbegeisterten Damentruppe zurück. „Das schafft ihr doch eh nicht.“ – „Ihr haltet das doch sowieso nicht durch.“ Es waren die üblichen Vorurteile, mit denen sich die Gründerinnen damals konfrontiert sahen.

Erstes Schützenfest 1998

Doch von dem besagten Tag beim Rosenmachen eines örtlichen Schützenvereins an gingen die Damen ihrem Vorhaben akribisch und leidenschaftlich nach. Im Jahre 1997 gründeten sie den „1. Damenschützenverein Ochtrup“, knapp 50 Schützenschwerstern waren damals von Beginn an dabei. Ein Jahr später veranstalten sie auf dem Festplatz im Stadtpark ihr erstes Schützenfest und stellten von Beginn an unter Beweis, dass sie den Herren in Sachen Feiertauglichkeit in nichts nachstehen. Veranstaltete man die Schützenfeste von 1998 bis 2000 noch im jährlichen Rhythmus, legte man sich später auf ein großes Fest zu den geraden Jahreszahlen fest.

Die ersten Regenten: Elfriede und Josef Eiling bestiegen im Jahr 1998 den Vereinsthron.

Die ersten Regenten: Elfriede und Josef Eiling bestiegen im Jahr 1998 den Vereinsthron.

Wahrlich eine Expertin, was das Schützenwesen angeht, ist Iris Eschhues. Nachdem sie sich im vergangen Jahr auf den Thron des Damenschützenvereins geschossen hatte, erklomm ihr Ehemann Stefan unlängst die Regentschaft im Schützenverein Einigkeit, dem er außerdem als Vorsitzender vorsteht. „Bei uns ist alles etwas lockerer“, erklärt Iris Eschhues einen wesentlichen Unterschied. „Wir wollen, dass bei uns wirklich jedes Vereinsmitglied Königin werden kann – egal, ob sie gut verdient oder vielleicht noch in der Ausbildung ist. Den ganzen Rattenschwanz, der bei anderen Vereinen da noch mit hinten dran hängt, den gibt es bei uns so nicht“, erzählt sie. „Deshalb müssen die Regenten bei uns auch nicht für den Königsthron bezahlen“, erklärt die amtierende Vorsitzende des Damenschützenvereins, Judith Bender . „Wir teilen den Gästen auch direkt bei der Einladung mit, dass auf dem Thron jeder seine Getränke selber bezahlt. Dafür gibt es von den Gästen dann auch keine größeren Geschenke. Wer dann gerne noch ein Blümchen mitbringen möchte, kann das natürlich tun“, erzählt Judith Bender.

Auf den Tischen tanzen

Jedoch hebt die Vereinsvorsitzende auch hervor, dass sie und ihre Kolleginnen sich auch stets auf die Vereinsherren verlassen können. „Von den Männern werden wir immer super unterstützt“, erzählt sie und erntet ein zustimmendes Kopfnicken von ihrem Ehemann Markus, der sich beim Pressegespräch im Wintergarten der Familie Bender dazugesellt hat. Für ihn sei auffällig, dass die Atmosphäre bei den Schützenfesten der Damen ganz anders sei als bei anderen Vereinen. „Wenn die Herren feiern, drückt sich das meistens durch dichtes Thekengedränge aus. Bei den Damen hingegen wird richtig über die Tische getanzt. Da stehen sie den Männern garantiert in nichts nach“, berichtet Markus Bender, der an der Seite seiner Ehefrau im Jahr 2010 auf dem Vereinsthron saß.

Das Rosenmachen – hier ein Bild aus dem Jahr 2012 – ist im Damenschützenverein Männersache. Die haben aber sichtlich Spaß daran und sich mit den Jahren auch einige Rechte im Verein erkämpft.

Das Rosenmachen – hier ein Bild aus dem Jahr 2012 – ist im Damenschützenverein Männersache. Die haben aber sichtlich Spaß daran und sich mit den Jahren auch einige Rechte im Verein erkämpft.

Und auch unter den Herren der Vereinsmitglieder sei mittlerweile eine tolle Gemeinschaft entstanden. „Bei anderen Vereinen kommen die Vereinsmitglieder ja immer nur aus einem bestimmten Bezirk. In diesem Verein aber kommen Leute aus ganz Ochtrup zusammen, die alle schützenfest-jeck sind“, so Bender. Außerdem betont er, dass sich die männlichen Begleiter im Laufe der Jahre auch ihre Rechte im Verein erkämpften. „Bei andern Vereinen gibt es einen Damenkaffee, also wollten wir auch einen Herrenkaffee haben. Da haben wir schon tolle Partys gefeiert“, erzählt Markus Bender.

Und er ist längst nicht der Einzige, der den Damenschützen mit großem Respekt gegenübersteht. Auch in der Ochtruper Vereinsvorsitzendenrunde stehe man mittlerweile voll hinter den Damen, wie Judith Bender erzählt. Deshalb dürfen die bisherigen Regentinnen beim diesjährigen Stadtkaiserschießen auch gleichberechtigt mit ihrem männlichen Mitstreitern ans Gewehr treten. Denn 20 Jahre nach ihrer Gründung ist von den anfänglichen Vorurteilen nichts mehr zu spüren.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5081904?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F182%2F
Eltern zwischen Angst und Hysterie
Noch ist keinem Kind wirklich etwas passiert – dennoch sind die Eltern in den Schul- und Kita-Bezirken, in denen Jungen und Mädchen von Fremden angesprochen wurden, in großer Sorge.
Nachrichten-Ticker