„Apokalypse Münsterland“
Welches Kulturgut bewahren?

Ochtrup -

Stellen Sie sich vor, Sie erreicht ein Hilferuf aus der Zukunft: Die Gesellschaft steht kurz vor dem Kollaps. Die Welt ist vollständig digitalisiert, nicht mehr real, alles ist uniform und genormt, die Kultur verloren gegangen. Und die Wissenschaft sendet eine Bitte in die Vergangenheit, ein SOS aus der Zukunft sozusagen: Schickt uns Kultur! Welches Kulturgut würden Sie durch Raum und Zeit schicken und es so bewahren wollen?

Samstag, 27.10.2018, 07:00 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 27.10.2018, 07:00 Uhr
Stehen Pate für die Aktion „Apokalypse Münsterland“ in Ochtrup: (v.l.) Bürgermeister Kai Hutzenlaub, Tanja Withut und Christa Holtmannspötter (Töpfereimuseum) sowie Betty Schürmann (Puppenmuseum).
Stehen Pate für die Aktion „Apokalypse Münsterland“ in Ochtrup: (v.l.) Bürgermeister Kai Hutzenlaub, Tanja Withut und Christa Holtmannspötter (Töpfereimuseum) sowie Betty Schürmann (Puppenmuseum). Foto: Steven

Diese Frage stellen sich beim Pressegespräch auch Bürgermeister Kai Hutzenlaub, Tanja Withut und Christa Holtmannspötter vom Töpfereimuseum sowie Betty Schürmann vom Puppenmuseum. Angeschubst zu dieser Überlegung wurden sie von der „Apokalypse Münsterland“, einem Kooperationsprojekt von Museen und Ausstellungshäusern – insgesamt 25 im Münsterland, zwei aus Ochtrup –, die digitale Vermittlungsmethoden und besucherorientierte Ansätze ausprobieren.

Die Idee: Es sollen bewahrenswerte Kulturgüter aus den Museen benannt werden – und eben auch für das Töpfereimuseum und das Puppenmuseum. Die Wahl treffen aber nicht die Verantwortlichen vom Museum, sondern die Ochtruper selbst.

„Kultur-Arche“

Alle ausgewählten Kulturgüter sollen später als eine Art „Kultur-Arche“ in einer Ausstellung präsentiert werden. „Die hoffentlich auch nach Ochtrup kommt“, meint Tanja Withut lachend. Hinter ihr im Neubau des Töpfereimuseums ist bereits eine Wahlurne aufgebaut. Drumherum, zum Teil in Glasvitrinen, stehen Kulturgüter aus dem Töpfereimuseum. „Eine kleine Vorauswahl mussten wir schon treffen“, erklärt Christa Holtmannspötter. In dieser Auswahl befindet sich zum Beispiel die „Ochtruper Nachtigall“, der „Siebenöhrige“, ein bemalter Wandteller aus Ton, eine Kiepe mit Töpfersachen, aber auch die als „Knabbelkümpken“ bekannte Frühstücksschale und – ganz einfach – der Rohstoff Ton. Betty Schürmann und ihre Mitstreiter vom Puppenmuseum haben unter den Spielzeugen ebenfalls eine solche Vorauswahl getroffen.

Und warum ist eigentlich keine Eisenbahn in der Auswahl?

Kai Hutzenlaub

Schnell entbrennt während des Pressegesprächs eine Diskussion. Ist es die Puppe, der Teddybär oder sind es doch die Legosteine, die unbedingt bewahrt werden sollten? „Und warum ist eigentlich keine Eisenbahn in der Auswahl?“, will der leicht enttäuscht wirkende Bürgermeister wissen. Doch dann nehmen sich alle zurück. Nein, sie wollen niemanden beeinflussen. Die Ochtruper sollen selbst überlegen, im besten Fall mit den Verantwortlichen aus den Museen ins Gespräch und in die Diskussion kommen, und dann ihre Entscheidung treffen.

Abstimmen bis 15. Dezember

Die Aktion startet am morgigen Sonntag im Rahmen des Pottbäckermarktes. Beide Museen sind geöffnet und im Töpfereimuseum findet von 13 bis 18 Uhr ein Wahlcafé statt. Bis zum 15. Dezember (Samstag) besteht in beiden Museen zu den üblichen Öffnungszeiten die Möglichkeit, abzustimmen. Auf dem „kleinsten Weihnachtsmarkt des Münsterlandes“ auf dem Pottbäckerplatz wird dann am 15. Dezember das Ergebnis verkündet. Die Stimmabgabe ist an diesem Tag noch bis 17 Uhr möglich.

Die ausgewählten Kulturgüter werden nach Münster geschickt, wo sie von Studenten mit einem 3-D-Scanner eingescannt und für eine Ausstellung vor- und aufbereitet werden. Mitte 2019 soll die Tour durch das Münsterland starten.

„Ich bin echt gespannt, was dabei herauskommt“, freut sich Betty Schürmann wie die anderen auf das Projekt und ganz besonders auf den realen Austausch mit den Museumsbesuchern.

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