Honigernte bei Imker Hans Oelerich
Das Werk der geflügelten Damen

Ochtrup -

Die Honigernte ist in vollem Gange. In diesen Tagen wird die Sommertracht geschleudert. Auch Imker Hans Oelerich aus Ochtrup ist mitten in der Arbeit. Er hat sich dabei über die Schulter schauen lassen und von seinem spannenden Hobby erzählt.

Sonntag, 15.07.2018, 14:40 Uhr

Imker Hans Oelerich zeigt, wie er den Kastanienhonig aus den Waben holt.
Imker Hans Oelerich zeigt, wie er den Kastanienhonig aus den Waben holt. Foto: Anne Steven

Es summt und brummt um Hans Oelerich herum. Doch der 74-jährige Imker bleibt gelassen. Erkennt seine Bienen. In diesen Tagen steht für ihn und seine Kollegen in der Region das Schleudern des Sommerhonigs auf dem Programm.

45 bis 50 Völker nennt der Ochtruper sein Eigen. Doch wer glaubt, die Bienenstöcke stünden nur bei ihm im Garten, der irrt. Regelmäßig bricht er zu Touren beispielsweise nach Rheinland-Pfalz auf, um seine Bienen dort Nektar tanken zu lassen. In diesem Jahr hat er seinen geflügelten Damen an die Weinstraße kutschiert. Was dort serviert wurde? Feinster Kastaniennektar. Daraus machen seine Bienen Honig. Aber diese Sorte ist nicht etwas für jeden Gaumen. „Der Kastanienhonig schmeckt ein bisschen herb“, erklärt Hans Oelerich. Doch er habe gehört, das Naturprodukt sei gut für die Bronchien.

Vorsichtig zieht der Imker nun – ausgerüstet mit Hut, Jacke und Pfeife – die Waben aus einem der Bienenstöcke. „Die Waben sind gut gedeckelt“, freut er sich und deutet auf die größtenteils mit Wachs verschlossenen Kammern. „Honig darf nicht zu früh geerntet werden. Erst, wenn etwa zwei Drittel der Waben verdeckelt sind, ist er reif.“

Honigernte in Ochtrup

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  • Etwa 45 bis 50 Völker mit jeweils circa 40 000 bis 50 000 Bienen nennt Imker Hans Oelerich aus Ochtrup sein Eigen.

    Foto: Anne Steven
  • Früher wurden Bienenstöcke in Körben angelegt, später nahm man Holzkisten, heute werden meist Boxen aus Kunststoff verwendet -- außer bei Bio-Honig. Dafür rmüssen Holzkisten verwendet werden.

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  • Vorsichtig zieht Imker Hans Oelerich die Waben aus dem Bienenstock.

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  • Gut zwei Drittel der Honigkammern sind bereits verdeckelt. Das heißt: Der Honig ist reif.

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  • Gerne geben die fleißigen Bienen ihren Honig nicht ab.

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  • Mit Rauch aus seiner Pfeife beruhigt der Imker die Bienen.

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  • Mit einem Handfeger kehrt er die Bienen vorischtig von den Waben herunter.

    Foto: Anne Steven
  • Mit einem Handfeger kehrt er die Bienen vorischtig von den Waben herunter.

    Foto: Anne Steven
  • Um eine Wabe herzustellen, geht etwa ein Pfund Honig drauf, sagt Imker Hans Oelerich. Deshalb hängt er die alten Waben wieder in den Stock zurück.

    Foto: Anne Steven
  • Um eine Wabe herzustellen, geht etwa ein Pfund Honig drauf, sagt Imker Hans Oelerich. Deshalb hängt er die alten Waben wieder in den Stock zurück.

    Foto: Anne Steven
  • Mit einer speziellen Gabel entfernt der Imker die dünnen Wachsdeckl von den Waben. Entdeckeln heißt das in der Fachsprache.

    Foto: Anne Steven
  • Mit einer speziellen Gabel entfernt der Imker die dünnen Wachsdeckl von den Waben. Entdeckeln heißt das in der Fachsprache.

    Foto: Anne Steven
  • Mit einer speziellen Gabel entfernt der Imker die dünnen Wachsdeckl von den Waben. Entdeckeln heißt das in der Fachsprache.

