Vortrag bei der KAB St. Paulus
Kinderarmut ist in Deutschland präsent

Ochtrup -

Sylvia Egelkamp und Karin Beckmann von der evangelischen Jugendhilfe Münsterland referierten am Sonntag im Rahmen einer Veranstaltung der KAB St. Paulus.

Montag, 06.11.2017, 20:11 Uhr

Zum Thema „Kinderarmut“ referierten Sylvia Egelkamp (r.) und Karin Beckmann von der evangelischen Jugendhilfe Münsterland
Zum Thema „Kinderarmut“ referierten Sylvia Egelkamp (r.) und Karin Beckmann von der evangelischen Jugendhilfe Münsterland Foto: Timm Gust

Eigentlich müsste es doch jedem Menschen in Deutschland gut gehen. Immerhin gibt es Sozialleistungen und diverse staatliche Hilfen. Armut gibt es hier nicht – könnte man meinen. Doch genauer betrachtet, lässt sich feststellen, dass vor allem Kinderarmut in Deutschland sehr präsent ist. Über dieses Thema berichteten am Sonntag Sylvia Egelkamp und Karin Beckmann von der evangelischen Jugendhilfe Münsterland bei einer Veranstaltung der KAB St. Paulus.

Armut existiere nicht nur in Ländern wie Syrien, sondern auch in Deutschland – und das nicht nur in den Brennpunkten der großen Städte. Sylvia Egelkamp und Karin Beckmann, beide Sozialpädagoginnen und seit mehreren Jahren sozial engagiert, wissen das aus Erfahrung. „Die Kinderarmut ist eine der größten Herausforderungen in Deutschland. Doch es handelt sich dabei nicht unbedingt um eine Hungersnot“, erklärte Karin Beckmann den Besuchern der Veranstaltung. Sie finde statt, wenn Mädchen und Jungen sich schämen müssen, wenn sie es sich nicht leisten können, mit ihren Freunden ins Kino zu gehen. Wenn sie nicht mitreden können, wenn Freunde von einer Urlaubsreise berichten. Denn dann seien die Kinder ausgegrenzt.

Armut sei also vielschichtiger als zunächst gedacht, weshalb sie auch so viele Bereiche des Lebens der Betroffenen beeinflussen könne. Beckmann zufolge wirke sich Armut beispielsweise auf die Gesundheit und Ernährung, aber auch auf die soziale Situation aus.

Dass solche Kinder Vorbilder brauchten, die ihr Verhalten prägen können, darin waren sich Norbert Hoppe, stellvertretender Vorsitzender der KAB, und auch die Zuhörer des Vortrags einig. Die Zahlen seien alarmierend. Nach Aussage der beiden Expertinnen leben allein in Ochtrup 415 Kinder unter SGB II-Bezug, welcher eine der staatlichen Hilfen darstellt.

Doch was kann man gegen diese Armut unternehmen? Das ist die Frage, welche sich die Runde am Ende des Vortrags stellte. „Es liegt daran, wie wir unsere Kinder prägen, dass sie ein Verständnis von ihrem eigentlichen Luxus haben“, führte Sylvia Egelkamp aus. „Ein schöner Tag mit Freunden muss auch nicht immer viel Geld kosten“, fügte eine Zuhörerin hinzu. Wenn man nicht davon ausgeht, dass jeder alles bezahlen kann, könne man verhindern, dass jemand ausgegrenzt werde.

Schließlich kamen KAB und Jugendhilfe auf den Punkt, dass es an der Zeit sei zu handeln und man nur gemeinsam gegen die Armut vorgehen könne. „Wir müssen uns den betroffenen Menschen selbst anders zeigen, sie aus diesem Kreislauf herauslassen und aufhören, mit dem Finger auf sie zu zeigen“, schloss Egelkamp den Vortrag ab.

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