Hospitantin aus Guatemala an der Lambertischule
Schüler haben anderes Temperament

Ochtrup -

Drei Wochen lang hospitiert Maria José Casado Gillet an der Lambertischule in Ochtrup. Die Lehrerin aus Guatemala hat dabei einige Unterschiede zu ihrer Heimat festgestellt. Und die betreffen längst nicht nur das Wetter.

Mittwoch, 21.11.2018, 06:00 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 21.11.2018, 06:00 Uhr
Maria José Casado Gillet hospitiert an der Lambertischule. Am Dienstag begleitet sie eine zweite Klasse in die Bücherei.
Maria José Casado Gillet hospitiert an der Lambertischule. Am Dienstag begleitet sie eine zweite Klasse in die Bücherei. Foto: Anne Spill

„Oh, ist das kalt!“ Maria José Casado Gillet zieht sich die Pudelmütze tief ins Gesicht, als sie am Dienstagmorgen die Bücherei St. Lamberti verlässt. „Das kenne ich von zu Hause ja gar nicht.“ In Guatemala, erzählt die 31-Jährige, sinken die Temperaturen eigentlich nie unter zehn, elf Grad. „Und Schnee habe ich in meinem ganzen Leben noch nie gesehen.“

Vielleicht erlebt die junge Frau ja in diesen Tagen noch ihre frostig-weiße Premiere. Bis zum Ende dieser Woche ist die Lehrerin aus Zentralamerika nämlich noch zu Besuch in Ochtrup. Drei Wochen lang hospitiert sie an der Lambertischule, erlebt und begleitet den Unterricht ihrer deutschen Kollegen – dank eines Programms des Pädagogischen Austauschdienstes. Untergebracht ist sie in dieser Zeit bei Schulleiterin Marlies Lütkehermölle zu Hause.

Wer Maria José Casado Gillet reden hört, kann zunächst kaum glauben, dass es der erste längere Aufenthalt der 31-Jährigen in Deutschland ist. Fließend und beinahe akzentfrei beherrscht sie die Sprache. „Ich bin – wie meine Geschwister – auf eine österreichische Schule gegangen, an der ich Unterricht auf Deutsch hatte“, berichtet die Guatemaltekin. Nicht ganz zufällig: Ihre Großmutter väterlicherseits arbeitete als Sekretärin an einer deutschen Schule, und ihr Großvater mütterlicherseits hatte hierzulande seine Wurzeln. „Er hat zwar mit uns Kindern immer Spanisch gesprochen, aber ich habe sehr viel von ihm über Deutschland gelernt.“

Nach der Schule studierte Maria José Casado Gillet zunächst Sozialarbeit. „Dann habe ich angefangen, mit Kindern zu arbeiten, und gemerkt, dass es mir besonders viel Spaß macht, ihnen etwas beizubringen.“ Also beschloss die junge Frau, Lehrerin zu werden. An einer privaten Grundschule in Guatemala-Stadt fand sie eine Anstellung, gibt dort nun neben Deutsch auch das Fach Religion – denn einen Abschluss in katholischer Theologie hat sie auch in der Tasche.

Ob sie große Unterschiede zwischen dem deutschen und dem guatemaltekischen Unterricht festgestellt hat? Da muss die 31-Jährige ein wenig schmunzeln. „Bei uns ist es viel lauter. Die Kinder haben einfach ein anderes Temperament“, erklärt sie. Aber auch das funktioniere: „Sie lernen natürlich trotzdem etwas.“ Die Grundschüler in ihrer Heimat seien es zudem gewöhnt, dass die Lehrer ihnen alles erklären. „Hier in Deutschland arbeiten die Kinder selbstständiger“, hat Maria José Casado Gillet bemerkt. Das sei etwas, das sie gerne für ihren eigenen Unterricht übernehmen möchte.

Bemerkenswert findet die Zentralamerikanerin auch den Umgang der Kinder an der Lamberti­schule miteinander, den Respekt und die Toleranz, die sie sich gegenseitig entgegenbringen: „Sie lernen und spielen zusammen, egal, woher sie kommen und welche Religion sie haben.“ An ihrer Schule in Guatemala – einer privaten Institution, für welche die Eltern zahlen müssen – hätten alle Kinder einen ähnlichen sozialen und ökonomischen Hintergrund. Da stelle sich die Frage nach Unterschieden weniger.

Dass junge Leute in Guatemala Deutsch lernen, sei übrigens eher selten, berichtet die Hospitantin weiter. „Aber meine Schüler freuen sich darüber, etwas über die Sprache und die Kultur zu erfahren. Einige möchten später in Deutschland studieren oder eine Ausbildung machen.“

Religion dagegen stehe nicht fest auf dem Lehrplan ihrer Schule, sondern werde nach dem eigentlichen Unterricht angeboten – als freiwilliges Fach. „Ich finde es schön, dass das hier anders ist.“

Viele positive Eindrücke sind es also, die Maria José Casado Gillet im Gepäck hat, wenn sie in den Flieger über den großen Teich steigt. Und wer weiß – vielleicht gesellt sich ja zu der fachlichen Erfahrung noch die eine oder andere Schneeflocke . . .

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