Amtsgericht Steinfurt
Weiße Weste hat jetzt einen dunklen Fleck

OCHTRUP/STEINFURT -

Keine Vorstrafen und zum ersten Mal auf der Anklagebank: Wohl deshalb kam ein 34 Jahre alter Mann mit einer Geldstrafe davon. Der Ochtruper stand am Montag wegen Urkundenfälschung und Betrug vor dem Amtsgericht Steinfurt.

Mittwoch, 29.11.2017, 06:11 Uhr

Vor dem Amtsgericht in Steinfurt musste sich Montag ein Mann aus Ochtrup verantworten.
Vor dem Amtsgericht in Steinfurt musste sich Montag ein Mann aus Ochtrup verantworten. Foto: Mike Oelerich

Der ohne Verteidiger erschienene Angeklagte räumte seine Taten ein, betonte aber, dass die Betrügereien nicht als eine ständige Einnahmequelle dienten.

Staatsanwalt und Richter glaubten ihm. So blieb dem geschiedenen Vater einer Tochter eine Freiheitsstrafe auf Bewährung erspart.

Der Täter war unlängst siebeneinhalb Jahre bei einem Elektrofachmarkt in Och­trup beschäftigt. Im Frühsommer des vergangenen Jahres nutzte der 34-Jährige dort die Gelegenheit, die ihm ein Hersteller von Fernsehern einräumte. Beim Kauf eines aktuellen und höherpreisigen Flachbildfernsehers erstattete der Hersteller die 19 Prozent Mehrwertsteuer.

Der Angeklagte bediente sich der Kundenkartei und stellte innerhalb weniger Wochen drei als bezahlt fingierte Rechnungen von Kunden mit den Seriennummern von drei im Lager des Elektrofachmarkts vorhandenen Fernsehern aus. Obendrein gab er seine Kontodaten an und kassierte dann die Mehrwertsteuer. Insgesamt 1252,82 Euro betrug die Gesamtsumme.

Allerdings bedachte der Ochtruper nicht, dass irgendwann einer dieser TV-Bildschirme tatsächlich verkauft wurde.

Die Seriennummer war bereits in der sogenannten Cashback-Aktion registriert. Die Urkundenfälschung und der Betrug flogen auf. „Ich weiß auch nicht, was mich da geritten hat. Ich kann mir das nur damit erklären, weil ich zu der Zeit in der Trennungsphase von meiner Frau war und ich hohe Schulden hatte“, schilderte der Angeklagte. Und weiter: „Außerdem bin ich von Hotel ‚Mama‘ zu Hotel ‚Ehefrau‘ gezogen. Darüber hin­aus habe ich mich aufgrund der Arbeitsbelastung zu wenig um unser gemeinsames Kind kümmern können. Das konnte nicht gut gehen.“

Der Staatsanwalt kaufte die Erklärung des 34-Jährigen ab und beantragte eine Gesamtgeldstrafe in Höhe von 2250 Euro.

„Ich möchte mich für die Taten entschuldigen und werde den Schaden inklusive Zinsen zurückzahlen“, versicherte der Ochtruper.

Der Richter folgte in seinem Urteil dem Plädoyer des Staatsanwalts, addierte die erstattete Mehrwertsteuer hinzu und mahnte: „Es ist selten, dass jemand erst mit 34 Jahren in einem Strafverfahren vor Gericht steht. Ich hoffe für Sie, dass es das erste und letzte Mal war.“

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