Richtiges Heizen mit Kaminofen
Behagliche Wärme statt Stinkequalm

Ochtrup -

Ein Ofen im heimischen Wohnzimmer sorgt für wohlige Wärme, aber mitunter auch für Unmut und Ärger in der Nachbarschaft. Das lässt sich leicht vermeiden – wenn der Kaminbesitzer nur ein paar grundlegende Dinge beherzigt. Schornsteinfegermeister Christoph Klassert hat Tipps für den richtigen Umgang mit der Feuerstelle.

Donnerstag, 06.12.2018, 06:00 Uhr
Schornsteinfegermeister Christoph Klassert ist für Metelen und einen Teil von Ochtrup zuständig. An der Waldstraße hat er eine Werkstatt.
Schornsteinfegermeister Christoph Klassert ist für Metelen und einen Teil von Ochtrup zuständig. An der Waldstraße hat er eine Werkstatt. Foto: Anne Spill

Hach, so ein Abend vor dem lodernden Kaminfeuer, der hat schon etwas: Füße hoch, Tee und Spekulatius dazu – und einfach die wohlige Wärme genießen . . . Aber manchmal bleibt es nicht bei schlichter Gemütlichkeit, und der Ofen sorgt für Unmut oder gar handfesten Ärger: Da läuft zum Beispiel die Scheibe immer wieder tiefschwarz an oder die Nachbarn beschweren sich über stinkenden Rauch aus dem Schornstein.

Also lieber auf das Kaminfeuer verzichten und stattdessen die Füße vor die hochgedrehte Heizung legen? Muss nicht sein: Denn meistens steckt hinter solchen Problemen ein mehr oder weniger simpler Fehler beim Bedienen des Ofens, weiß Christoph Klassert aus Erfahrung. Der bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger, der Metelen sowie einen Teil von Ochtrup betreut und eine Werkstatt an der Waldstraße hat, hält einige handfeste Tipps für das richtige Heizen parat.

Was der Ofen verträgt

Zuallererst gilt es, das richtige Brennmaterial zu wählen. „Man wundert sich, was manch einer so verfeuert“, berichtet Christoph Klassert. „Längst nicht alles, was brennt, darf in den Ofen.“ Im Gegenteil, die Auswahl an Brennstoffen ist sogar eher klein – und von der Art des Ofens abhängig. Wer sich nicht sicher ist, was seine Feuerstätte verträgt, der sollte sicherheitshalber einen Blick in die Bedienungsanleitung werfen oder aber den Fachmann fragen.

Die meisten Öfen fürs heimische Wohnzimmer mögen nur unbehandeltes Holz und mitunter auch Briketts. Nicht erlaubt sind zum Beispiel Papier, Textilien, Stroh oder Rindenbriketts. „Auch unlackiertes Palettenholz – weil mechanisch behandelt – darf nicht in den Ofen“, weist Klassert auf einen gängigen Irrtum hin. „Am besten ist einfach naturbelassenes, stückiges Holz.“

Längst nicht alles, was brennt, darf in den Ofen.

Christoph Klassert

Ob das jetzt von der Eiche oder der Buche, von der Birke oder der Tanne stammt, ist dem Schornsteinfeger zufolge egal. Nur – natürlich – bitte kein Tropenholz. „Die Empfehlung, kein harzhaltiges Nadelholz zu nehmen, stammt aus den alten Zeiten des klassischen offenen Kamins“, sagt Klassert. Wichtig sei vielmehr, dass der hölzerne Brennstoff ausreichend trocken ist: Mehr als 20 Prozent Restfeuchte darf das Material nicht haben. „Dafür sollte das geschlagene oder gespaltene Holz etwa anderthalb bis zwei Jahre lagern“, empfiehlt Klassert. „Am besten so, dass der Wind durchpfeift, aber kein Regen drankommt.“ Wer es genau wissen möchte – oder einfach mal schauen will, ob das gekaufte Holz das Trockenheitsversprechen hält –, kann die Feuchte mit einem Messgerät kontrollieren. „Das gibt es im Baumarkt für unter 20 Euro zu kaufen“, weiß der Experte.

Formel für die richtige Holzmenge

Wichtig für ein solides Kaminfeuer ist auch die passende Größe des Holzscheits. „Es muss liegend in den Ofen passen.“ Und zwar quer, nicht mit der Stirnseite zum Glas. Noch entscheidender: die richtige Brennstoffmenge, die über einen bestimmten Zeitraum im Kamin landet – und die hängt von der individuellen Leistung des Ofens ab. Wie viel Kilowatt das heimische Exemplar hat, ist im Zweifelsfall in der Bedienungsanleitung nachzulesen. Ein Vier-Kilowatt-Ofen, mit dem ein Wohnzimmer von rund 40 Qua­dratmetern beheizt werden kann, „frisst“ – und braucht! – pro Stunde ungefähr ein Kilogramm Holz, ein Acht-Kilowatt-Exemplar entsprechend doppelt so viel Brennstoff. „Rund 20 Prozent kann ich aber noch draufgeben, weil das in etwa der Teil ist, der durch den Schornstein verschwindet“, informiert Christoph Klassert. Apropos: Wer an dieser Stelle alles richtig macht, braucht keine Sorge haben, dass dichter Rauch entsteht. „Ein super Indikator ist auch, dass die Scheibe nicht dunkel wird.“ Und: Der Ofen hält viel länger, wenn er nicht überladen wird. „Anderenfalls verzieht er sich in einem schleichenden Prozess.“

Lieber neu anzünden

Klar, dass es auch beim Nachlegen von Holz einiges zu beachten gibt. „Der richtige Zeitpunkt ist dann, wenn ich keine Flammen mehr sehe, aber noch Restglut vorhanden ist“, rät der Fachmann. Ansonsten lieber noch einmal neu anzünden – und keinesfalls mit irgendwelchen abenteuerlichen Methoden versuchen, die Glut über Nacht zu halten. „Das ist eine Kohlenmonoxid-Schleuder ohne Ende.“

Wer alle Ratschläge beherzigt, der wird nicht nur viel Freude an seinem Kamin haben – er muss auch kein schlechtes Gewissen mit sich herumtragen. „Wenn ich alles richtig mache, ist das auch für die Umwelt gut – denn Holz setzt im Grunde ja nur das COfrei, das der Baum irgendwann einmal aufgenommen hat“, betont Klassert. „Ein Kreislauf also.“ Dann spricht auch nichts gegen einen gemütlichen Abend vor dem Kamin. Und das ganz ohne schwarze Scheibe und Ärger in der Nachbarschaft . . .

Weitere Tipps zur Ofenpflege

Gute Nachrichten für alle, denen das Reinigen des Ofens lästig ist: „Man sollte die Kammer nicht jedes Mal säubern, denn Holz brennt in der Asche besser“, empfiehlt Christoph Klassert. Es reiche, alle vier bis sechs Wochen den Handfeger und das Kehrblech zu bemühen. Um wieder eine freie Sicht durch die Scheibe zu bekommen, eignet sich dem Fachmann zufolge am besten ein feuchtes Haushaltstuch, das in die weiße Asche getaucht wird: „Bitte auf keinen Fall Backofen-Spray oder andere Chemikalien verwenden.“ Vor der Saison sollten Ofenbesitzer zudem die Verbindung zwischen Kaminofen und Schornstein kontrollieren und bei Bedarf reinigen. Das macht der Schornsteinfeger bei seinem obligatorischen Besuch nämlich in aller Regel nicht – „außer auf Auftrag“, weiß Christoph Klassert.

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