Sturmtief „Friederike“ fegt über Ochtrup hinweg
„Mit blauem Auge davongekommen“

Ochtrup -

Sturmtief „Friederike“ sorgte zwar für Wirbel, doch die Töpferstadt kam vergleichsweise glimpflich davon. Die Feuerwehr verbuchte 65 Einsätze – hauptsächlich umgestürzte Bäume. Menschen kamen nicht zu Schaden. Trubelig wurde es aber am Schulzentrum. 

Donnerstag, 18.01.2018, 18:01 Uhr

Am Bergweg stürzte eine Zeder in den Vorgarten des Nachbarhauses, im Mohringhook mussten die Arbeiten an den Windkraftanlagen unterbrochen werden, die Marktbeschicker auf dem Pottbäckerplatz räumten frühzeitig das Feld, und auch sonst sorgte Sturmtief „Friederike“ für mächtig Wirbel.
Am Bergweg stürzte eine Zeder in den Vorgarten des Nachbarhauses, im Mohringhook mussten die Arbeiten an den Windkraftanlagen unterbrochen werden, die Marktbeschicker auf dem Pottbäckerplatz räumten frühzeitig das Feld, und auch sonst sorgte Sturmtief „Friederike“ für mächtig Wirbel. Foto: Anne Steven

Sie waren am Donnerstagmorgen die sprichwörtlichen letzten Mohikaner auf dem Wochenmarkt: Käsehändler Hermann Kempers und Fischhändler Jorn ten Bruggencate boten Sturmtief „Friederike“ am längsten die Stirn. Erst gegen kurz vor 11 Uhr beschlossen sie, zusammenzupacken. „Es wird einfach zu gefährlich“, meinte Kempers. Seine Kollegen hatten bereits gegen 9 Uhr das Feld geräumt. „Und wir rücken jetzt auch ab“, betonte der Käsehändler und rollte noch schnell die letzten Kabel zusammen.

Mit dem Innern ihrer Schulen mussten zahlreiche Grundschüler Vorlieb nehmen – auch in den Pausen. Die Einrichtung vorzeitig zu schließen, das kam jedoch für keine der drei Grundschulen in Frage. „Die Eltern sind auf die Betreuung angewiesen. Wir können die Kinder jetzt nicht einfach nach Hause schicken“, betonte die Leiterin der Lambertischule, Marlies Lütkehermölle. Sie und ihre beiden Kolleginnen von der Marien- und der Von-Galen-Schule seien sich da einig. „Die Kinder bleiben hier. Zur Not können sie später in die OGS“, ließ sich Marlies Lütkehermölle auch von einer Unwetterwarnung nicht aus der Ruhe bringen.

Am Schulzentrum war die Situation eine andere. Grundsätzlich entscheiden in NRW die jeweiligen Schulleitungen in Absprache mit dem Träger, wie sie vorgehen wollen. In Ochtrup hatten die Leiter der weiterführenden Schulen dem Träger vorgeschlagen, den Unterricht um 11 Uhr zu beenden, damit alle Schüler, wenn es gefährlich werden könnte, sicher zu Hause wären. Der Schulträger habe dies jedoch abgelehnt. Die Leiterin der Realschule, Doris Nollen Kuhlbusch, bedauerte, dass es in solchen Fällen von Seiten der Bezirksregierung keine offizielle Gangart gebe. „Das ist eine missliche Situation“, ärgerte sie sich.

Sturmtief „Friederike“ fegt über Ochtrup

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  • Am Donnerstag fegt das Sturmtief "Friederike" auch über die Töpferstadt.

    Foto: Anne Steven
  • Die Arbeiten an den neuen Windkraftanlagen im Mohringhook wurden am Donnerstagmorgen eingestellt.

    Foto: Martin Fahlbusch
  • Endstation Ochtrup: Auch im Bahnverkehr ging ab 12 Uhr nichts mehr. Die Deutsche Bahn stellte den Zugverkehr in NRW aufgrund des Sturms komplett ein.

    Foto: Martin Fahlbusch
  • Endstation Ochtrup: Die Deutsche Bahn stellte am Donnerstag ab 12 Uhr den Zugverkehr in NRW komplett ein

    Foto: Dieter Huge sive Huwe
  • Endstation Ochtrup: Auch im Bahnverkehr ging ab 12 Uhr nichts mehr. Die Deutsche Bahn stellte den Zugverkehr in NRW aufgrund des Sturms komplett ein.

    Foto: Martin Fahlbusch
  • Am Donnerstag fegt das Sturmtief "Friederike" auch über die Töpferstadt.

    Foto: Anne Steven
  • Am Donnerstag fegt das Sturmtief "Friederike" auch über die Töpferstadt.

