Fachleute sichern zwischen Töpfer-, Horst- und Fürstenbergstraße Schätze
„Eine typische Pottbäckerstadt“

Ochtrup -

Eigentlich sollten die Arbeiten für einen Wohnkomplex mit 54 Wohnungen zwischen Töpfer-, Fürstenberg- und Horststraße längst begonnen haben. Doch derzeit haben dort noch die Archäologen das Sagen. Denn auf dem 6000 Quadratmeter großen Gelände wurden Bodendenkmäler aus unterschiedlichen Jahrhunderten entdeckt.

Donnerstag, 19.04.2018, 07:04 Uhr

Geschützt unter einem Zelt legen die Archäologen derzeit die Überreste eines vermutlich mittelalterlichen Brennofens frei.
Geschützt unter einem Zelt legen die Archäologen derzeit die Überreste eines vermutlich mittelalterlichen Brennofens frei. Foto: Anne Steven

Der Winter war lang, kalt und nass, der Boden auf dem Areal zwischen Töpfer-, Horst- und Fürstenbergstraße, auf dem ein Komplex mit 54 Wohneinheiten inklusive Tiefgarage entstehen soll, aufgrund seiner Wasserundurchlässigkeit schwer zu bearbeiten. Aber die archäologische Befundlage, die war und ist dicht. Und Letzteres ist der ausschlaggebende Punkt, warum sich dort seit etwa einem halben Jahr die Mitarbeiter der Firma Archbau aus Köln und nun seit kurzem auch die des Landschaftsverbandes Westfalen Lippe (LWL) in die Ausgrabungsarbeiten stürzen.

Üblicherweise überprüft der Landschaftsverband im Rahmen eines Bauleitplanverfahrens, ob ein Projekt archäologisch betreut werden muss. So geschah es auch bei dem Vorhaben der drei Investoren aus Ochtrup.

Gleich zu Beginn sei ihm und den Kollegen klar gewesen, dass auf dem Gelände mit Bodendenkmälern zu rechnen sei, berichtet Wolfram Essling-Wintzer vom LWL. Zunächst wurde auf dem Gelände der Humus abgefahren, um einen ersten Überblick zu bekommen. Dabei stellten die Archäologen fest: Die mittelalterlichen Oberböden auf der 6000 Quadratmeter großen Fläche sind größtenteils nicht mehr vorhanden. Dafür aber jede Menge Gruben und Löcher. Eine Ausnahme bildet der Standort der alten Töpferwerkstatt Eiling direkt gegenüber dem Töpfereimuseum . „Wir haben dort eine wunderbare Befunderhaltung. Das ist sehr selten und hat große Bedeutung“, fasst der LWL-Mitarbeiter zusammen. Weil die Arbeiten dort so aufwendig geworden sind, ist der Landschaftsverband an dieser Stelle mittlerweile selbst tätig. „Das war dem Investor auf dieser Teilfläche finanziell nicht mehr zuzumuten“, so Essling-Wintzer. Denn die Kosten für solche Ausgrabungen werden nach dem Verursacherprinzip getragen. Heißt: Wer bauen möchte, muss gegebenenfalls auch archäologische Ausgrabungen bezahlen.

Ausgrabungen an der Töpferstraße

1/35
  • Dort wo Investoren ein großes Mehrfamilienhaus inklusive Tiefgarage bauen wollen, sind derzeit die Archäologen beschäftigt. Sie haben auf dem Areal zwischen Horst, Töpfer- und Fürstenbergstraße zahlreiche Bodendenkmäler gefunden.

    Foto: Anne Steven
  • Dort wo Investoren ein großes Mehrfamilienhaus inklusive Tiefgarage bauen wollen, sind derzeit die Archäologen beschäftigt. Sie haben auf dem Areal zwischen Horst, Töpfer- und Fürstenbergstraße zahlreiche Bodendenkmäler gefunden.

    Foto: Anne Steven
  • Dort wo Investoren ein großes Mehrfamilienhaus inklusive Tiefgarage bauen wollen, sind derzeit die Archäologen beschäftigt. Sie haben auf dem Areal zwischen Horst, Töpfer- und Fürstenbergstraße zahlreiche Bodendenkmäler gefunden.

    Foto: Anne Steven
  • Dort wo Investoren ein großes Mehrfamilienhaus inklusive Tiefgarage bauen wollen, sind derzeit die Archäologen beschäftigt. Sie haben auf dem Areal zwischen Horst, Töpfer- und Fürstenbergstraße zahlreiche Bodendenkmäler gefunden. Weitere Impressionen von den Ausgrabungen folgen.

