Sommer-ABC
Faszinierend, fleißig und ganz besonders

Ochtrup -

Pünktlich zum Beginn der Sommerferien starten die Westfälischen Nachrichten wieder eine Serie: das Sommer-ABC. In diesem Jahr gibt es zu jedem Buchstaben im Alphabet eine spannende Geschichte zu erzählen oder Wissenswertes zu erfahren. Den Anfang macht der Buchstabe A – wie Ameise.

Montag, 16.07.2018, 06:00 Uhr

Ein Ameisenhaufen im Wald. Dort gehören die sechsbeinigen Tierchen eigentlich hin. Doch nicht selten suchen sie sich auch Lebensraum in menschlichen Behausungen.
Ein Ameisenhaufen im Wald. Dort gehören die sechsbeinigen Tierchen eigentlich hin. Doch nicht selten suchen sie sich auch Lebensraum in menschlichen Behausungen. Foto: Anne Steven

Das große Krabbeln der Ameisen beginnt, sobald die Temperaturen etwas wärmer werden. Überall sind die Insekten in den Sommermonaten anzutreffen, in diesem Jahr aufgrund der warmen Temperaturen besonders viele. Manchmal sogar in der eigenen Wohnung . . .

Jörg Tysarzik vom Landesverband NRW der Deutschen Ameisenschutzwarte wirbt allerdings um Verständnis für die kleinen Sechsbeiner. Faszinierende Tiere mit einer ganz besonderen Lebensform seien das. Bevor gleich darüber nachgedacht werde, wie Ameisen vergiftet oder vertrieben werden können, sollte sich erst einmal die Mühe gemacht werden, die Tiere zu beobachten. „Das lohnt sich“, verspricht Tysarzik. Waldameisen ständen zudem unter besonderem Schutz, ihnen zu Leibe zu rücken ist streng verboten“, informiert der Experte.

110 verschiedene Ameisenarten sind in Deutschland heimisch. „Am häufigsten begegnen wir im Alltag der schwarzen Wegameise“, erklärt Tysarzik. Ihr Staat bestehe aus einem Volk von rund 1000 Mitgliedern und einer Königin. Die Gänge und Nester legen die Krabbeltiere oft unter Gehwegplatten an. Hochzeit feiert die Ameisen-Königin übrigens nur einmal in ihrem Leben, dann allerdings mit mehreren Drohnen. Im Flug nimmt die Königin die Samen auf und speichert sie. Das Befruchten der Eier übernimmt die Königin selbst. „Weil eine Ameise bis zu 28 Jahre alt werden kann, muss sie die Samenblase ordentlich füllen, damit ihr Volk eine Überlebenschance hat“, erklärt der Experte. Die Drohne hat diese Überlebenschance übriges nicht, sie stirbt schon während des Hochzeitsfluges.

Jörg Tysarzik vom Landesverband NRW der Deutschen Ameisenschutzwarte wirbt um Verständnis für Ameisen.

Jörg Tysarzik vom Landesverband NRW der Deutschen Ameisenschutzwarte wirbt um Verständnis für Ameisen. Foto: Deutsche Ameisenschutzwarte

„Ameisen sind fleißige Tiere“, versichert Tyszarik. Jede hat in dem Volk ihre Aufgabe, die sie gewissenhaft ausführt. Zuvor gebe es eine Kindheit, in der das befruchtete Ei und die später geschlüpfte Larve regelrecht betüddelt werden. „Arbeiterinnen pflegen sie und tragen sie herum“, erzählt der Ameisenfreund. Je nach Entwicklungsstadium sei ein Umzug in ein anderes „Zimmer“ im Ameisenbau erforderlich. Auch um die verpuppten Larven kümmern sich „Kindermädchen“. Ist die Ameise geschlüpft, geht es allerdings sofort an die Arbeit. „Sie wird dort eingesetzt, wo gerade am meisten Personal benötigt wird“, berichtet Tyszarik. Neben der Betreuung des Nachwuchses müssen Ameisen Läuse hüten oder melken, sich um Haustiere, wie „ameisenfreundliche Raupen“ kümmern, putzen oder Nahrung heranschaffen . . . – im Ameisenstaat gibt es an allen Ecken genug zu tun. „Diese Aufgabe behält das Tier dann allerdings ein Leben lang“, weiß der Experte. Wenn jemand dem Volk etwas Böses will, werden „alle Tiere zu Verteidigern“, sagt der Tyszarik. „Sie greifen gemeinsam an.“ Je nach Art beißen oder stechen sie und spritzen mit Ameisensäure. „Das schmerzt und juckt fürchterlich“, berichtet Tyszarik, „ist aber ungefährlich. Ameisensäure ist in früheren Zeiten als Konservierungsmittel eingesetzt worden, dass Menschen darauf allergisch reagieren könnten, davon habe ich noch nichts gehört.“

Im Gespräch mit dem Ameisenfreund fällt auch einmal das Wort „Plagegeister“. Also hat der Experte doch Verständnis für eine Abneigung gegen diese Krabbeltiere? „Nein“, beteuert er. Aber es gebe doch – wenn auch selten – Fälle, in denen die Tiere Schaden anrichten. Insbesondere nichtheimische Arten, die aus ganz verschiedenen Gründen hierzulande auftauchen, können im Mauerwerk oder auch in Holzkonstruktionen von Gebäuden enorme Schäden anrichten. „Dann muss der Kammerjäger gerufen werden.“ Die kleine Köderdose aus dem Super- oder Baumarkt helfe nicht immer, sagt Tyszarik. Experten sollten die Tiere eindeutig bestimmen, damit der Fachmann gezielt etwas dageben unternehmen kann.

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