Hospizverein
Stefan Antfang referierte zum neuen Pflegestärkungsgesetz

Ochtrup -

Obwohl bereits seit dem 1. Januar 2017 in seiner endgültigen Fassung in Kraft, ist das Pflegestärkungsgesetz immer noch für viele ein Buch mit sieben Siegeln. Offene Fragen sind zum Beispiel „Wer soll eigentlich gestärkt werden?“, „Welche Veränderungen ergeben sich für wen?“, „Und wie ist die Pflegesituation bei uns zu bewerten?“. Grund genug für den Hospizverein, im Rahmen eines öffentlichen Stammtisches über diese Themen zu informieren. Referent war Stephan Antfang, Leiter der Ochtruper Altenheime.

Donnerstag, 16.11.2017, 09:11 Uhr

Stephan Antfang war Gast beim Hospizstammtisch.
Stephan Antfang war Gast beim Hospizstammtisch. Foto: Norbert Hoppe

„Gestärkt werden die pflegebedürftigen Menschen, ihre Angehörigen und die in der Pflege arbeitenden Menschen“, wird Antfang in einer Pressemitteilung des Hospizvereins zitiert. Stärkung sei auch dringend geboten, denn der Pflegebedarf werde in den nächsten Jahren kontinuierlich ansteigen. Bis 2030 würden nach Angaben des Gesundheitsministeriums etwa 3,5 Millionen Menschen auf Pflege angewiesen sein, teilte Antfang mit. Auch die Pflegebedarfsplanung des Kreises Steinfurt weise bis 2040 fast eine Verdoppelung der heutigen Zahlen aus.

Derzeit würden mehr als 70 Prozent der Pflegebedürftigen zu Hause versorgt. „Die häusliche Pflege ist der größte Pflegedienst der Nation“, würdigte Antfang den Einsatz vor allem von Frauen. Unterstützung durch ambulante Pflegedienste trage fühlbar zur Entlastung der häuslichen Pflege bei. Hier wie in stationären Einrichtungen werde der Pflegebedarf nach fünf Pflegegraden bewertet. Insbesondere die Anerkennung des hohen Betreuungsaufwandes bei an Demenz Erkrankten sei ein Gewinn für Menschen mit kognitiven Einschränkungen und deren Angehörige, bewertete Antfang eine weitere Neuerung.

Das Pflegesatzniveau in NRW bezeichnete Antfang als hoch im Vergleich zu anderen Bundesländern. Allerdings sei dafür der Stellenschlüssel in den stationären Einrichtungen vergleichsweise gut. Bemerkbar mache sich der Fachkräftemangel auch im Kreis Steinfurt. Eine zentrale Aufgabe sei, Menschen für Pflegeberufe zu begeistern. Dazu gehöre eine angemessene Vergütung, die im Bereich der Tarif gebundenen Arbeitsverträge gar nicht mal so schlecht sei, wie Antfang unterstrich. Wichtig seien aber auch gute Arbeitsbedingungen sowie ein kollegiales Arbeitsklima.

Bei der Frage, was in Och­trup fehle, kam aus dem Kreis der Anwesenden vorrangig der Bedarf an ausreichenden Kurzzeitpflegeplätzen zur Sprache. Eine Teilnehmerin berichtete, dass bereits jetzt für den Herbst 2018 kein Platz mehr zu bekommen sei. Antfang führte aus, dass in Ochtrup zwar Kurzzeitpflegeplätze angeboten würden. Allerdings sei es nicht möglich, auswärtige Personen aufzunehmen. „Für Ochtrup ist das Angebot weitgehend ausreichend“, sagte Antfang, wenn auch in Urlaubszeiten mitunter Engpässe zu verzeichnen seien.

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