Fahrradbörse zugunsten der Radwerkstatt im Pröpstinghoff
Durchgecheckte Fietsen im Angebot

Ochtrup -

Seit fast zwei Jahren hantieren Flüchtlinge und Ehrenamtliche gemeinsam mit Schläuchen, Mänteln und Bremszügen – in der Radwerkstatt im Pröpstinghoff. Um neue Einnahmen zu generieren, verkauft das „Miteinander“-Team nun fahrbereite Fietsen in einer Radbörse.

Samstag, 26.08.2017, 05:08 Uhr

Dieter Thebelt inspiziert das Fahrrad eines jungen Flüchtlings, bei dem die Bremse nicht mehr funktioniert.
Dieter Thebelt inspiziert das Fahrrad eines jungen Flüchtlings, bei dem die Bremse nicht mehr funktioniert. Foto: Anne Spill

Ein kurzer Blick, ein Handgriff, und schon ist die Sache für Dieter Thebelt klar: Der Bremszug ist hin, das Fahrrad braucht einen neuen. Zack, schon hat der Mechaniker das alte Drahtseil in der Hand. „Das musst du neu kaufen“, wendet er sich an den jungen Mann, der ihm die Fietse zur Reparatur gebracht hat.

„Das machen wir jetzt immer so“, erklärt Ferdi Bäumer , der das Geschehen in der Fahrradwerkstatt beobachtet, dem Besuch von der Presse. „Wenn ein Ersatzteil benötigt wird, müssen es die Leute selbst im Laden besorgen.“ So spare sich das Team der Radwerkstatt ein großes Lager – und es habe die Kosten besser im Blick. Denn genau das ist der Punkt, der Ferdi Bäumer mit Blick auf die Radwerkstatt zurzeit besonders beschäftigt: das liebe Geld.

Hilfe zur Selbsthilfe

Der Langenhorster ist seit einigen Monaten neuer Vorsitzender des Vereins „Miteinander Ochtrup“. Und als solcher hat er sich vorgenommen, die Wirtschaftlichkeit strikt im Auge zu behalten. Klar, dass das auch für die Radwerkstatt im Pröpstinghoff gilt.

Kurt Schmor bei der Arbeit.

Kurt Schmor bei der Arbeit. Foto: Anne Spill

Die läuft seit fast zwei Jahren unter der Regie des Vereins, mit eingestielt hat sie die Kolpingfamilie Langenhorst/Welbergen. Das Konzept: Flüchtlinge und Ehrenamtliche bringen gemeinsam kaputte Räder wieder auf Vordermann – denn mit einer fahrtauglichen Fietse werden die Neu-Ochtruper mobil. Das wiederum soll ihnen die Integration erleichtern. Und weil so mancher von ihnen noch nie ein Rad repariert hat, gehen ihnen Freiwillige wie Dieter Thebelt oder Kurt Schmor dabei zur Hand. „Hilfe zur Selbsthilfe“, erläutert Bäumer.

Das Projekt wurde am Anfang mit Mitteln aus dem Programm „NRW hält zusammen“ angeschoben. Das Land stellte Fördergelder für die Aufwertung von Wohnvierteln zur Verfügung, und im Pröpstinghoff wurde damit einiges auf die Beine gestellt – eben auch die Fahrradwerkstatt. Inzwischen ist diese Förderung aber ausgelaufen. Und daher sucht der Verein „Miteinander“ andere Wege, das engagierte Werkeln im Keller des Hauses mit der Nummer elf zu finanzieren.

Weiterhin legen die Asylsuchenden, die ihre Drahtesel vorbeibringen, selbst Hand an. Sie nutzen kostenlos das Werkzeug und bekommen, ebenso gratis, tatkräftige Hilfe. Wenn aber Dieter Thebelt als echter Profi „mal eben schnell“ eine Leeze wieder fahrtüchtig macht, dann geben die Besitzer des – oftmals gespendeten – Rades dafür ein kleines Geld, ein paar Euro. „Keine großen Summen“, macht Bäumer deutlich und betont: „Die Fachgeschäfte sehen uns auch nicht als Konkurrenz.“ Und Ersatzteile müssen die Flüchtlinge – wie erwähnt – selbst erstehen und mitbringen.

Räder aus der Pestalozzischule

Auf diese Weise haben viele Asylsuchende schon einen fahrbaren Untersatz erhalten. Die Ehrenamtlichen haben aber auch einige Fietsen in Schuss gebracht, die noch keinen neuen Eigentümer haben. Im Keller der Werkstatt lehnen die Räder dicht an dicht. Und für Nachschub ist auch schon gesorgt: „Die Stadt stellt uns noch rund 20 Jugendräder aus dem Keller der Pestalozzischule zur Verfügung“, berichtet Bäumer.

Einen ganzen Schwung durchgecheckter und fahrbereiter Räder – etwa 40 an der Zahl – möchte „Miteinander“ nun an den Mann, die Frau oder das Kind bringen, um damit „neues“ Geld zugunsten der Werkstatt im Pröpstinghoff einzunehmen. Und schon am heutigen Samstag ist der erste Verkaufstermin: Von 11 bis 14 Uhr findet die Fahrradbörse im Hof des Vereins an der Bültstraße 19 statt. Der zweite Termin ist der Leinewebersonntag (3. September). Dann werden die Drahtesel zwischen 12 und 15 Uhr an gleicher Stelle angeboten.

Eingeladen sind alle, die auf der Suche nach einem Rad zu einem kleinen Preis sind. Ab 50 Euro ist ein Exemplar zu haben. „Das sind Festpreise“, betont Bäumer mit einem Schmunzeln, „gehandelt wird hier nicht.“

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