Weltstillwoche
Stillende Mütter hält fast nichts auf

Ochtrup -

Am Montag (1. Oktober) beginnt die Internationale Weltstillwoche der WHO. Auch wenn das Stillen eine der natürlichsten Sachen der Welt ist, treten doch häufig Probleme auf. Schmerzen, zu wenig Milch und ähnliches sind Dinge, die dann im besten Fall an eine Stillberaterin herangetragen werden. Die Ochtruperin Eva Zumhasch macht genau diesen Job. Sie möchte Wegbereiterin und Informantin sein, und – ganz wichtig – den Druck rausnehmen.

Samstag, 29.09.2018, 07:00 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 29.09.2018, 07:00 Uhr
Stillen ist eine der natürlichsten Sachen der Welt.
Stillen ist eine der natürlichsten Sachen der Welt. Foto: colourbox

Eines weiß Stillberaterin Eva Zumhasch ganz genau: Ob und wie lange eine Frau ihr Kind stillt, sei ihre ganz individuelle Entscheidung. „Jede Mutter weiß, was gut ist für ihr Kind – und auch für sich“, sagt die 52-jährige Ochtruperin. Und nur, wenn eine Frau diese Entscheidung selbst treffe, habe sie auch Aussicht auf Erfolg. Ab Montag (1. Oktober) hat die Weltgesundheitsorganisation WHO die Weltstillwoche ausgerufen. Das Motto „Stillen: Basis für das Leben“.

Doch Eva Zumhasch will damit keinen Druck aufbauen, ganz im Gegenteil. „Eine Mutter ist keine Rabenmutter, weil sie nicht stillt“, stellt die Fachfrau klar. Sie hört oft von Frauen, die zu ihr kommen, dass diese sich unter eben diesen Druck gesetzt fühlten. Laut Studien sei es etwa 85 bis 90 Prozent der Mütter wichtig, dass das Stillen klappt. Und wenn das eben nicht der Fall sei, wenn die Frauen zu wenig Milch hätten, wenn das Stillen schmerze oder es sonstige Probleme gebe, komme die Stillberaterin ins Spiel. Sie möchte Wegbereiterin sein und – ganz wichtig – Informantin. „Es braucht gute Infos“, sagt Eva Zumhasch mit Nachdruck. Denn in den vergangenen Jahrzehnten habe sich die Einstellung gerade auch von Medizinern zum Thema Stillen oft verändert. So entwickelte sich in den 1970er-Jahren ein Trend weg vom Stillen und hin zur Flasche. „Damals glaubte man, die Frauen seien unabhängiger, wenn sie nicht stillten“, erzählt Eva Zumhasch. In den 1980er-Jahren seien dann vermehrt Allergien bei Kindern aufgetreten, was die Fachwelt zu einem Umdenken angeregt habe und schließlich in den 1990er-Jahren dazu führte, dass das Stillen wieder mehr gefördert wurde. „Zu recht“, wie die Ochtruperin betont.

Wenn Probleme auftreten ist Stillberaterin Eva Zumhasch aus Ochtrup zur Stelle. Sie informiert auch im Rahmen der Internationalen Weltstillwoche, die am Montag beginnt.

Wenn Probleme auftreten ist Stillberaterin Eva Zumhasch aus Ochtrup zur Stelle. Sie informiert auch im Rahmen der Internationalen Weltstillwoche, die am Montag beginnt. Foto: Anne Steven

Beim Thema Muttermilch stößt die Wissenschaft übrigens bislang an ihre Grenzen. Denn die Ersatzmilch sei zwar sehr gut, doch könne sie in letzter Instanz eben doch nicht ganz an die Muttermilch heranreichen. „Bestimmte Inhaltsstoffe lassen sich industriell nicht nachbilden“, erklärt Eva Zumhasch. Insgesamt bestehe Muttermilch aus etwa 700 Bestandteilen und nur ein Milliliter enthalte mehr als eine Million Zellen. „Die Zusammensetzung ist weltweit fast gleich“, erzählt Eva Zumhasch. Nur so funktioniere eben auch die Ammenschaft. „Stillen ist bunt“, sagt die Expertin. Und gesund, denn es gebe viele Studien, die belegten, dass Kinder, die mit Muttermilch ernährt wurden, weniger Allergien entwickelten, weniger anfällig für Krankheiten seien. Zudem fördere das Stillen die Ausbildung eines besseren Sättigungsgefühls beim Kind und die Bindung von Mutter und Kind. „Beide kommen in Entspannung“, erklärt die Stillberaterin das Prinzip.

Sie arbeitet in der Stillambulanz des Mathias-Spitals in Rheine, informiert aber zum Beispiel auch in der Ochtruper Hebammenpraxis von Elke Iking und Elke Jansen in de Wal. Wenn beispielsweise im Krankenhaus das Stillen bei frischgebackenen Müttern nicht klappt, ist sie zur Stelle. „Dann muss Hilfe her“, weiß Eva Zumhasch aus Erfahrung. Mittlerweile könne stillende Mütter fast nichts mehr aufhalten. „Es gibt da viele Ammenmärchen“, berichtet die Fachfrau. So sei es heute mit den meisten Medikamenten wie etwa Antibiotika nach Absprache mit einem Experten möglich, weiter zu stillen. Früher habe man den Frauen oft geraten, „einfach abzustilllen“. „Das muss aber heute nicht mehr sein“, informiert die 52-Jährige. Ein absolutes Tabu sei Alkohol, sämtliche Medikamente müssten hingegen individuell abgeklärt werden. Denn meist werde der Wert der Muttermilch immer noch höher eingestuft. Ein Beispiel, wo dies nicht mehr funktioniere, sei etwa, wenn sich die Frau einer Chemotherapie unterziehe.

Eva Zumhasch weiß, dass es vielen Frauen immer noch schwer fällt, über Probleme beim Stillen zu sprechen. Sie stellten sich dann oftmals als Mütter in Frage. Doch auch, wenn Muttermilch die beste und zugleich natürlichste Form der Ernährung für ein Kind sei, stelle sie eben nicht die einzige Option dar. Denn grundsätzlich müsse sich jede Frau mit dem, was sie tue, wohlfühlen.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6085132?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F182%2F
Unfall mit vier Verletzten auf A1
Transporter fährt auf: Unfall mit vier Verletzten auf A1
Nachrichten-Ticker