    Foto: Anne Steven
  • Die Wochenmarktbeschicker auf dem Pottbäckerplatz packten am Donnerstag frühzeitig wieder zusammen.

    Foto: Anne Steven
  • Die Wochenmarktbeschicker auf dem Pottbäckerplatz packten am Donnerstag frühzeitig wieder zusammen.

    Foto: Anne Steven
  • Die Wochenmarktbeschicker auf dem Pottbäckerplatz packten am Donnerstag frühzeitig wieder zusammen.

    Foto: Anne Steven
  • Die Wochenmarktbeschicker auf dem Pottbäckerplatz packten am Donnerstag frühzeitig wieder zusammen.

    Foto: Anne Steven
  • Die Wochenmarktbeschicker auf dem Pottbäckerplatz packten am Donnerstag frühzeitig wieder zusammen.

    Foto: Anne Steven
  • Die Wochenmarktbeschicker auf dem Pottbäckerplatz packten am Donnerstag frühzeitig wieder zusammen.

    Foto: Anne Steven
  • Die Luther-Figur an der evangelischen Kirche riss der Sturm ebenfalls aus ihrer Verankerung.

    Foto: Dieter Huge sive Huwe
  • Die Luther-Figur an der evangelischen Kirche riss der Sturm ebenfalls aus ihrer Verankerung.

    Foto: Dieter Huge sive Huwe
  • Ein vermeindlicher Brand an den Caritaswerkstätten stellte sich glücklicherweise als Fehlalarm heraus.

    Foto: Dieter Huge sive Huwe
  • Am Schulzentrum fand der Unterricht regulär statt. Die Eltern hatten aber die Möglichkeit, die Schüler frühzeitig abzuholen.

    Foto: Dieter Huge sive Huwe
  • Eine umgewehte Bake an der Laurenzstraße.

    Foto: Dieter Huge sive Huwe
  • Die Zelte für die Ausgrabungen auf der Baustelle an der Töpferstraße legte der Sturm flach.

    Foto: Dieter Huge sive Huwe
  • Die Zelte für die Ausgrabungen auf der Baustelle an der Töpferstraße legte der Sturm flach.

    Foto: Dieter Huge sive Huwe
  • Am Postdamm entwurzelte der Sturm einen Baum.

    Foto: Martin Fahlbusch
  • Am Bergweg war die Feuerwehr gleich mehrfach im Einsatz. Unter anderem war eine Zeder in den Vorgarten des Nachbarhauses gestürzt. Gegenüber fällte die Freiwillige Feuerwehr einen weiteren Nadelbaum, der sich bedrohlich gegen ein Wohnhaus geneigt hatte.

    Foto: Anne Steven
  • Am Bergweg war die Feuerwehr gleich mehrfach im Einsatz. Unter anderem war eine Zeder in den Vorgarten des Nachbarhauses gestürzt. Gegenüber fällte die Freiwillige Feuerwehr einen weiteren Nadelbaum, der sich bedrohlich gegen ein Wohnhaus geneigt hatte.

    Foto: Anne Steven
  • Am Bergweg war die Feuerwehr gleich mehrfach im Einsatz. Unter anderem war eine Zeder in den Vorgarten des Nachbarhauses gestürzt. Gegenüber fällte die Freiwillige Feuerwehr einen weiteren Nadelbaum, der sich bedrohlich gegen ein Wohnhaus geneigt hatte.

    Foto: Anne Steven
  • Am Bergweg war die Feuerwehr gleich mehrfach im Einsatz. Unter anderem war eine Zeder in den Vorgarten des Nachbarhauses gestürzt. Gegenüber fällte die Freiwillige Feuerwehr einen weiteren Nadelbaum, der sich bedrohlich gegen ein Wohnhaus geneigt hatte.

    Foto: Anne Steven
  • Am Bergweg war die Feuerwehr gleich mehrfach im Einsatz. Unter anderem war eine Zeder in den Vorgarten des Nachbarhauses gestürzt. Gegenüber fällte die Freiwillige Feuerwehr einen weiteren Nadelbaum, der sich bedrohlich gegen ein Wohnhaus geneigt hatte.

    Foto: Franz-H. Duesmann
  • Am Bergweg war die Feuerwehr gleich mehrfach im Einsatz. Unter anderem war eine Zeder in den Vorgarten des Nachbarhauses gestürzt. Gegenüber fällte die Freiwillige Feuerwehr einen weiteren Nadelbaum, der sich bedrohlich gegen ein Wohnhaus geneigt hatte.

