Totschlags-Prozess am Landgericht Münster
„Das ist nicht dein Scheißernst!“

Ochtrup/Münster -

Auch am zweiten Prozesstag schwieg der 18-jährige Angeklagte, der sich vor dem Landgericht Münster wegen Totschlags in der Nacht zu Pfingstmontag im Ochtruper Stadtpark verantworten muss. Das 20 Jahre alte Opfer verstarb nach sechs Messerstichen noch am Tatort.

Freitag, 07.12.2018, 16:26 Uhr aktualisiert: 07.12.2018, 17:16 Uhr
Der Prozess findet vor dem Landgericht Münster statt.
Der Prozess findet vor dem Landgericht Münster statt. Foto: dpa

Am Freitag wurden sechs junge Leute zwischen 16 und 20 Jahren als Zeugen vernommen. Sie schilderten den Verlauf des Abends und wurden zum Tathergang befragt. Weitgehende Übereinstimmung in ihren Aussagen ergaben die Einlassungen zum abendlichen Geschehen vor der Tat. Danach trafen sich die drei Männer und drei Frauen mit dem späteren Opfer zunächst an einer Shisha-Bar und später auf einem Spielplatz in der Nähe des Bergfreibades. Dabei konsumierten sie nach ihren Angaben lediglich in geringer Menge Wodka.

Nachdem die Frauen zwischenzeitlich die Gruppe verlassen hatten, traf sich die Clique am späten Abend noch einmal. Dabei soll der später Getötete gegenüber den anderen geäußert haben, er wolle noch in den Stadtpark, weil er da etwas zu klären habe. Dabei sei er ziemlich aufgebracht gewesen, „auf 180“, wie eine Zeugin schilderte.

Auch zum Motiv des 20-jährigen waren die Aussagen der Zeugen weitgehend schlüssig. Es ging um die Freundin des Opfers, die der Angeklagte am Gesäß begrapscht habe. Alle erwarteten eine Auseinandersetzung, bei der es nicht bei Worten bleiben würde, so die Vermutung der Zeugen. Auf Nachfragen des Gerichts räumten einige Zeugen ein, dass das Opfer Drogen konsumiert habe, überwiegend Gras, Kokain und Ecstasy.

Widersprüche gab es bei der Vernehmung von zwei männlichen Zeugen. Insbesondere der Einlassung, der Angeklagte habe ein Messer in der Hand gehabt, schenkten weder das Gericht noch die Staatsanwältin und die Verteidigung Glauben. „Sie wollen die Tatwaffe gesehen haben und haben bei der polizeilichen Vernehmung kurz nach der Tat kein Wort von einem Messer gesagt“, hielt der Richter den Zeugen vor. Im von ihnen selbst unterschriebenen Protokoll finde sich kein Hinweis auf die Tatwaffe.

Da beide Zeugen auch nach eindringlicher Belehrung und einer „Denkpause“ bei ihrer Aussage blieben, behielt sich die Staatsanwältin vor, sie wegen uneidlicher Falschaussage zur Rechenschaft zu ziehen.

Weitgehende Übereinstimmung ergaben die Schilderungen, dass sie eine körperliche Auseinandersetzung bemerkt hätten. Deutlich zu sehen gewesen sei eine Kopfwunde beim Angeklagten und eine blutende Armverletzung beim Opfer. Das Opfer soll dem Angeklagten mit Blick auf seine Wunde gesagt haben: „Das ist nicht dein Scheißernst!“ Er sei gestürzt, habe sich wieder aufgerappelt und sei sogleich wieder hingefallen. Der von den Zeugen alarmierte Notarzt konnte den Schwerverletzten nicht mehr retten.

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Der Prozess wird am Mittwoch (12. Dezember) fortgesetzt. Dann werde die Verteidigung eine einheitliche Stellungnahme zu den Zeugenaussagen abgeben, hieß es im Gerichtssaal.

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