Musikalische Lesung „Elena Ferrante – Meine geniale Freundin“
Regelrecht faszinierend

Ochtrup -

Die Schauspielerin Franziska Mencz und der Cellist Miran Zrimsek sorgten am Donnerstag im Rahmen der Kulturtage mit klug ausgewählten Auszügen aus der vierbändigen „Neapolitanischen Saga“ von Elena Ferrante für einen faszinierenden Hör-Abend in der Bücherei St. Lamberti.

Freitag, 23.11.2018, 19:00 Uhr
Die Schauspielerin Franziska Mencz und der Cellist Miran Zrimsek säten mehr als reine Neugier auf den Vierteiler aus.
Die Schauspielerin Franziska Mencz und der Cellist Miran Zrimsek säten mehr als reine Neugier auf den Vierteiler aus. Foto: Martin Fahlbusch

Da war am Donnerstagabend eine frische und klare Stimme, die einen schon fast unspektakulär in ihren Bann zog, aber trotzdem ausreichend Raum zum Zuhören ließ. Und da war ein Musiker, der die Roman-Eindrücke, denen man in der Bücherei St. Lamberti lauschen konnte, behutsam und kunstfertig fortspann. Kurz und gut: Die Schauspielerin Franziska Mencz und der Cellist Miran Zrimsek, der sich ohrenscheinlich auch an den Klaviertasten wohlfühlte, sorgten mit klug ausgewählten Auszügen aus der vierbändigen „Neapolitanischen Saga“ von Elena Ferrante , die zumeist unter dem Buchtitel „Meine geniale Freundin“ segelt, für einen regelrecht faszinierenden Hör-Abend.Faszinierend auch deshalb, weil dieses Duo nicht nur so unaufdringlich schlüssig miteinander agierte, sondern auch faszinierend, weil erst gar nicht der Versuch unternommen wurde, die vierbändige Romanreihe, die zudem viele Hundert Seiten umfasst, irgendwie komplett darstellen zu wollen.

Mag sein, dass einige diese aller Wahrscheinlichkeit nach unter einem Pseudonym veröffentliche Reihe als „Frauenbuch“ abtun wollen. Richtig ist, dass hier – sehr filigran geschrieben – eine alles andere als unspannende oder gar unspektakuläre Beziehungs- und Lebensgeschichte von zwei vermeintlich miteinander befreundeten, auf jeden Fall in ihren Biografien und Annäherungsversuchen verschränkten Frauen ziemlich präzise und damit nicht immer schlüssig abzubilden versucht wird. Und das geht eben nicht ohne Brüche, Widersprüche, Enttäuschungen und Verletzungen ab.

Aber Ferrantes Romanreihe ist auch eine Darlegung politischer Verhältnisse und Kämpfe über „die da oben und die da unten“ sowie zudem ein unverstellter Blick auf dunkles Terrain in dem oft so schillernd-schön dargestellten Neapel. Die Bücher handeln von Armut, Bildungsferne, Geldmacherei und sind mitunter schonungslose Berichte über Paar- und Dreiecksbeziehungen zwischen Frauen und Männern, die vor allem den Herren mit ihrem Gehabe und ihren Machtansprüchen alles andere als schmeicheln, sie eher deutlich demaskieren.

Cellist Miran Zrimsek.

Cellist Miran Zrimsek. Foto: Martin Fahlbusch

Die Hauptakteure Lila und Elena können sich wegen unterschiedlicher sozialer Voraussetzungen, brüchiger Bildungsgeschichten und sich atemlos verändernden Lebensentwürfen nie wirklich auf Augenhöhe über längeren Zeitraum begegnen oder gar im Gleichschritt miteinander leben. Sie sind mal eng beieinander, mal verlieren sie sich über Jahre aus den Augen, prallen danach „völlig ungeschminkt“ und gar „schrecklich gewandelt“ wieder aufeinander. In der Erzählreihe bleibt stets die Perspektive der zumeist erzählenden Elena auf ihre Partnerin, die immer etwas Bewunderndes, Verstörendes und sozusagen von unten nach oben auf die andere Schauendes hat.

Und genau dieses brüchige, nie wirklich harmonische Verhältnis stellten Miran Zrimsek und vor allem die anregend erzählende, aber nie übertrieben agierende, sondern einnehmend berichtende Franziska Mencz in den Mittelpunkt des Abends. Und das war einfach – auch so wie es gemacht war – faszinierend.

Vielleicht werden sich einige der Zuhörer, angeregt durch diesen Bücherei-Abend, nun auch den anderen Aspekten dieses fulminanten Erzähl-Vierteilers, am besten selbst lesend, ebenso intensiv widmen. Die beiden Künstler haben dafür am Donnerstagabend auf jeden Fall viel mehr als reine Neugier gekonnt ausgesät.

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