Umweltausschuss
Kompensationskonzept soll die Suche nach Ausgleichsflächen erleichtern

Ochtrup -

Die Stadt Ochtrup hat die Erarbeitung eines Kompensationskonzeptes in Auftrag gegeben. Damit soll die Suche nach Ausgleichsflächen für Baugrundstücke und dergleichen erleichtert werden. Bauamtsleiterin Karin stellte einen ersten Entwurf am Donnerstagabend im Bauausschuss vor.

Samstag, 25.11.2017, 06:11 Uhr

Wegeseitenränder wie hier in der Nähe des Materiallagers Ochtrup könnten auch als Kompensationsflächen etwa für Baugrundstücke dienen.
Wegeseitenränder wie hier in der Nähe des Materiallagers Ochtrup könnten auch als Kompensationsflächen etwa für Baugrundstücke dienen. Foto: Gesine Hilgendorf/Stadt Ochtrup

Baugrundstücke sind knapp in der Töpferstadt. Doch wenn neue Gebiete ausgewiesen werden sollen, braucht es sogenannte Kompensationsflächen, also Areale, die als Ausgleich für die später versiegelten Flächen bereit gestellt werden. Diese seien immer schwieriger zu finden, berichtete Bauamtsleiterin Karin Korten am Donnerstagabend im Umweltausschuss. Die Kommune hat deshalb ein Kompensationskonzept in Auftrag gegeben.

Korten präsentierte in der Sitzung einen ersten Entwurf des beauftragten Büros „arbeitsgruppe raum & umwelt“. Mit etwas Geschick sei es möglich, in diesem Bereich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, stellte die Bauamtsleiterin in Aussicht. Ein gutes Beispiel sei in diesem Zusammenhang das geplante Baugebiet am Buschlandweg. Derzeit verzögere sich dort der Fortgang, weil in diesem Bereich ein Feuchtbiotop ausgeglichen werden müsse. „Das ist im Moment ein Problem. Es könnte aber auch zu einer Chance werden“, betonte Korten.

Im Kompensationskonzept gehe es zunächst darum, herauszufinden, welche Areale im Außenbereich der Töpferstadt überhaupt als Ausgleichsflächen in Frage kommen. So scheiden beispielsweise Straßen und bebaute Flächen, aber auch geschützte Bereiche aus. Beim Ausgleich von Flächen greift ein Punktesystem, das je nachdem wie aufwendig ein Areal aufgewertet wird, mehr oder weniger Punkte vergibt. „Ein Naturschutzgebiet ist demnach kaum noch zu verbessern“, erklärte Korten das Prozedere.

Als Indikatoren für geeignete Flächen gelten besondere Böden – also zum Beispiel besonders trockene und sehr feuchte Bereiche. Diese Böden könnten gerade für seltene Pflanzen und Tieren Lebensraum bieten. Aus dem Entwurf des Konzepts geht hervor, dass geeignete Flächen über das gesamte Stadtgebiet verteilt sind, aber einen Schwerpunkt im nordwestlichen Bereich bilden.

Zurück zu den beiden Fliegen und der Klappe: Bislang wenig beachtete Flächen sind die Wegeseitenränder. „Das sind Flächen, die gehören uns schon“, betonte Korten. Führten diese meist schmalen Streifen beispielsweise an offiziellen Radrouten entlang, sei deren Aufwertung auch aus touristischer Perspektive sinnvoll. Dieser Hinweis rief bei einigen Ausschussmitgliedern sogleich das Projekt „Hotspot 22“ in Erinnerung, in dem sich der Kreis Steinfurt die Aufwertung von eben diesen Wegeseitenrändern auf die Fahnen geschrieben hatte. Doch dieses Projekt sei mittlerweile eingestellt worden, informierte die Erste Beigeordnete, Birgit Stening. Es habe auf allen Seiten Sachen gegeben, die nicht ordentlich gelaufen seien. Unter anderem haperte es wohl an der Kommunikation. „Uns ist wichtig, dass bei solchen Flächen die Pflege geklärt ist“, machte die Erste Beigeordnete deutlich. Dabei gehe vorrangig um das Mähen und die Abfuhr des Saatguts. „Wir haben eine solche Fläche bereits in der Nähe des Materiallagers Ochtrup entwickelt“, verwies Stening auf ein Projekt der Umweltbeauftragten Gesine Hilgendorf .

Grundsätzlich sei das jetzt vorliegende Kompensationskonzept ein Entwurf, der noch überarbeitet werden müsse und in dem es zunächst nur um eine fachliche Beurteilung der Flächen gehe. Es werde eine Grundlage entwickelt, anhand der später Flächen bewertet werden könnten. „Die Umsetzung ist dann ein zweiter Schritt“, sagte Stening. Dann seien Eigentümer, die Landwirte und ähnliche Gruppen einzubeziehen.

Apropos: Die Ochtruper in ihre Projekt miteinbeziehen möchte auch Gesine Hilgendorf. In einem kurzen und leidenschaftlichen Vortrag berichtete die Umweltbeauftragte von ihrer Arbeit im vergangenen Jahr. „Wir haben viel geschafft“, lautete das Fazit. Neben bereits bestehenden Projekten wie der Streuobstwiese am Bergfreibad und dem Bodenlernstandort in der Weiner kam auch sie auf die Kompensationsflächen zu sprechen. „Das ist Naturschutz in der Bauleitplanung.“ Sie machte noch einmal deutlich, dass Flächen die versiegelt werden, ausgeglichen werden müssen. Die Wegeseitenränder böten dafür gute Möglichkeiten.

Potenzial sieht Hilgendorf auch in dem ehemaligen Steinbruch an der Felsenmühle. Derzeit bespreche sie – unabhängig vom Kompensationskonzept – mit dem Kreis Steinfurt mögliche Aufwertungsmöglichkeiten für dieses Areal. Ein weiteres Projekt: der Aufbau eines Heckenkatasters für die Stadt Ochtrup. Außerdem möchte die Umweltbeauftragte den Bodenlernstandort aufwerten und noch mehr in Sachen Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung aktiv werden. „Es ist wichtig, die Umweltschützer von morgen mit ins Boot zu holen“, so Hilgendorf. Deshalb freue sie sich über Hinweise und Ideen von Seiten der Politik, aber auch aus der Bevölkerung. „Sprechen Sie mich an!“, forderte sie zum Dialog auf.

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