Auftakt der Kulturtage
Atemlose Stille im Lauschsalon

Ochtrup -

Wäre Annette von Droste-Hülshoff an diesem Mittwochabend persönlich in der Bücherei St. Lamberti anwesend, sie würde sich wahrscheinlich erwartungsvoll in ihrem Stuhl zurücklehnen. Sind es doch die Verse aus ihrer Feder, die hier als atmosphärische Darbietung interpretiert werden.

Donnerstag, 09.11.2017, 20:11 Uhr

Anja Bilabel gestaltete den Lauschsalon mit Gedichten der Annette von Droste-Hülshoff. Foto: Irmgard Tappe
Anja Bilabel gestaltete den Lauschsalon mit Gedichten der Annette von Droste-Hülshoff. Foto: Irmgard Tappe Foto: Irmgard Tappe

Natürlich wäre die Droste mit dem Gehörten zufrieden, das Anja Bilabel mit facettenreicher Stimme umsetzt. Die Cellistin Christina Schubach unterstreicht die Verse mit ihren virtuosen Improvisationen.

Auch für die rund 30 Zuhörer wird dieser literarisch-musikalische Auftakt der Ochtruper Kulturtage zu einem außergewöhnlichen Hörgenuss. Der Geschäftsführer des Kulturforums Ochtrup, Dr. Guido Dahl, hat ihnen bei der Begrüßung ein „angestrengtes literarisches Vergnügen“ angekündigt.

Suche nach Einsamkeit

Zunächst erzählt Anja Bilabel aus ihrem Leben. Nach dem Besuch der Schauspielschule habe sie ein Theaterengagement angenommen. „Dann habe ich entdeckt, dass es mir viel Freude bereitet, aus literarischen Werken atmosphärische Abende zu basteln. Deshalb habe ich den Lauschsalon ins Leben gerufen“, sagt sie und spannt den Bogen zu ihrem berührend-musikalischen Droste-Darbietung mit dem Titel „Und jedes wilden Geiers Schrei in mir die wilde Muse weckt“. Es ist der letzte Satz des Droste-Gedichtes „Lebt wohl“, das Anja Bilabel ebenfalls in ihrem Repertoire hat.

Während sie diese Verse vorträgt, sieht der Zuhörer vor dem inneren Auge die Droste in ihrem kleinen Zimmer in der Meersburg am Bodensee weilen. Zwischen den Zeilen dieses Textes spürt man die Suche nach Einsamkeit. „Lebt wohl, es kann nicht anders sein. Spannt flatternd eure Segel aus, lasst mich in meinem Schloss allein, im öden geisterhaften Haus.“

Dezente Töne

Die Besucher der Kulturtage erleben eine poetisch-musikalische Wanderung durch Werke der Annette von Droste-Hülshoff. „Das Schloss“, „Der Knabe im Moor“, „Am Turme“, „Die beste Politik“ und andere Gedichte und Balladen sind Stationen dieses literarischen Ausfluges. Bilabel rezitiert die Verse aber nicht nur. Nein, sie bringt jeden Text mit schauspielerischem Talent zu Gehör und malt die einzelnen Szenen sprachlich. Christina Schubach hat ihre musikalischen Beiträge auf die Texte abgestimmt und durchwebt diese mit dezent-zartfühlenden Tönen.

Im Lauschsalon herrscht atemlose Stille. Gebannt verfolgt das Publikum die Darbietungen. Viele Texte der Droste haben einen traurig-melancholischen Klang. Und oft setzt sie sich auch mit dem Sterben auseinander. Dass sie mit dem Tod aber auch Hoffnung verbindet, bringt sie in ihrem Vers „Letzte Worte“ zum Ausdruck. „Geliebte, wenn mein Geist geschieden, so weint mir keine Träne nach. Denn wo ich weile, dort ist Frieden. Dort leuchtet mir ein ew‘ger Tag“, rezitiert Anja Bilabel im letzten Teil der musikalischen Darbietung. Der Applaus des begeisterten Publikums im Lauschsalon ist verdient.

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