24 Stunden in Ochtrup
Ausgefeilte Technik und Hörbücher

Ochtrup -

Die Adventsserie „24 Stunden in Ochtrup“ geht weiter. WN-Mitarbeiter Martin Fahlbusch hat sich mit einem unserer Zeitungsboten, Sebastian Samberg, getroffen und ihn eine Stunde lang – von 1 bis 2 Uhr – begleitet.

Samstag, 02.12.2017, 06:00 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 02.12.2017, 06:00 Uhr
Präzisionsarbeit: Wer Zeitungsbote Sebastian Samberg auf seiner Tour durch Ochtrup begleitet, stellt schnell fest, dass der junge Mann beim Verteilen der Westfälischen Nachrichten eine ausgeklügelte Technik hat.
Präzisionsarbeit: Wer Zeitungsbote Sebastian Samberg auf seiner Tour durch Ochtrup begleitet, stellt schnell fest, dass der junge Mann beim Verteilen der Westfälischen Nachrichten eine ausgeklügelte Technik hat. Foto: Martin Fahlbusch

Man hätte an die Kopflampen denken sollen! Aber welcher Mensch denkt schon an die wirklichen Unbilden der zumeist dunklen Nacht, in der man auch noch draußen arbeiten soll?„Zeitungen austragen machen ich schon mehrere Jahre und ich habe meinen Schlaf-/ Wachrhythmus ganz gut organisiert gekriegt.“ Der das sagt, kommt ohne Kopflampe aus, denn seine Augen strahlen – und das, obwohl diese Nacht feucht und fies daherkommt.

Sebastian Samberg hat gerade den Schlüssel zum Botenraum umgedreht, in dem artig gestaplet seine Arbeit für die nächsten Stunden auf ihn wartet. Er orientiert sich an den verschiedenen Stapeln und holt einen Wunderzettel aus seiner Hosentasche. Der kommt erst später so richtig zum Einsatz. Jetzt muss er erst einmal kurz und knapp einen Kollegen begrüßen, der das Material für seine Fuhre in seinen Wagen packt. „Ausgetragen wird natürlich mit dem Fahrrad“, kommentiert der die fragenden Blicke. Natürlich. Darum trug er wahrscheinlich auch (noch) keine Kopflampe, sondern eine schicke Mütze.

„Genau; die richtigen Klamotten für den Job sind schon wichtig“, schmunzelt Sebastian Samberg, der noch nicht mal eine Mütze auf dem Kopf hat, dafür aber einen Schal unter der Softshelljacke. „Wir tragen eigentlich bei jedem Wetter aus, richtig doof sind die dicken Schneeschauer. Du siehst fast nichts und musst auch noch die Balance halten. Dann steige ich auch schon mal ab und schiebe, aber nur dann“, versichert er glaubhaft

Und dann wendet er sich wieder seinen Zeitungsstapeln zu. „Die sind nach den Touren und Bezirken gepackt und obendrauf liegen Informationen über Veränderungen oder was wir sonst noch mitverteilen sollen“, erläutert er und sortiert gleichzeitig einige Stapel in die großen Packtaschen, die an seinen Fahrrad baumeln und nach kurzer Zeit prall gefüllt sind. Und was ist bei ihm mit der Kopflampe? „Nee, die brauche ich nicht. Ich habe eine saustarke Fahrradlampe mit Akku, die brennt weiter, auch wenn ich zwischendurch mal anhalten muss“, erklärt er.

Sebastian Samberg hat Englisch und Philosophie studiert, gibt nachmittags Nachhilfe und ist ein echter Brettspielliebhaber, wie er gerne zugibt und auf den Spieletreff in der Villa Winkel zu sprechen kommt.

In seinem Bezirk kennt Sebastian Samberg jedes Haus.

In seinem Bezirk kennt Sebastian Samberg jedes Haus. Foto: Martin Fahlbusch

Und dann greift er in seine Jackentasche und kramt erneut den Wunderzettel heraus. Um einen stark abgenutzten Kugelschreiber hat sich geschmeidig liniertes Papier geschmeichelt, das schon mehrere Regenzeiten irgendwie überstanden hat. Lesen kann ein Unkundiger diese Geheimschrift sicher nicht. Aber für den Zeitungsausträgerprofi Samberg ist das wohl sein logistischer Masterplan. Selbiger stopft sich nun noch kleine Kopfhörer in die Ohren – er erzählt, dass er so schon ganze Hörbuch-Bibliotheken leer gehört hat – und strampelt los. Gar nicht so leicht ist es, ihm auf den berühmten Fersen zu bleiben. Seine Schlagzahl stimmt. Irgendwo zwischen Hecken an der Brook­straße flackert dann sein Fahrradlicht auf und verkündet „Sebastian schnurrt seine Tour runter.“ Er weiß genau, welche Zeitungen wohin gesteckt und verstaut werden müssen. Die Wege zwischen den Häusern meistert er im Slalom, er kennt jede Lücke zwischen den Gebäuden. Bleibt man einen Moment hinter ihm, erkennt man seine ausgefeilte Technik. Zwischen den Ablagestellen greift er mit traumwandlerischer Sicherheit mal links, mal rechts nach hinten in die Packtaschen ohne auch nur etwas ins Wackeln zu kommen oder Tempo zu verlieren. Punktgenau bremst er vor dem nächsten Briefkasten, steckt die mittlerweile eingerollte Zeitung in die dafür vorgesehene Rundung oder hat bis zum nächsten Hauseingang das Printprodukt schon zart gefaltet, passend für den nächsten Briefschlitz. Nach kaum einer Stunde seine Info: „So ich fahre nun zum Nachladen“ Der Berichterstatter hinterher. Am Botenraum ankommen, blitzt und blinkt ihm schon eine regelrechte Armada von Kopflampen tragenden Kollegen entgegen.

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