24 Stunden in Ochtrup
Wuselnd durch die Nacht

Ochtrup -

Die Adventsserie „24 Stunden in Ochtrup“ geht weiter. WN-Mitarbeiter Martin Fahlbusch war zu Besuch in der Firma Hewing. Um 2 Uhr in der Früh ist dort die Nachtschicht am Werk.

Sonntag, 03.12.2017, 06:00 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 03.12.2017, 06:00 Uhr
Auf Nachschicht bei Hewing (v.l): Daniel Schulze-Althof, Ingo Krude und Grenadier Schlegel
Auf Nachschicht bei Hewing (v.l): Daniel Schulze-Althof, Ingo Krude und Grenadier Schlegel Foto: Martin Fahlbusch

„Moment, ich muss eben noch etwas Notwendiges erledigen, dann habe ich gerne Zeit für Sie.“ Wenige Minuten später steht Ingo Krude am Werkstor der Firma Hewing an der Waldstraße und öffnet den Seiteneingang neben dem großen Straßen-Rollentor, das verschlossen ist. Krude hat seit vier Stunden Nachtschicht im Bereich Extrusion und lässt sich für gut eine Stunde bei seiner Arbeit, die er heute in diesem Abschnitt der PE-Rohr-Herstellung mit seinen Kollegen Grenadier Schlegel und Daniel Schulze-Althof erledigt, über die Schulter schauen.Wie im Vorfeld mit dem Leiter der Produktion, Georg Berger, bei der kurzen Sicherheitseinweisung besprochen, tragen wir klobige Sicherheitsschuhe, eine sehr schicke Sicherheitsbrille und eine Leuchtweste. So können wir in dieser großen Produktionshalle, in dem wir nur in einem Teil unterwegs sein werden, auch nicht verloren gehen.

Immerhin ist es mindestens zwei Stunden nach Mitternacht und die drei Hewing-Leute wuseln immer noch mit heftigem Elan durch diese Halle, prüfen hier, transportieren da, mischen weiter hinten und bauen dort wieder um. „Setzen Sie dort hinten ihre Kameratasche ab und schauen Sie sich erst mal die Abläufe an. Immer, wenn wir zwischen den Arbeitsschritten Zeit finden, können wir Ihnen etwas zu der Extruderproduktion der Spezialrohre erläutern“, lädt uns Ingo Krude ein, die vielen – auch akustischen – Eindrücke wirken zu lassen. Beim ersten Überblick über das, was sich in gleich sieben Produktionsstrecken tut, hat man nicht den Eindruck, es könnte jemals Langeweile aufkommen.

Wir befinden uns in der Grundstufe der Herstellung der unterschiedlichen Hewing-Qualitätsrohre. Dort entstehen aus speziell gemischten Granulaten, Spezialbeigaben und auf Wunsch der Kunden auch Farbbeimengungen PE-Rohre mit einer laservermessenen Wandstärke und präzisem Querschnitt. In der Ex­truderstrecke, die ein extrem langes, sich ständig vorwärtsdrehendes Schneckengewinde enthält, wird mit Wärme und Druck und nach einer verzwickten Wegstrecke aus den Ausgangsmischungen ein Endlosrohr mit genau bestimmten Grundvoraussetzungen hergestellt, das für die weitere Veredelung zu den sogenannten hauseigenen PE-xc-Rohren bereitgestellt wird. Solche Rohre kommen beispielsweise bei Fußbodenheizungen zum Einsatz.

Die drei Nachtarbeiter (in anderen Bereichen wird auch gearbeitet) sind Herren über sieben Produktionsstraßen, von denen fasst alle ununterbrochen Endlosrohre ausspucken, die vermessen und geprüft schlussendlich auf riesigen Trommeln aufgewickelt werden. Irgendwann ist eine voll und dann heißt es mit Augenmaß die Rohrproduktion zu drosseln, damit die Großtrommel gewechselt werden kann.

Grenadier Schlegel ist der Mann für den Umbau der zwischenzeitlich stehenden Produktionsstraßen für neue Aufträge. Die anderen karren mit den Lift-Ameisen die mit Rohren bestückten Großtrommmeln durch die Halle, setzen neue an oder nehmen Prüfmuster vom Anfang und Ende des aufgewickelten Produktes. Alles wird beschriftet und für die Laboruntersuchung vorbereitet.

An den Wänden informieren Laufschriften über Temperatur, Druck und Leistungen der Maschinen und melden etwaige Störungen. Im „Büro“ zeigen Computerbildschirme Einzelproduktionsdaten an. Auf einem Großbildschirm macht ein mehrfarbiges Diagramm den aktuellen Stand der gesamten Produktion anschaulich. Entlang der Produktions­straßen sind einzelne Messmonitore aufgestellt. Zudem zeigen mehrfarbige Lampen den Verlauf an und jede Warnsituation wird akustisch vermeldet – von der Mischung der Grundstoffe bis hin zu der maschinenunterstützten Trommelaufwicklung.

Und ohne das bei dem Lärm groß geschrien werden muss, arbeiten unsere drei Nachtarbeiter souverän Hand in Hand. „Natürlich muss man nach rechts und links schauen und nicht nur seinen eigenen Turn machen. Wenn es nötig ist, muss jeder für den anderen einspringen, aber auch dafür sorgen, dass Pausen für Essen und Trinken möglich sind“, erläutert Daniel Schulze-Althof. Wir werden nach 60 Minuten wieder „entlassen“. Da haben die drei noch drei Stunden vor der Brust.

Ordentlich aufgewickelt warten die Endlos-Kunststoffrohre auf die Vernetzung und Veredelung.

Ordentlich aufgewickelt warten die Endlos-Kunststoffrohre auf die Vernetzung und Veredelung. Foto: Martin Fahlbusch

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