Baustellen in der Innenstadt
Es wird eng für die Feuerwehr

Ochtrup -

Baustellen prägen derzeit das Stadtbild von Ochtrup. Absperrungen und Parkverbote sind an der Tagesordnung. Das macht nicht nur den Bürgern Sorgen, sondern auch der Feuerwehr. Die Einsatzkräfte befürchten, im Ernstfall nicht rechtzeitig anrücken zu können. Deshalb werden vorsorglich bei Notrufen mehrere Löschzüge alarmiert.

Mittwoch, 11.07.2018, 08:01 Uhr

Kein Durchkommen ist für Autofahrer wie auch für die Feuerwehr derzeit auf der Bergstraße. Bei der Ausweichroute der Retter durch die Mühlenstraße behindern immer wieder abgestellte Fahrzeuge, die vor den absenkbaren Pollern (kl. Foto) stehen, die Durchfahrt der Einsatzfahrzeuge.
Kein Durchkommen ist für Autofahrer wie auch für die Feuerwehr derzeit auf der Bergstraße. Bei der Ausweichroute der Retter durch die Mühlenstraße behindern immer wieder abgestellte Fahrzeuge, die vor den absenkbaren Pollern (kl. Foto) stehen, die Durchfahrt der Einsatzfahrzeuge. Foto: Marion Fenner/Dieter Huge sive Huwe

Was Baustellen in ihrer Stadt angeht, sind die Ochtruper schon fast Profis. Aktuell ist es mit der Sperrung der Kreuzung an der Stadthalle besonders schlimm. Die Töpferstädter sind genervt. Doch es gibt eine Truppe, der die derzeitigen Verkehrsbehinderungen besonders zusetzt: die Feuerwehr.

„Im schlimmsten Fall stecken wir fest und können nicht helfen“, fasst Feuerwehrchef Andreas Leusing nüchtern zusammen. Acht Minuten haben er und seine Leute im innerstädtischen Bereich Zeit, einen sogenannten schutzzielrelevanten Einsatz – also etwa den Brand eines Wohnhauses – zu erreichen. Innerhalb dieser Hilfsfrist müssen wenigsten zehn Einsatzkräfte und zwei Fahrzeuge vor Ort sein.

Umwege fahren

„Dabei muss man bedenken, dass wir ja aktuell auch erschwert zum Gerätehause kommen“, erklärt Leusings Stellvertreter, Jörg Veldermann. „Die Hälfte der Zeit geht oftmals für die Anfahrt drauf. Wenn man dann auf dem Weg zum Einsatz noch Umwege fahren muss, ist die gesetzte Zeit schnell rum“, rechnet Andreas Leusing vor.

  Foto: Dieter Huge sive Huwe

Außerorts liegt die sogenannte Hilfsfrist übrigens bei zwölf Minuten. Ausgenommen sind beispielsweise Einsätze auf der Autobahn. „Man sagt, dass 90 Prozent aller Einsätze dieser Art innerhalb der Fristen erreicht werden sollten“, erklärt der Feuerwehrchef die Vorgaben.

Wir alarmieren immer eine Alarmstufe mehr, um das Ganze ein bisschen zu entschärfen.

Andreas Leusing

Selbstverständlich haben die Verantwortlichen aber Maßnahmen ergriffen, um diese Situation zu meistern. Eine erste ist die Ausweitung der Alarmierung. Das heißt: Würden bei einem Einsatz im Normalfall beide Ochtruper Löschzüge alarmiert werden, rücken jetzt sicherheitshalber auch die Feuerwehrleute aus Langenhorst aus. „Wir alarmieren immer eine Alarmstufe mehr, um das Ganze ein bisschen zu entschärfen“, erklärt Andreas Leusing das Vorgehen.

Die Stadt Ochtrup hat zudem an vielen Umleitungsstrecken Parkverbote eingerichtet. Davon betroffen ist auch der Jückweg. „Der war vorher eine Katastrophe“, berichtet Roman Beunink. Er ist Notfallsanitäter im Ochtruper Rettungsdienst und froh, dass für die Zeit der Baustelle die verkehrsberuhigenden Maßnahmen am Jückweg Geschichte sind.

„Fatale Situation“

Doch grundsätzlich verzögerten sich derzeit trotzdem die Einsatzfahrten. Grund ist das hohe Verkehrsaufkommen. Schwer zu erreichen sind auch deshalb aktuell die Altenheime und das Krankenhaus. Hauptsächlich dann, wenn die Parkverbotschilder missachtet würden. Ein Beispiel: die Mühlenstraße. „Dort stehen keine Verbotsschilder. Müssen sie auch nicht, denn in dem verkehrsberuhigten Bereich darf man ohnehin nicht parken“, erklärt Andreas Leusing. Trotzdem werde gerade vor der Pizzeria munter geparkt. Bislang sei die Durchfahrt immer noch irgendwie möglich gewesen. Nur habe sich seit Kurzem aber die Marotte eingeschlichen, dass Autos direkt vor den versenkbaren Poller in Richtung Kirchplatz geparkt würden. „Für uns ist das derzeit der einzige Weg zum Krankenhaus. Dort müssen wir den Notarzt einsammeln“, beschreibt Roman Beunink die aus seiner Sicht „fatale Situation“ für den Rettungsdienst.

Welche Möglichkeiten hat die Feuerwehr in solchen Situationen? „Wir können uns nicht überall durchquetschen“, betont Andreas Leusing. Die Devise „Vier Mann, vier Ecken“ und schwupps, das Auto zur Seite getragen, sei zwar sicherlich amüsant, jedoch kaum realistisch.

Aufs Rad umsteigen

Wichtig sei, das Ankommen am Einsatzort – und das möglichst schnell, wirft Jörg Veldermann ein. Für die Feuerwehrleute gelte es deshalb, Ruhe zu bewahren und das Beste aus der Situation zu machen. Andreas Leusing hat schon häufig erlebt, dass Autofahrer, wenn sie das Martinshorn hörten, nervös wurden. „Da gab es schon oft brenzlige Situationen.“ Grundsätzlich habe jeder Verkehrsteilnehmer die Pflicht, der Feuerwehr den Weg frei zu machen. Von seinen Leuten verlangt der Feuerwehrchef in solchen Situationen jedoch Umsicht.

Und ein bisschen, das betonen die drei – können sie das auch von den Ochtrupern verlangen. Schließlich wolle jeder, wenn er selbst einen Schaden habe, dass die Einsatzkräfte möglichst schnell vor Ort seien. „Das sollte sich jeder vielleicht mal überlegen“, appelliert Andreas Leusing an die Vernunft der Menschen in der Töpferstadt.

Roman Beunink hat noch einen ganz praxisnahen Tipp: „Vielleicht sollte man sich mal überlegen, ob man nicht das eine oder andere auch zu Fuß oder mit dem Fahrrad erledigen kann.“ Und Jörg Veldermann ergänzt: „Wir müssen da jetzt durch. Ganz wichtig ist, dass die Leute sich an die Parkverbote halten. Sonst kann unser Plan nicht aufgehen.“

 

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