Henni Lotta Scheitz und Lara Essing fahren nach Eritrea
Arbeiten auf der Kaffeefarm

Ochtrup -

Eritrea ist kein Urlaubsland, dennoch eine Reise wert, wie Musikschullehrer Ulrich Coppel von der Deutsch-Eritreischen Gesellschaft versichert. Er vermittelt zwei jungen Frauen jetzt einen Aufenthalt in dem ostafrikanischen Land, das viele Menschen verlassen, weil sie dort keine Perspektive für sich sehen. Henni Lotta Scheitz und Lara Essing wollen ab Montag ein halbes Jahr in Eritrea verbringen, dort ehrenamtlich arbeiten und sich in sozialen Projekten engagieren.

Donnerstag, 12.07.2018, 16:40 Uhr

Henni Lotta Scheitz (l.) und Lara Essing gehen für ein halbes Jahr nach Eritrea, um Land und Leute kennezulernen. Organisiert hat die Reise Ulrrich Coppel von der deutsch-Eritreischen Gesellschaft. Die Kaffeefarm von Ghennet Bokretzion Ghedd e. (kl. Foto) ist eine erste Anlaufstelle für die beiden Münsterländerinnen.
Henni Lotta Scheitz (l.) und Lara Essing gehen für ein halbes Jahr nach Eritrea, um Land und Leute kennezulernen. Organisiert hat die Reise Ulrrich Coppel von der deutsch-Eritreischen Gesellschaft. Die Kaffeefarm von Ghennet Bokretzion Ghedd e. (kl. Foto) ist eine erste Anlaufstelle für die beiden Münsterländerinnen. Foto: Marion Fenner

Eritrea, das ostafrikanische Land, war in dieser Woche in den Schlagzeilen. Mal positiv, was Ulrich Coppel von der Deutsch-Eritreischen Gesellschaft außerordentlich freut. Der Friedensschluss mit Äthiopien ist besiegelt. Coppel, Musikschullehrer aus Ochtrup, ist Fan des Landes und engagiert sich dort seit vielen Jahren. „Eritrea hat es verdient, dass sich jemand darum kümmert“, ist er überzeugt. Coppels Ziel ist es, Eritrea auch hierzulande wieder in den Mittelpunkt zu rücken. „Land und Leute sind es wert, sie leiden unter den immer noch bestehenden Wirtschaftssanktionen und nicht ganz einfachen politischen und religiösen Einflüssen“, erklärt Ulrich Coppel.

  Foto: Ulrich Coppel

Der Musikschullehrer ermöglicht jetzt Jugendlichen, dass sie sich ein halbes Jahr in Eritrea aufhalten können. „Sie machen so etwas wie ein freiwilliges soziales Jahr, nur dass wir es offiziell so nicht nennen dürfen“, berichtet Coppel. Henni Lotta Scheitz (17 Jahre) aus Ochtrup und Lara Essing (19) aus Wettringen werden in der kommenden Woche nach Eritrea fliegen. Coppel hat dafür gesorgt, dass sie bei Bekannten und Freunden von ihm untergebracht werden.

Absolutes Neuland

„Das ist absolutes Neuland, aber in Abstimmung mit der Eritreischen Botschaft genehmigt“, versichert der Musikschullehrer. Die jungen Frauen freuen sich schon riesig auf diese besondere Reise. Sie wollen ein Praktikum in einer Blindenschule absolvieren, auf einer Kaffeefarm arbeiten und Henni Lotta Scheitz wird zudem Gitarrenunterricht geben. „Der Rest ergibt sich“, ist Lara Essing zuversichtlich. Auf jeden Fall wollen sie sich ehrenamtlich engagieren.

Eritrea ist anders, als es hierzulande in den Medien dargestellt wird.

Ulrich Coppel

Ein paar Kontakte haben die beiden Jugendlichen auch schon geknüpft. Tina Goltsch ist Flüchtlingskoordinatorin in Wettringen und gemeinsam mit Ulrich Coppel in der Deutsch-Eritreischen Gesellschaft aktiv. Sie ist mit der Mutter von Lara Essing befreundet und kann ebenfalls wichtige Tipps für den Aufenthalt geben. Auch sie ist schon in Eritrea gewesen. „Eritrea ist anders, als es hierzulande in den Medien dargestellt wird“, betont Ulrich Coppel. „Es ist nicht gefährlich für die beiden Mädchen, sich dort aufzuhalten.“ Freie Reisen durch das Land seien nur mit eine besonderen Genehmigung möglich. Dennoch hätten die beiden Münsterländerinnen Gelegenheit, viel zu sehen. Unter anderem lohne sich die Hauptstadt Asmara, in der aus der italienischen Kolonialzeit noch zahlreiche Gebäude im Stil der italienischen Ausprägung der klassischen Moderne. Seit 2017 zählt Asmara als „modernistische Stadt Afrika“ zum Unesco-Welterbe. Außerdem rät er zu einer Fahrt an das Rote Meer, in dem es zudem wunderbare Korallenriffe gebe.

Keine Zukunftsperspektive

Coppel, der bereits mehrfach in Eritrea war, unter anderm im vergangenen Jahr mit de münsterischen Coverband „Starlight Excess“ oder dem Philharmonie-Orchester Leipzig, ist sicher, das die jungen Frauen herzlich aufgenommen werden und viele Gelegenheit haben, sich ein Bild von dem Land zu machen. „Es gibt auch viel Armut in Eritrea – ein Grund warum gerade jungen Leute dort in ihrer Heimat keine Zukunftsperspektive sehen.“

Die beiden Frauen sind gespannt auf das, was sie dort erwartet. In Gesprächen mit Menschen aus Eritrea, die hierzulande leben, haben sie sich auch über die bestimmte Höflichkeitsformen informiert. „Bei einer Einladung zum Kaffee sollte der Gast mindestens drei Tassen Kaffee trinken, sonst meint der Gastgeber, dass es einem nicht gefallen hat“, sagt Henni Lotta Scheitz mit einem Augenzwinkern. Lara Essing fügt mit einem Lachen hinzu: „Dafür werde ich mir das Kaffee trinken dann wohl angewöhnen müssen.“

An diesem Wochenende haben die beiden noch einmal ausreichend Gelegenheit, sich über Land und Leute zu informieren. In Gießen findet ein großes Eritrea-Festival statt. Dort fahren sie gemeinsam mit Ulrich Coppel hin.

Kontakt zur Heimat werden die jungen Frauen über soziale Medien halten. „Das funktioniert prima“, versichert Coppel. Auch für unsere Zeitung wollen die beiden Zwischenberichte von ihren Erlebnissen schreiben.

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