Seniorennachmittag
Plattdeutsch ist in aller Munde

Ochtrup -

Für die einen war es die erste Muttersprache. Andere verstanden zwar Plattdeutsch, taten sich aber schwer mit dem flüssigen Reden. Und wieder andere haben die westfälische Mundart erst im Erwachsenenalter gelernt. Beim Seniorennachmittag im voll besetzten Johanneshaus war Plattdeutsch jedenfalls in aller Munde.

Montag, 12.11.2018, 06:00 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 12.11.2018, 06:00 Uhr
Dr. Klaus-Werner Kahl begeisterte mit der plattdeutschen Mundart.
Dr. Klaus-Werner Kahl begeisterte mit der plattdeutschen Mundart. Foto: Irmgard Tappe

Gast der Langenhorster Seniorengemeinschaft war Dr. Klaus-Werner Kahl . „Er ist ein Meister dieser Mundart und hat verschiedene plattdeutsche Wörterbücher verfasst“, bemerkte Seniorensprecherin Hildegard Schulze Elshoff.

Dr. Kahl nahm Entwicklung, Eigenarten, Feinheiten und spezielle Formulierungen dieser direkten und dennoch liebenswerten Sprache unter die Lupe. Eigentlich hätte er seine Erläuterungen durch eine Powerpoint-Präsentation veranschaulichen wollen. Aber „dat Schietding deit‘t nich“. Und überhaupt. Was ist schon eine Powerpointpräsentation im Vergleich zu einem lebendig gestalteten freien Vortrag up Platt, den Dr. Kahl mit Texten von Augustin Wibbelt untermalte. Als er „Dat Pöggsken“ rezitierte, stimmten die Senioren eifrig ein und erwiesen sich als durchaus textsicher. „Das haben wir doch früher in der Schule auswendig gelernt“, schwelgte eine alte Dame in Erinnerungen.

Dr. Kahl erzählte von seinen ersten Plattdeutsch-Erfahrungen. „Als ich nach dem Volksschulabschluss in die Schlosserlehre kam, stellte ich fest, dass alle Kollegen Platt redeten. Und mein Lehrmeister fragte mich nach einiger Zeit, ob ich nicht vernünftig sprechen könne“, erinnerte er sich schmunzelnd. Dieses Schlüsselerlebnis habe ihn angetrieben, Plattdeutsch zu lernen und seine Leidenschaft für diese Sprache zu entwickeln. „Plattdeutsch“, sagte Dr. Kahl, „ist eigentlich keine korrekte Formulierung für diese Mundart. Sie ist eher mit der englischen und niederländischen Sprache verwandt als mit dem Hochdeutschen.“ Ein kurzes und knappes „Platt“, wäre nach Meinung des Referenten die treffendere Bezeichnung. „Platt“ stehe nämlich nicht für „flach“, sondern für „einfach und bildhaft“.

Die plattdeutsche Sprache habe ihren Ursprung im Sächsischen. Sie sei älter als das Hochdeutsche, das sich erst nach Luthers Bibelübersetzung ausbreitete, gab der Referent einige historische Einblicke. Auch die unterschiedlichen Plattdeutsch-Nuancen in den verschiedenen Regionen Westfalens standen im Fokus des Vortrags. Beispiel: „Wir sind“ heißt in Ochtrup „wi sinnt“ (stimmloses S) und im Ahauser Raum „ wi bünnt“

Dr. Kahl hob hervor, dass plattdeutsch auch offen sei für den modernen Wortschatz der deutschen Sprache. Die Mundart-Wortschöpfer haben sich auch da ein bildhaftes Vokabular einfallen lassen: „Coffee to go“ heißt beispielsweise „Laupkoffee“ und das Handy ist ein „Kürknuoken“.

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