„Gute-Kita-Gesetz“
Raus aus dem Beitragsdschungel

Ochtrup -

Die Bundesregierung will die Qualität in Kitas und der Kindertagespflege verbessern. Dazu wurde jetzt im Bundesrat über den Gesetzentwurf „Gute Kita“ debattiert. Doch wie kommt diese Idee in den Kindergärten an?

Samstag, 03.11.2018, 08:00 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 03.11.2018, 08:00 Uhr
Mit der Qualität der Kinderbetreuung in Kitas und der Kindertagespflege hat sich der Bundesrat jetzt beschäftigt.
Mit der Qualität der Kinderbetreuung in Kitas und der Kindertagespflege hat sich der Bundesrat jetzt beschäftigt. Foto: dpa/Anne Steven

Annette Holtmann findet das Ziel grundsätzlich gut, berichtet sie im Pressegespräch. Aktuell schwankten die Kita-Beiträge zwischen den verschiedenen Jugendämtern. „Ich finde eine einheitliche Lösung landesweit, wenn nicht sogar bundesweit, besser“, meint die Verbundleiterin aller Kindergärten der Pfarrei St. Lambetus allerdings. Gerade für Familien, die umgezogen seien, werde es oft schwierig „diesen Beitragsdschungel“ zu durchschauen.

Aktuell werden die monatlichen Elternbeiträge nach dem Jahreseinkommen und nach den wöchentlichen Buchungszeiten in den Einrichtungen gestaffelt. Ein Beispiel: Eltern, die gemeinsam auf ein jährliches Einkommen von bis zu 60 000 Euro kommen, zahlen für eine wöchentliche Betreuungszeit von 25 Stunden im Kindergarten 143,22 Euro, für 35 Stunden werden 159,37 Euro und für 45 Stunden 239 Euro fällig.

Jedes Jahr wird der Stundenbedarf bei den Eltern abgefragt. „So, wie die Eltern buchen, wird bei uns das Personal bestimmt“, erklärt Annette Holtmann das Prinzip. Eine Planung sei da gar nicht so einfach. „Man schreibt einen Dienstplan ja ganz anders, wenn man einen konkreten Personalschlüssel hat“, weiß die Verbundleiterin aus Erfahrung. So gilt es, bei Bedarf das Personal aufzustocken oder eben Stunden zu reduzieren.

Doch auch an dieser Stelle will die Bundesregierung ansetzen. Der Plan: den Erzieherberuf attraktiver machen und bessere Arbeitsbedingungen schaffen. Auch dazu reckt Annette Holtmann den Daumen nach oben. Denn im Kita-Alltag fehlten oft – ganz abgesehen von der Betreuung der Kinder – Zeitressourcen vor allem für Gespräche mit Eltern und deren Vor- sowie Nachbereitung, für Fortbildungen, Dokumentation und natürlich auch Gespräche mit anderen Institutionen. „Wenn das Gesetz die Rahmenbedingungen verändern würde – gerne“, meint Annette Holtmann. So richtig daran glauben mag sie aber offenbar nicht. Tagtäglich gelte es für Erzieher, einen wahren Spagat zu meistern.

Die meisten Kitas öffnen morgens ab 7 Uhr ihre Türen. Es komme aber durchaus vor, dass mache Kinder schon um kurz vor 7 Uhr in der Einrichtung stünden, weil ihre Eltern zur Arbeit müssten. „Das machen wir immer möglich“, erklärt Annette Holtmann. In der Regel schließen die Kindergärten gegen 16.30 Uhr. Die Betreuung am Freitagnachmittag sei in den sechs Kitas der Pfarrei allerdings wenig nachgefragt. Meistens läuteten die Erzieher deshalb bereits gegen 14.30 Uhr das Wochenende ein.

So, wie die Eltern buchen, wird bei uns das Personal bestimmt.

Annette Holtmann

Für Betreuungszeiten am Abend oder gar in der Nacht hatte Annette Holtmann bislang keine Anfragen. „Ich denke, wenn wir hier in Ochtrup ein größeres Krankenhaus hätten, wäre das etwas anderes“, meint die Fachfrau. Grundsätzlich und als fest installierte Betreuungszeit sei so etwas aber sicherlich auch in den Ochtruper Kindergärten möglich.

Über Mittag bleiben inzwischen übrigens viele Mädchen und Jungen in den Kitas. Die Nachfrage sei in den vergangenen Jahren stark gestiegen, sagt Annette Holtmann. Ein Beispiel: Eine der größeren Kitas der Pfarrei betreut 73 Kinder. 60 bis 65 Mädchen und Jungen bleiben regelmäßig zum Mittagessen, das pro Tag mit 2,80 Euro zu Buche schlägt. Geringverdiener – liegt das Jahreseinkommen unter 24 000 Euro, zahlt der Staat die Elternbeiträge – haben die Möglichkeit, die sogenannte Münsterland-Karte zu beantragen. Mit dieser kostet das Mittagessen pro Kind und Tag nur noch einen Euro, den Rest übernimmt ebenfalls das Jugendamt. Künftig sollen Familien, die Kinderzuschlag oder Wohngeld erhalten, grundsätzlich nicht mehr für Betreuungsplätze zahlen müssen. Und es soll eine Beratungspflicht über die Betragsbefreiung eingerichtet werden.

Annette Holtmann möchte die Qualität in den Kitas aber grundsätzlich von einer Beitragsfreiheit losgelöst wissen. „Egal, wer den Beitrag zahlt – die Eltern oder das Jugendamt –, die Qualität darf nicht leiden“, ist ihre Überzeugung.

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