Geplanter Bau eines Krematoriums in Ochtrup
Caritaswerkstätten setzten sich zur Wehr

Ochtrup -

m Gewerbegebiet an der Waldstraße soll ein Krematorium gebaut werden. Investorin ist die FBM GmbH & Co. KG mit Sitz in Ochtrup. In der unmittelbaren Nachbarschaft regt sich nun Widerstand. Die Tectum Caritas als Trägerin der Caritaswerkstätten Langenhorst – wo auch zahlreiche Menschen mit Behinderung aus Gronau arbeiten – wendet sich gegen die Realisierung an diesem Standort.

Freitag, 19.01.2018, 15:01 Uhr

Die Tectum Caritas als Trägerin der Caritaswerkstätten Langenhorst will gegen den Bau eines Krematoriums an der Waldstraße vorgehen.
Die Tectum Caritas als Trägerin der Caritaswerkstätten Langenhorst will gegen den Bau eines Krematoriums an der Waldstraße vorgehen. Foto: Anne Steven

„Wir können das nicht zulassen, weil wir hier mit behinderten Menschen zusammenarbeiten“, machte Aufsichtsratsvorsitzender Franz Ruhwinkel im Gespräch mit den Westfälischen Nachrichten deutlich. Er, Werkstattleiter Alexander Lürwer und Geschäftsführer Gregor Wortmann seien kurz vor Weihnachten mit den Investoren zu einem Gespräch zusammengekommen, um ihre Bedenken vorzutragen. Mit dem Ergebnis seien sie jedoch nicht zufrieden. Deshalb will die Tectum Caritas nun juristische Schritte einleiten. Ein Fachanwalt sei bereits beauftragt.

Doch warum sollte eine direkte Nachbarschaft dieser beiden Betriebe an der Waldstraße nicht funktionieren? Franz Ruhwinkel, Alexander Lürwer und Gregor Wortmann haben ihre Argumente verschriftlicht. „Die Caritaswerkstätten“, so heißt es in dem Schreiben, „sind eine Einrichtung zur Teilhabe erwachsener Menschen mit Behinderung am Arbeitsleben.“ Über 500 Menschen mit Behinderungen haben in der Nähe des geplanten Krematoriums ihren Arbeitsplatz – und noch mehr. Denn die Werkstätten sind kein reiner Arbeitsort. Sie gelten als sogenannter zweiter Lebensraum, an dem die Beschäftigten eine Großteil ihrer Zeit verbringen. Neben der Arbeit gehörten auch regelmäßige Betätigungen in den Außenbereichen wie Spaziergänge oder sportliche Angebote zur Aufgabenerfüllung der Werkstatt.

Der Weg an dem geplanten Krematoriumsgelände vorbei sei zudem der einzig sichere Weg in die Stadt Och­trup und die Verbindung zum Café „Knitterfrei“. Es sei davon auszugehen, dass Leichenwagen, die aus südöstlicher Richtung kämen, an einem oder mehreren Standorten der Caritas-Werkstätten Langenhorst (Hauptwerkstatt und/oder Protec) vorbeifahren würden. „Die Existenz eines Krematoriums in der Nachbarschaft würde zu Überforderungen für einen Großteil der betreuten Personen mit geistigen, schwerst-mehrfachen und psychischen Behinderungen führen“, so die Einschätzung der Fachleute.

Zu sehen, zu hören und zu wissen, dass neben der Arbeitsstelle ein Krematorium in Betrieb sei, stelle für die Beschäftigten eine noch deutlich größere Belastung dar, als sie es für Arbeitnehmer ohne Behinderung wäre. „Die Gefährdungen schließen eine solche Nachbarschaft aus“, so das Fazit der Tectum Caritas. Die Störungen, denen die Beschäftigten ausgesetzt würden, seien für Menschen mit Behinderung unzumutbar. „Dagegen können wir nicht anarbeiten“, betont Alexander Lürwer und gibt damit auch die Einschätzung der Betreuer wieder.

Aufsichtsratsvorsitzender Franz Ruhwinkel (l.), Werkstattleiter Alexander Lürwer (r.) und Geschäftsführer Gregor Wortmann wollen juristische Schritte gegen den Bau eines Krematoriums an der Waldstraße einleiten.

Aufsichtsratsvorsitzender Franz Ruhwinkel (l.), Werkstattleiter Alexander Lürwer (r.) und Geschäftsführer Gregor Wortmann wollen juristische Schritte gegen den Bau eines Krematoriums an der Waldstraße einleiten. Foto: Anne Steven

Ein weiteres Argument der Tectum Caritas: die Straßensituation. „Die Waldstraße ist sehr schmal, so dass es im Begegnungsverkehr zu Problemen kommt. Zu beiden Seiten befinden sich tiefe Gräben. Für die durch das Krematorium zu erwartende deutliche Erhöhung des Verkehrsaufkommens sind die Straßen unseres Erachtens nicht in geeigneter Weise ausgebaut.“ Darüber hinaus sei die Verkehrssicherheit der Spazier- und Fahrradgruppen sowie der Pendler zu den Außenarbeitsplätzen gefährdet.

Gregor Wortmann schätzt, dass bei den Genehmigungsbehörden – eine Bauvoranfrage sei positiv beschieden worden – bislang der Standort der Caritaswerkstätten in direkter Nachbarschaft einfach übersehen wurde. Der Geschäftsführer geht davon aus, dass sie, sollte die Tectum Caritas gegen das Vorhaben klagen, Recht bekommen wird: „Wir werden in jeden Fall alle juristischen Mittel aufwenden.“

Alle drei wissen um die lohnende Investition in ein solches Projekt und auch, dass sich die Bestattungskultur verändert hat, dass immer häufiger Feuer- und Urnenbestattungen gewünscht werden. Doch ein Krematorium in unmittelbarer Nähe zu den Caritaswerkstätten, das sei unzumutbar.

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