„Lauschsalon“ bei den Ochtruper Kulturtagen
Atmosphärisch dichter Leseabend

Ochtrup -

Was sicherlich trug und beeindruckte bei der Kulturtage-Veranstaltung zur griechischen Mythologie am Dienstagabend in der Bücherei St. Lamberti, war die kultivierte Erzählstimme von Anja Bilabel. Die ausgebildete Schauspielerin und Profi-Sprecherin hatte sich mit dem Geiger David Heinrich zusammengetan, um in ihrem Projekt „Lauschsalon“ so etwas wie eine live-haftige Hörspielsituation vor einem geneigten Zuhörerpublikum entstehen zu lassen.

Mittwoch, 21.11.2018, 05:00 Uhr aktualisiert: 21.11.2018, 17:18 Uhr
Anja Bilabel ist Profi-Sprecherin. Sie war zusammen mit dem Geiger David Heinrich bei den Ochtruper Kulturtagen zu Gast.
Anja Bilabel ist Profi-Sprecherin. Sie war zusammen mit dem Geiger David Heinrich bei den Ochtruper Kulturtagen zu Gast. Foto: Martin Fahlbusch

Das wirkte anfangs auch recht schlüssig, wenn die Geigentöne eine Dialogsituation mit dem gesprochenen Wort versuchten oder einen akustischen Teppich über die – mit Verlaub – recht kruden Erzählstoffe legten. Spieltechnisch und musikalisch hatte David Heinrich da eine Menge zu bieten. Man hätte sich aber öfter eine klanglich-abwechslungsreiche Auslegung der Texte gewünscht. Das war Heinrich beispielsweise bei der Geschichte von der liebreizenden Europa und dem zum Stier gewandelten göttlichen Zeus recht pfiffig gelungen, als er die „Europahymne“, die beethovensche „Ode an die Freude“ also, klangfein andeutete und um die Erzählung kunstvoll herum spann.Keine Frage, es war in erster Linie ein atmosphärisch dichter Leseabend. Der lebte von den Erzählideen und der engagierten Umsetzung durch Anja Bilabel , die unterschiedlichen Themen, Schriftstellern und Dichtern in ihrem Projekt „Lauschsalon“ eine wirklich hörenswerte Stimme gibt. Die Künstlerin war vielen mit ihrem „Droste-Abend“ bei den letztjährigen Kulturtagen in angenehmer Erinnerung geblieben und hatte einige Gäste zu „Wiederholungstätern“ werden lassen.

Will man ein Fazit zum aktuellen Abend unter dem Thema „Der Olymp hat immer recht“ ziehen, muss man das Strickmuster der überlieferten Erzählungen kritisch über den aufgeklärten Leisten ziehen. Das olympische Bauprinzip, dass die Götter sich die Objekte ihrer recht vordergründigen Begierde selber schaffen oder zurechtbiegen, dadurch für eine den höheren Mächten ergebene Erdbevölkerung und ein erwünschtes „Obrigkeitsdenken“ sorgen – an dieser mythologisch-verbrämten Strickanleitung beißt eine vollkommen ungöttliche Maus keinen Faden ab. Das skizzierte Frauenbild ist höchst verdächtig, der Mensch zumeist ein Spielball eines von außen bestimmten Schicksals mit arg wenig Selbstbestimmung.Vielleicht hätte Anja Bilabel, die auch die Textproduktion verantwortete, ihrer Stimme mehr Ecken und Kanten gönnen sollen, um diese den vorgestellten griechischen Geschichten eingepflanzte „Herrscher-Absicht“ besser zu enttarnen. Wiewohl – die gut 25 Gäste waren von den Protagonisten durchaus angetan, zur Bewertung der Stoffe fehlte am Ende die beabsichtigte Diskussion.

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