    Foto: Anne Steven
  • Mit Hilfe einer halbautomatischen Schleuder bringt der Imker den Honig aus den Waben.

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  • Der geschleuderte Honig wird mehrfach gefiltert, muss einige Tage ruhen und wird dann wiederum über einige Tage langsam gerührt, damit sich keine Kristalle bilden und der Honig schön cremig wird.

    Foto: Anne Steven
  • Mit Hilfe eines Refraktometers bestimmt Hans Oelerich den Wassergehalt des Honigs. Er sollte 18 Prozent nicht übersteigen.

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  • "Hebt se Di auk hat?", lautet ein augenzwinkernder plattdeutsche Spruch am Haus von Hans Oelerich. Das Schild hat er selbst gemacht.

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Vorsichtig fegt der Bienenmann seine eifrigen Damen von den Waben herunter. Gerne geben sie ihr süßes Werk nicht ab – einige verfolgen den Imker sogar bis in die Scheune, wo er die Waben weiterverarbeitet. Zunächst müssen die hauchzarten Wachsdeckel entfernt werden. Hans Oelerich nimmt dafür eine spezielle Gabel. „Theoretisch könnte man den Wachs auch mit einem Fön abschmelzen, aber das mache ich nicht“, erzählt der Imker. Er setzt nun die geöffneten Waben in eine Honigschleuder. Der Bottich aus Edelstahl hat ein bisschen was von einer Fritteuse, nur ohne Fett. Vier Rahmen kann der Imker gleichzeitig verarbeiten. Etwa eine Minute schleudert der Halbautomat. „Hörst du es rauschen?“, Hans Oelerich hält das Ohr ganz nah an die Maschine, aus der nun stetig der dunkelgoldene Kastanienhonig herausläuft – erst durch ein grobes Sieb, später streicht der Imker den Honig noch durch ein sehr feines Fadensieb.

Abgefüllt werden kann der goldene Saft aber noch nicht. Jetzt heißt es zunächst, ein bis zwei Tage warten. Währenddessen ruht der Honig. Damit er danach keine Kristalle bildet, muss er über mehrere Tage „ganz langsam“ gerührt werden. „Das ist ganz wichtig“, betont der Imker. Durch das Rühren bekommt der Honig seine typisch-cremige Konsistenz.

„Eigentlich wissen die Bienen ganz genau, wann ihr Honig fertig ist“, erzählt Hans Oelerich. Wie gesagt, sie verschließen die Waben mit einem Wachsdeckel. Doch auch die Menschen haben dafür eine Methode entwickelt. Imker messen mit Hilfe eines Refraktometers den Feuchtigkeitsgehalt des Honigs. Maximal 18 Prozent Wasser dürfen laut Deutschem Imkerbund drin sein. Auch Hans Oelerich misst sicherheitshalber nach. Das Ergebnis: 15,8 Prozent. „Das ist sehr gut“, freut sich der Ochtruper. Die Bienen hatten also Recht. Der Imker füllt den Honig zunächst in große Eimer. 40 Kilogramm passen dort hinein. Und jede Menge davon stehen schon hinter ihm. „Dass die Bienen so viel zusammenkriegen können, ist schon enorm, oder?“ findet der Experte, der sich auch nach über 40 Jahren noch für sein Hobby begeistern kann.

Im Herbst muss er nun – da er ihnen ihre Wintervorräte abgeluchst hat – zufüttern. Aktuell gehen seine Damen aber noch auswärts frühstücken. Voraussichtlich ab September, so schätzt Hans Oelerich, reicht er dann Fest- und Flüssigfutter für den Winter. Aktuell schätzt er das Heer seiner Bienen auf 40 000 bis 50 000 Tiere je Volk. „Im Winter werden es dann weniger“, erklärt er. Dann tummeln sich – recht langsam – nur noch etwa 10 000 Bienen pro Volk in den Stöcken.

Die Waben setzt der Imker übrigens wieder ein. Damit die Insekten im nächsten Jahr nicht erst neue Waben bauen müssen. „Für jede Wabe, die gebaut wird, geht ein Pfund Honig drauf“, weiß der Fachmann. Und das gilt es schließlich zu verhindern.

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