    Foto: Franz-H. Duesmann
  • Am Bergweg war die Feuerwehr gleich mehrfach im Einsatz. Unter anderem war eine Zeder in den Vorgarten des Nachbarhauses gestürzt. Gegenüber fällte die Freiwillige Feuerwehr einen weiteren Nadelbaum, der sich bedrohlich gegen ein Wohnhaus geneigt hatte.

    Foto: Franz-H. Duesmann

So wurden die Schulen zum sichersten Ort für die Schüler erklärt und blieben geöffnet. „Wenn man die Kinder vorzeitig entlässt, muss man sicher sein, dass sie auch zu Hause ankommen“, argumentierte der stellvertretende Leiter des zuständigen Fachbereichs Ordnung, Schulen, Soziales, Christian Engelmann , auf Nachfrage. Zudem sei ein Sonderumlauf der Schulbusse um 11 Uhr bedingt durch den regulären Betrieb an den Grundschulen nicht möglich gewesen.

Grundsätzlich dürfen Eltern in NRW bei extremen Witterungsverhältnissen selbst entscheiden, ob sie ihre Kinder morgens zur Schule schicken und ob sie die Kinder vor dem regulärem Unterrichtsende abholen. „Das Telefon stand nicht still“, berichteten sowohl die Leiterin der Realschule als auch ihr Pendant am Gymnasium, Peter Grus. Viele Eltern hätten ihre Kinder schon frühzeitig abgeholt. Für alle anderen fand regulärer Unterricht statt. Und auch alle Lehrkräfte blieben vor Ort.

Für die Schule, die nun mal die Aufsichtspflicht habe, sei es allerdings in dieser Situation schwierig gewesen, den Überblick zu behalten, da sich nicht alle Schüler ordnungsgemäß abmeldeten. „Wir konnten das nicht nachhalten“, ärgerte sich Grus. Seine Kollegin von der Realschule beschrieb die Vorgehensweise als „sehr bedauerlich“. Ihr wäre eine einheitliche, klare Regelung lieber gewesen. In Absprache mit ihr und den Eltern nahmen beispielsweise einige Zehntklässler aus Metelen bereits den Bus nach der vierten Stunde in Richtung Vechtegemeinde. Aus Elterngesprächen hatte Nollen Kuhlbusch erfahren, dass die Situation in der Nachbargemeinde nicht ungefährlich war.

Auch an der Hauptschule machten die meisten Eltern von ihrem Recht Gebrauch, ihre Kinder vorzeitig abzuholen. „Wir haben nur noch eine Handvoll Schüler hier“, vermeldete Schulleiter Golo Mielke um kurz nach 11 Uhr.

Anders als am Morgen mit Engelmann besprochen, habe das Busunternehmen Veelker den Transfer der Schüler nach der sechsten Stunde einstellen müssen. „Da gab es wohl Hindernisse, die im Weg waren“, berichtete Engelmann.

So nahmen die letzten verbliebenen Schüler am Gymnasium, sofern sie nicht von ihren Eltern abgeholt werden konnten, ein von der Schule geordertes Taxi gen Heimat. Die Kosten übernehme der Schulträger, betonte Engelmann.

Auf Nachfrage, ob es angesichts der unübersichtlichen Situation an den Schulen nicht sinnvoller gewesen wäre, die Schüler frühzeitig nach Hause zu schicken, sagte Engelmann, er habe den Eindruck gewonnen, dass die Kinder an den Schulen dazu angeregt wurden, ihre Eltern anzurufen, um sich abholen zu lassen. So sei die Situation erst unübersichtlich geworden.

Der Sturm nahm derweil Fahrt auf. Einer der ersten Einsätze führte die Freiwillige Feuerwehr Richtung Lan­genhorst. Doch der vermeintliche Brand bei den Caritaswerkstätten entpuppte sich glücklicherweise als Fehlalarm. Danach folgten die Einsätze Schlag auf Schlag, berichtet Feuerwehr-Chef Andreas Leusing – bis zum Nachmittag waren es 65. „Wir sind derzeit noch im ganzen Stadtgebiet im Einsatz“, betonte Leusing. Hauptsächlich galt es, umgestürzte Bäume abzusichern, wie zum Beispiel am Bergweg. Am Westwall sammelten die Kameraden Gerüstbretter ein, die nicht richtig festgemacht worden waren und mit denen der Sturm sein Unwesen trieb – glücklicherweise wurde niemand verletzt. Viele Häuser verloren Dachziegel, die Bahn stellte ab 12 Uhr den Zugverkehr ein, an der evangelischen Kirche riss es die Luther-Figur von den Füßen.

„Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen“, bilanzierte der technische Leiter Versorgung bei den Stadtwerken, Herbert Bätker. Lediglich in den Außenbereichen habe es einige Störungen gegeben, weil Äste in die Freileitungen gestürzt waren.

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