Sanierung nach historischem Vorbild an der Bergstraße
Am Anfang stand die spinnerte Idee

Ochtrup -

Heute hat das Gebäude an der Bergstraße wieder sehr viel Ähnlichkeit mit dem Haus, was vermutlich Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut wurde. Franz Adolf Wenning hat sein Geschäft direkt nebenan. Vor einiger Zeit hat er das alte Nachbarhaus gekauft und historisch saniert – obwohl es nicht unter Denkmalschutz steht. Schon eine „spinnerte Idee“ wie er selbst schmunzelnd zugibt.

Mittwoch, 05.12.2018, 06:00 Uhr
Mit der Renovierung des Hauses neben seinem Geschäft an der Bergstraße ist Franz Adolf Wenning fast fertig. Das kleine Bild zeigt das Gebäude im Jahr 1929. Damals waren dort die Konditorei und das Café Düttmann beheimatet.
Mit der Renovierung des Hauses neben seinem Geschäft an der Bergstraße ist Franz Adolf Wenning fast fertig. Das kleine Bild zeigt das Gebäude im Jahr 1929. Damals waren dort die Konditorei und das Café Düttmann beheimatet. Foto: Steven/Privatarchiv Jürgen Rempe

Franz Adolf Wenning gibt es offen zu: Ein bisschen „spinnert“, wie er sagt, war seine Idee schon. Vor zwei Jahren kaufte der Ochtruper Juwelier das Haus neben seinem Geschäft für Augenoptik und Hörakustik an der Bergstraße. Die Idee: die Geschäftsräume erweitern.

Das allein war noch nicht spinnert. Aber das Nachbarhaus, das vermutlich Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut wurde, musste saniert werden. Und an dieser Stelle kommt die „spinnerte Idee“ wieder zum Tragen. Denn eine einfach Sanierung schwebte Wenning nicht vor. Er wollte den ursprünglichen Charakter des alten Hauses wieder zum Vorschein bringen, das puristische Gründerzeitdesign.

Doch dieses Vorhaben stellte sich als schwierig heraus. Zwar steht das Haus, in dem in den 1920er Jahren einmal die Konditorei Düttmann, später die Bäckerei Münstermann und noch später die Bäckerei Jörrissen beheimatet waren, nicht unter Denkmalschutz. Auflagen und Vorschriften gab es aber dennoch in großer Vielzahl zu beachten.

„Da wir uns im Sanierungsgebiet befinden, haben wir einen Vertrag mit der Stadt Ochtrup geschlossen“, erzählt Wenning im Gespräch. Dies sei bei historischen Gebäuden im Stadtkern gängige Praxis. Die Kommune gibt dann eine Sanierungsempfehlung. „Wir haben jetzt alle Auflagen erfüllt“, berichtet Wenning.

Gut ein Jahr ging aber zunächst für die Planung und das Sammeln von Genehmigungen drauf. „Die größte Hürde bei diesem Projekt waren die Behörden“, resümiert Wenning mit einem Seufzen. So waren für den Abriss zunächst ein Artenschutzgutachten und eine sogenannte denkmalrechtliche Unbedenklichkeitsbescheinigung vorzulegen. Ursprünglich hatte Wenning geplant, im Oktober 2017 in die neuen Räume einziehen. Doch diesen Termin habe er recht schnell wieder verworfen.

Als dann der Teilabriss endlich erfolgt war, ging es an den Wiederaufbau. Die Fassade sollte komplett erhalten bleiben. Dazu wurde die aufgebrachte Metallfassade entfernt und das alte Fachwerk freigelegt. „Wir haben versucht, Steine zu finden, die in diese Fassade passen“, erzählt Wenning von seinem Vorhaben, für die Sanierung echte alte Steine zu verwenden. In Porta Westfalica wurde der Ochtruper schließlich fündig. Mit dem eigenen Anhänger fuhr er hin und sammelte seine gut 1400 Handform-Feldbrandziegel im dünnen Reichsformat aus dem Jahr 1840 ein. Diese waren ursprünglich einmal mit Lehm verbaut gewesen. Gut für Wenning, so ließen sich die Reste einfach mit Wasser und einer Wurzelbürste entfernen – einen ganzen Sommerabend verbrachte der Uhrmachermeister mit dieser ungewohnten Tätigkeit. Doch es hat sich gelohnt. Die Steine werden sowohl in der Fachwerkfassade als auch beim Innenausbau verwendet.

Was nun noch fehlte, waren vier Akroterien, wie sie früher als bekrönende Verzierungen auf dem First und an den Ecken des Giebels repräsentativer Bauten durchaus üblich waren. Ursprünglich waren diese einmal aus Sandstein gefertigt. „Die aufs Dach zu bringen, den Mut hatte ich nicht“, gibt Wenning offen zu, dass er Sorge hatte, die Sandsteinblöcke könnten bei Sturm oder nach Witterungsschäden auf die Straße stürzen und dort möglicherweise Menschen verletzen. Es musste also eine Alternative her.

Erneut machte sich der Augenoptikmeister ans Werk. Aus Pappmaché und ein paar Christbaumkugeln baute er ein Modell. Dieses Türmchen befestigte er mit Klebeband auf dem Dach und nahm die Größenverhältnisse dann von der Straße aus in Augenschein. Danach erfolgte die Bestellung – diesmal allerdings in Edelstahl. Die vier Spitzen sind nun fertig und warten nur noch darauf, auf dem Dach verschraubt zu werden.

Aktuell sind die Handwerker damit beschäftigt, die Fassade des über 150 Jahre alten Hauses zu streichen. Die alte Fensterfront hat Wenning – zumindest im Obergeschoss – erhalten. Im Erdgeschoss hat er größere Öffnungen einbauen lassen, um diese für sein Geschäft nutzen zu können.

Innen wird es später eine Deckenhöhe von mehr als drei Metern geben. Eine offene Treppe führt ins Obergeschoss. Unten mussten einige historische Mauern stehen bleiben – obwohl sie marode waren. „Die wurden mit Kalksandsteinen eingemauert“, erzählt der Bauherr. Andere Wände wiederum mussten aufwendig und Stück für Stück mit einer Feuchtigkeitssperre versehen werden.

Der Dachstuhl und ein Teil des Fachwerks ließen sich jedoch nicht erhalten. Dort hatte der sogenannte Hausschwamm bereits sein Unwesen getrieben und die Substanz zerstört.

Sein Unwesen habe auch so manches Mal der Amtsschimmel getrieben, meint Wenning mit einem Kopfschütteln. Was es da alles zu beachten galt. . . So benötigte der Bauherr eine Genehmigung für die Sperrung der Bergstraße, obwohl diese bereits – aufgrund der Kreisverkehr-Baustelle – gesperrt war.

Doch nun scheint alles seinen Gang zu gehen. Nur noch den Innenausbau gilt es zu bewältigen. Wann er einziehen wird? Wenning wagt keine genaue Prognose. 2018 wohl nicht mehr. Aber so ist das manchmal mit spinnerten Ideen . . .

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