Ochtruper vor Gericht
Faustschlag nach Mobbing

Ochtrup/Rheine -

Weil ein 20-jähriger Angeklagter seinem Kontrahenten am 27. Juli vergangenen Jahres an seinem früheren Heimatort die Faust ins Gesicht gedrückt und damit einen Nasenbeinbruch verursacht haben soll, stand er am Montag in Rheine vor Gericht.

Mittwoch, 07.02.2018, 07:02 Uhr

Symbolbild 
Symbolbild  Foto: dpa

Der Mann, der jetzt in Ochtrup wohnt, räumte die Tat ein und erklärte sie mit vorausgegangenen Mobbing-Attacken. Die Faust sei eine Kurzschlussreaktion darauf gewesen, als er dem Anführer überraschend begegnet sei. Belastend kam jedoch hinzu, dass er bereits wegen drei Körperverletzungen strafrechtlich aufgefallen war. Wegen der Schwere der Schuld einer solchen Körperverletzung beantragte der Staatsanwalt neun Monate mit Bewährung, 90 Sozialstunden und ein Anti-Aggressionstraining. Das Jugendschöffengericht hingegen folgte der Empfehlung der Jugendgerichtshilfe und stellte in dem Urteil zwar die Schuld des Angeklagten fest, aber ohne festes Strafmaß. Damit steht er jetzt für zwei Jahre unter Bewährung. Zudem muss er 90 Sozialstunden ableisten, ein Anti-Aggressionstraining machen und dem Gericht nachweisen, dass er sich um seine berufliche Fortbildung über das Job-Center kümmert.

„Die Tat war schwer“, sagte der Richter in der Urteilsbegründung. „Aber nach meinem Dafürhalten ist noch keine Jugendstrafe erforderlich. Es liegen Merkmale schädlicher Neigungen vor. Ich werde Sie jetzt zwei Jahre beobachten. Wenn Sie sich an die Auflagen halten und keine Straftaten mehr begehen, erlischt Ihre Schuld nach zwei Jahren ohne Folgen für Sie. Wenn das nicht funktioniert, stecke ich Sie in Arrest oder in den Knast“, warnte er ihn vor weiteren Ausrastern.

Der Angeklagte bereute die Tat, aber er habe das Mobbing nicht mehr ausgehalten. Deswegen sei er auch zu seinem Bruder nach Ochtrup gezogen. Die Gruppen gegen ihn seien immer größer geworden – er meinte bis zu 20 Leuten –, die auf ihn zugekommen, ihn provoziert und bloßgestellt hätten. Sein Verteidiger verlas die Nachricht einer Freundin von ihm, die vom Gericht abgeladen wurde, weil der Angeklagte ein Geständnis abgelegt hatte. Sie schrieb ihm: „Warum soll ich nicht aussagen? Der andere hat eine Strafe verdient, nicht du.“ Der Staatsanwalt sah das angesichts der Vorstrafen anders, bewertete aber den Umzug nach Ochtrup ebenso positiv wie das Gericht.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5491719?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F182%2F
Post reagiert nicht auf Hilfsangebot
Eine Münsteranerin hat Strafanzeige gestellt, weil viele ihrer Briefe im Sommer einfach verschwunden sind.
Nachrichten-Ticker