Zehn Jahre Ochtruper Tafel
250 000 Kilometer auf den Tachos

Ochtrup -

Immer wieder donnerstags können Bedürftige aus Ochtrup, Metelen und Wettringen bei der Tafel einkaufen – und das seit zehn Jahren. Die ehrenamtlichen Helfer, 16 sind es aktuell, haben in dieser Zeit nicht nur viele Stunden mit dem Sortieren und Ausgeben der Waren verbracht, sondern sind auch so einige Kilometer gefahren.

Freitag, 07.12.2018, 06:00 Uhr
Einwandfreies Gemüse geben die Tafel-Mitarbeiter unter anderem aus.
Einwandfreies Gemüse geben die Tafel-Mitarbeiter unter anderem aus. Foto: Irmgard Tappe

Es ist Donnerstagmorgen. Die Mitarbeiter der Ochtruper Tafel sind damit beschäftigt, das Sortiment in die Regale zu räumen. Damit alles startklar ist, wenn am Nachmittag ab 14 Uhr die Kunden kommen.

Immer wieder donnerstags können Bedürftige aus Ochtrup, Metelen und Wettringen bei der Tafel einkaufen. Seit zehn Jahren. „Angefangen haben wir in der ehemaligen Pizzeria Spadaro. Nachdem wir die Räumlichkeiten ein halbes Jahr lang gründlich renoviert hatten, war am ersten Adventssonntag 2008 die Eröffnungsfeier“, erinnert sich Harry Ehmke. Er war von Anfang an dabei. Damals sei er seit einiger Zeit im Vorruhestand gewesen und habe nach einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung gesucht, erzählt er. „Auch im Rentenalter braucht man Struktur im Alltag“, bemerkt seine Frau Ingeborg. Sie hatte ihren Mann damals ermutigt, ehrenamtlich bei der Tafel mitzumachen. Seit drei Jahren ist sie ebenfalls aktiv dabei.

Pastor Albrecht Philipps hatte die Ochtruper Tafel 2008 ins Leben gerufen. Damals war es noch eine Zweigstelle der Gronauer Tafel, weil im Umkreis von 15 Kilometern nur jeweils eine solche Einrichtung gestattet war. Das hat sich mit zunehmender Bedürftigkeit geändert. Seit fünf Jahren ist die Ochtruper Tafel ein eigenständiger Verein unter dem Dachverband der Tafeln Deutschland. „Wir arbeiten aber mit den anderen Tafeln in den umliegenden Orten zusammen und tauschen überschüssige Waren untereinander aus“, berichten die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Vereins.

Ehrenamtlich aktiv: Harry Ehmke, Ingeborg Ehmke, Annegret Wülker und Christoph Stücker.

Ehrenamtlich aktiv: Harry Ehmke, Ingeborg Ehmke, Annegret Wülker und Christoph Stücker.

Die Tafel-Idee beruht auf dem Grundgedanken, dass auch in unserem Land nicht alle Menschen genügend zu essen haben, obwohl es Lebensmittel im Überfluss gibt und vieles weggeworfen wird. Die Tafeln und ihre engagierten Helfer bemühen sich, diesen Missstand auszugleichen. „All diese Lebensmittel würden wahrscheinlich entsorgt werden, obwohl sie noch gut sind. So aber kommen sie Bedürftigen zu Gute“, sagt der Vorsitzende der Ochtruper Tafel, Christoph Stücker, und zeigt auf das Obst- und Gemüseregal.

„Nahrungsmittel, die wir unseren Kunden anbieten, sind einwandfrei und durchaus genießbar“, bekräftigt Annegret Wülker. Auch sie gehört zu den engagierten Tafel-Mitarbeitern der ersten Stunde. Wie ihre Mitstreiter sortiert sie Woche für Woche die Ware, die die Tafel-Fahrer in den Lebensmittelmärkten und Bäckereien eingesammelt haben. Zwei Fahrzeuge sind dafür im Einsatz. Innerhalb der vergangenen zehn Jahre haben die Fahrer insgesamt 250 000 Kilometer zurückgelegt.

Zurzeit engagiert sich ein 16-köpfiges Helferteam ehrenamtlich für die Ochtruper Tafel. Einige ein paar Stunden pro Woche, andere gar 15 Wochenstunden. Geflüchtete, Rentner, Hartz-IV-Empfänger und Alleinerziehende gehören zu ihrem Kundenstamm. Alle haben einen entsprechenden Berechtigungsschein, den sie beim Einkauf vorweisen. Für ihre Einkäufe zahlen sie zwei Euro pro erwachsene Person und 50 Cent pro Kind. Dafür bekommen sie Ware im Wert von etwa 30 bis 50 Euro. „Den größten Ansturm an Tafelkunden gab es im Jahr 2015, als die vielen Geflüchteten kamen“, weiß Harry Ehmke. Mittlerweile, sagt er, sei der Anteil der Flüchtlinge unter den Kunden auf etwa 40 Prozent geschrumpft.

Auch auf zwei Standortwechsel blicken die Tafel-Mitarbeiter zurück. Zwei Jahre nach der Eröffnung stand der Umzug ins alte evangelische Pfarrhaus an. (heute Neubau des Jona-Kindergartens). Und seit sechs Jahren ist der jetzige Standort das Domizil, das vom Westwall aus erreichbar ist.

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