WN-Interview mit einem Heiligen
Auf einen Kaffee mit St. Nikolaus

Ochtrup -

Da spaziert man an einem Freitagmorgen nichtsahnend durch die Oster-Bauerschaft und wen trifft man dort? Den Nikolaus. Und der ist auch noch richtig freundlich, gibt nen Kaffee aus und stellt auch noch Kekse hin. Eine gute Gelegenheit also, mit dem heiligen Mann ist Gespräch zu kommen und einige Fragen zu klären, die den Kollegen aus der WN-Redaktion schon seit Kindertagen auf der Seele brennen.

Samstag, 02.12.2017, 07:00 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 02.12.2017, 07:00 Uhr
Bei Kaffee und Plätzchen kommt St. Nikolaus ins Plaudern.
Bei Kaffee und Plätzchen kommt St. Nikolaus ins Plaudern. Foto: Anne Steven

So hat sich der Kollege schon als kleiner Steppke immer gefragt, wie der gute Nikolaus das denn so alles schafft? Schließlich gibt es eine ganze Menge Kinder, die er rund um den 6. Dezember beschenken muss. Bei der Frage stutzt der heilige Mann ganz kurz, runzelt die Stirn und brummt mit tiefer Bassstimme: „Na, einem Heiligen sind bekanntlich keine Grenzen gesetzt – weder räumlich noch zeitlich.“ Mmmh, kluge Antwort. Gut, das Erreichen von Millionen von Kindern ist also kein Problem.

Ab wie sieht es mit den vielen Geschenken und Süßigkeiten aus. „Hat der Nikolaus etwa einen Süßigkeitenladen?“, fragte sich in jungen Jahren die Kollegin. Da muss St. Nikolaus herzlich lachen. Weiß denn die werte Kollegin nicht, dass sämtliche Süßwaren, die in der Advents- und Weihnachtszeit im Umlauf sind, direkt aus dem Himmel kommen? „Manchmal am späten Nachmittag verfärbt sich der Himmel rot und orange“, erzählt St. Nikolaus. „Dann backen die Engel im Himmel Plätzchen.“ Damit klärt sich auch die Frage, warum der Heilige oftmals das gleiche Naschwerk verteilt, das es auch im Supermarkt zu kaufen gibt. Der Einzelhandel beziehe seine Waren in dieser Zeit selbstverständlich über ihn, gibt St. Nikolaus zu verstehen und streicht sich über den weißen Rauschebart. Also, wieder eine Frage geklärt.

Heute und am morgigen Sonntag macht der Heilige übrigens eine Stippvisite in der Töpferstadt. Während es ihn am heutigen Samstag nach Langenhorst in die Vechtehalle verschlägt – dort hat ihn die Freiwillige Feuerwehr eingeladen – folgt er morgen wie jedes Jahr am Sonntag vor dem 6. Dezember einer Einladung des Nikolausclubs beim Schützenverein Niederesch. „Pünktlich um 14.30 Uhr treffe ich am DRK-Kindergarten Niederesch die Kinder der Vereinsmitglieder“, erzählt der Heilige. Nach einem Umzug durch den Vereinsbezirk zusammen mit den Musikern der Kapelle Gust und den Kindern bekommen Letztere noch einen leckeren Stutenkerl.

Als nächstes steht für den Heiligen ein Besuch der Senioren im Ochtruper Altenheim auf dem Programm. „Da ist es immer ganz schön warm“, stöhnt St. Nikolaus, der aber gerne bei den alten Leuten vorbeischaut und mit ihnen ein Pläuschchen hält.

Wenn es dann dunkel wird, dreht er noch eine Runde durch den Vereinsbezirk und macht in einigen Häusern Station. Die Temperaturen in den Wohnzimmern sind dann meist ebenfalls sehr hoch und dem heiligen Mann läuft nicht selten der Schweiß in Strömen über die Stirn. Aber so ein Bischofsgewand ist schließlich auch keine Badehose. Wenn der heilige Mann aber einen Wunsch frei hätte, dann den, dass die Eltern der etwa 220 Kinder im Vereinsbezirk vielleicht vor seinem Besuch die Heizung zurückdrehen und einmal kurz durchlüften.

Denn es kommt ja auch noch die ganze Aufregung hinzu. Ja, nicht nur die Kinder sind nervös, wenn der Heilige vor ihnen steht. Andersherum ist es genauso. „Ich habe jedes Mal Lampenfieber“, gesteht St. Nikolaus und legt leicht beschämt die Hände um seine Kaffeetasse. Da ist er schon froh, dass er seine Besuche nicht ganz alleine absolviert, sondern immer ein paar fleißige Helfer an seiner Seite sind. Einer von ihnen ist Knecht Ruprecht. Doch er ist kein Mann großer Worte und damit seinem Chef beispielsweise beim Vorlesen einer Geschichte keine große Hilfe. Doch verzichten möchte St. Nikolaus trotzdem nicht auf ihn. Immerhin kennen sie sich schon seit einer Ewigkeit. Und auch die praktische Kutsche mit den braven Pferden möchte der heilige Mann nicht missen.

Und da ploppt auch schon die nächste Frage auf, die eine Kollegin sich in Kindertagen stellte. Sie ist auf einem Bauernhof aufgewachsen. Traditionell stellten die Kinder dem Nikolaus am Abend einen Eimer mit Hafer für seine Pferde hin. Und am Morgen eines jeden 6. Dezember in ihrer Kindheit war der Eimer leer. Die logische Frage: Wenn die Pferde in jedem Haus einen Eimer Hafer bekommen, wird ihnen dann nicht irgendwann schlecht? Der Heilige Mann rührt seelenruhig Zucker und Milch in seinen Kaffee und schmunzelt: „Wir wechseln regelmäßig die Pferde. Da kommt jedes mal dran. Und was dann an Hafer übrig bleibt, das kommt in eine große Tonne – die habe ich in der Kutsche immer dabei. Und die nehmen wir mit nach Hause.“ Tja, wie gesagt, so einem Heiligen sind keine Grenzen gesetzt. Aber ewig Zeit zum Kaffeetrinken hat er auch nicht, denn schließlich hat er bis zum 6. Dezember noch einiges zu tun.

Zum Thema

Der Nikolausumzug des Schützenvereins Niedersch findet am morgigen Sonntag statt. Die Kinder empfangen den heiligen Mann um 14.30 Uhr am DRK-Kindergarten Niederesch, Meisenstraße 1.

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