    Foto: Anne Steven
  • Foto: Anne Steven
  • Foto: Anne Steven
  • Foto: Anne Steven
  • Foto: Anne Steven
  • Foto: Anne Steven
  • Foto: Anne Steven
  • Foto: Anne Steven
  • Foto: Anne Steven
  • Foto: Anne Steven
  • Foto: Anne Steven
  • Foto: Anne Steven
  • Foto: Anne Steven
  • Foto: Anne Steven
  • Foto: Anne Steven
  • Foto: Anne Steven
  • Foto: Anne Steven
  • Foto: Anne Steven
  • Foto: Anne Steven
  • Foto: Anne Steven
  • Foto: Anne Steven
  • Foto: Anne Steven
  • Foto: Anne Steven
  • Foto: Anne Steven
  • Foto: Anne Steven
  • Foto: Anne Steven
  • Foto: Anne Steven
  • Foto: Anne Steven
  • Foto: Anne Steven
  • Foto: Anne Steven
  • Foto: Anne Steven
  • Foto: Anne Steven

Bislang seien in ganz Westfalen nur zehn Standorte mittelalterlicher Töpfereien nachgewiesen worden, erzählt Essling-Wintzer. Doch auf besagtem Areal in Ochtrup haben die Archäologen schon jetzt mindestens acht zum Teil verschiedene Brennöfen gefunden. Sie sind aus der Luft als schwarz-verbrannte Flächen auszumachen.

An diesem Morgen haben sich auch einige Mitglieder des Heimatvereins, Stadtarchivarin Karin Schlesiger sowie Tanja Withut und Christa Holtmannspötter vom Töpfereimuseum an der Ausgrabungsstelle eingefunden. „So etwas interessiert uns vom Heimatverein natürlich ebenfalls brennend“, sagt Vorsitzender Manfred Schründer und lauscht weiter andächtig den Ausführungen des Archäologen.

Dieser berichtet: „Wir können definitiv Befunde aus dem 15. Jahrhundert nachweisen.“ In der Hand hält Essling-Wintzer ein kleines graues, wunderlich verformtes Stück gebrannten Tons. „Ein Fehlbrand aus dieser Zeit. Da freut sich jeder Fachmann drüber“, meint er strahlend. Und manche Funde seien womöglich sogar noch älter.

Grundsätzlich gehe es dem Landschaftsverband als Fachbehörde darum, Bodendenkmäler zu erhalten. „Wir graben nicht gerne aus“, betont Essling-Wintzer. Doch gerade in Innenstadtbereichen wie hier in Ochtrup sei dies schwierig. Die historischen Funde vollständig auszugraben und an anderer Stelle auszustellen, sei keine Alternative. „Wer will das denn bezahlen?“, lässt Wolfram Essling-Wintzer die Frage im Raum stehen. So sei es derzeit in der Regel so, dass solche Bodendenkmäler freigelegt, fotografiert und dokumentiert würden – und dann eben verschwänden. In Ochtrup werden sie wohl demnächst einer Tiefgarage weichen. Doch zumindest sind sie für die Forschung dokumentiert.

„Das ist total spannend“: Kerstin Lehmann von der Firma Archbau ist die Begeisterung für ihre Arbeit ins Gesicht geschrieben. Anhand der jetzigen Befunde werde bereits Ochtrups Töpfergeschichte deutlich: „eine typische Pottbäckerstadt.“ Auf einem kleinen Tisch vor ihr hat die Archäologin eine ganze Reihe gereinigter Fundstücke aufgebaut. Sehr gut erhaltene Teller, Schalen und andere Gefäße – nicht zu vergessen einige Ochtruper Nachtigallen. „Die wird der Großvater der Töpferin Lisa Eiling-Wilke gemacht haben“, vermutet Kerstin Lehmann. Genaueres werde später eine Keramikanalyse liefern. Das gilt auch für die gefundenen Brennöfen.

Erst wenn alle Funde genauestens ausgewertet sind, könne man Konkretes sagen, so die Experten. Wann das sein wird, steht noch nicht fest. Wie lange die Ausgrabungen noch dauern werden, und wann mit dem eigentlichen Bauprojekt begonnen werden kann, können sie ebenfalls noch nicht sagen. „Einige Wochen werden wir sicherlich noch brauchen“, vermutet Essling-Wintzer.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5670475?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F182%2F
Nachrichten-Ticker