C wie Chlor
So bleibt das kühle Nass sauber

Ochtrup -

In den Sommerferien läuft in den Westfälischen Nachrichten wieder eine Serie: das Sommer-ABC. In diesem Jahr gibt es zu jedem Buchstaben im Alphabet eine spannende Geschichte zu erzählen oder Wissenswertes zu erfahren. Heute geht es um C wie Chlor.

Mittwoch, 18.07.2018, 06:00 Uhr

Alexander Ahmad kontrolliert die Wassertemperatur und nimmt Proben, um den Chlorgehalt zu überprüfen. Kl. Foto unten: Die Mess- und Regelanlage gibt ständig Aufschluss über die maschinell ermittelten Werte.
Alexander Ahmad kontrolliert die Wassertemperatur und nimmt Proben, um den Chlorgehalt zu überprüfen. Kl. Foto unten: Die Mess- und Regelanlage gibt ständig Aufschluss über die maschinell ermittelten Werte. Foto: Anne Spill

Es ist das Aroma von Wettschwimmen mit den besten Freunden, von waghalsigen Sprüngen vom Dreimeterturm, von ausgelassenen Rutschpartien. Der Duft von Ferien, Abenteuer, Freiheit. Ein unverkennbares Odeur, das noch nach der Dusche auf Haut und Haaren haftet: der Geruch von Chlor.

Wer diese Bilder im Kopf hat, zuckt jetzt vielleicht zusammen: Wussten Sie, dass Chlor an sich gar nicht wahrnehmbar in die Nase steigt? Erst in Verbindung mit einer anderen Substanz entsteht Chloramin und damit der typische Geruch: Die Rede ist von Harnstoff – aus Urin, Schweiß oder direkt über die menschliche Haut abgegeben.

Ein Grund, sich zu ekeln oder gar zu sorgen, ist das überhaupt nicht. „Denn wenn es im Bad nach Chlor riecht, heißt das auch, dass der Wirkstoff seinen Zweck erfüllt“, sagt Schwimmmeister Alexander Ahmad . Das Mittel tötet Verunreinigungen im Badewasser zuverlässig ab. Doch welche Technik steckt eigentlich dahinter? Wie halten die Ochtruper Stadtwerke das kühle Nass im Bergfreibad – immerhin rund 2,3 Millionen Liter – sauber und rein? Für unsere Sommerserie gewährte das Team einen Blick hinter die Kulissen der Wasseraufbereitung.

Die erste Station ist der Technikraum neben der Liegewiese. Warnschilder an den Türen weisen darauf hin, dass dort mit einem chemischen Stoff gearbeitet wird, der besondere Vorsicht erfordert. „Wenn man aber richtig damit umgeht, ist Chlor nicht schädlich“, betont Alexander Ahmad. Das Mittel werde seit vielen Jahrzehnten zur Desinfektion in Schwimmbädern eingesetzt. „Die Technik ist einfach ausgereift.“

Und wie funktioniert die? „Zunächst mal wird das Badewasser aus dem Becken abgesaugt“, erklärt der geprüfte Meister für Bäderbetriebe. Diesem sogenannten Rohwasser wird dann ein Flockungsmittel zugesetzt. „Das bindet die Schmutzteile“, sagt Ahmad, „die können dann leichter herausgefiltert werden.“ Das filtrierte Wasser wird nun gechlort, mit einem ph-Regulierungsmittel behandelt und ist nun „Reinwasser“. Als solches gelangt es zurück ins Becken.

Klar ist dabei, dass das Personal im Bergfreibad genau im Blick hat, wie viel Chlor in das Wasser gelangt. „Zu viel davon wirkt reizend auf die Schleimhäute“, erläutert Ahmad. Der dermatologisch unbedenkliche Wert unterliegt einer engmaschigen Kontrolle. Die erfolgt zum einen maschinell: Die elektronische Mess- und Regelanlage zeigt jederzeit die wichtigsten Zahlen an. Zudem messen die Schwimmmeister drei Mal pro Tag per Hand nach.

Wie das geht, zeigt Alexander Ahmad am praktischen Beispiel. Im Häuschen der Schwimmmeister holt er einen grauen Koffer hervor, gefüllt mit Gläschen und Pipetten. „Aber zuerst messen wir die Wassertemperatur.“ Denn neben dem Chlorgehalt und dem pH-Wert ist auch das eine wichtige Zahl, die vom Team des Bergfreibads sorgfältig dokumentiert wird. Gute 23, 24 Grad sollten es im Becken sein – an diesem sonnigen Tag sind es sogar 24,8.

Dann ist der Chlorwert dran. Mit einem sauberen Gläschen nimmt Alexander Ahmad eine Wasserprobe, fügt dann eine Lösung hinzu und setzt den Behälter in die Messanlage im Koffer. Die Zahl, die nun im Display aufleuchtet, gibt die Menge des freien Chlors – also des Desinfektionsmittels – im Wasser an. Eine weitere Probe erteilt dann über den Gesamtchlorgehalt im Becken Auskunft. Dieser Wert minus die erste Zahl ergibt das sogenannte gebundene Chlor – also den Stoff, der durch die Reaktion des Desinfektionsmittels etwa mit Verunreinigungen entsteht.

Grundsätzlich braucht das Ochtruper Freibad eher wenig Chlor, „weil wir ein gutes Netz mit geringen Verunreinigungen im kontinuierlich zugeführten Frischwasser haben“, wie Ahmad betont. Und mit der neuen Technik, die im Zuge der anstehenden Sanierung verbaut wird, werden die Abläufe dann sogar noch optimiert.

Übrigens können auch die Badegäste dazu beitragen, dass nicht so viel Chlor eingesetzt werden muss: Indem sie sich vor dem Sprung ins Nass gründlich abduschen. Denn so gelangen weniger Verunreinigungen ins Wasser. Und der Freude am Wettschwimmen mit den besten Freunden, waghalsigen Sprüngen vom Dreimeterturm oder ausgelassenen Rutschpartien tut das keinen Abbruch . . .

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