Prozess wegen Totschlags im Ochtruper Stadtpark
Streitigkeiten zogen sich bereits länger hin

Ochtrup/Münster -

Aussagen zum Lebenslauf und zum Persönlichkeitsprofil sowie zu vorherigen Auseinandersetzung zwischen dem Angeklagten und seinem Opfer standen im Mittelpunkt des vierten Verhandlungstages beim Landgericht Münster im Prozess um den Totschlag im Ochtruper Stadtpark.

Freitag, 14.12.2018, 18:29 Uhr aktualisiert: 14.12.2018, 19:23 Uhr
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Symbolbild  Foto: dpa

Ein Heilpädagoge, der den 18-Jährigen seit Anfang 2017 in einer Wohngruppe betreut hatte, schilderte ihn als zielstrebigen, fleißigen und ehrgeizigen jungen Mann, der in der Technischen Schule gute Noten erzielt habe. Mit seinen sehr guten Deutschkenntnissen sei es ihm nicht schwer gefallen, bei einem Ochtruper Unternehmen einen Ausbildungsplatz zum Metallbauer zu bekommen. Auch das Verhalten in der Wohngruppe schilderte der Zeuge als unkompliziert und positiv.

Erst Anfang 2018 schien der Angeklagte in ein Loch gefallen zu sein, so der Betreuer. „Er hat Absprachen nicht mehr ernst genommen und Termine unentschuldigt versäumt“, sagte der Zeuge vor Gericht. Das Jugendamt habe den Minderjährigen in Obhut genommen und in einer Wohngruppe untergebracht.

Streit bei Zeltparty

Der Zeuge wusste jedoch von einem Streit, der sich am Rosenmontag bei einer Zeltparty im Stadtpark zugetragen hatte. Der Angeklagte sei in der Nacht mit einem gebrochenen Kiefer nach Hause gekommen und habe stationär im Krankenhaus behandelt werden müssen. Er habe daher bei der Polizei Anzeige erstattet und dort angegeben, er sei von drei anderen Männern zusammengeschlagen worden.

Von einem Streit zwischen Angeklagtem und Opfer berichteten auch zwei 17-jährige Mädchen, die am Freitag ebenfalls als Zeuginnen vernommen wurden. Dabei hätten sich beide in einer Ochtruper Gaststätte angepöbelt. Sie seien kurz vor einer körperlichen Auseinandersetzung gewesen. Nachdem ein ernsthaftes Aufeinandertreffen vermieden werden konnte und sich die Kontrahenten getrennt hatten, habe der Angeklagte bei einer der Zeuginnen per SMS nach der Wohnung des Getöteten gefragt.

Die andere Zeugin sagte aus, dass der Angeklagte wohl in ihre Freundin verliebt gewesen sei und ihr recht zudringlich nachgestellt habe. Auch diese Zeugin erinnerte sich an den Vorfall am Rosenmontag, an dem der Angeklagte und das spätere Opfer beteiligt waren, was auch eine weitere Zeugin bei ihrer Vernehmung bestätigte.

Fahrradschloss als Wurfschleuder

Eine bedrohliche Situation ergab sich nach Aussage eines weiteren Zeugen nach dem Streit in der Gaststätte am Bahnhof. Drohungen mit einem Fahrradschloss, dass als Wurfschleuder verwendet werden sollte, eine aggressive Stimmung und eine lautstarke verbale Auseinandersetzung schufen eine bedrohliche Situation, die aber nicht vollends eskalierte. Wie der Zeuge vermutete, drehte sich der Streit um das Mädchen, in das der Angeklagte verliebt war.

Ein inzwischen pensionierter Polizist schilderte seine Eindrücke von dem nächtlichen Geschehen in der Nacht zum Pfingstmontag im Stadtpark. Zum unmittelbaren Tathergang könne er keine präzisen Angaben machen, wohl hätten die das Opfer begleitenden Freunde dieses als den aggressiven Teil der Auseinandersetzung dargestellt.

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In einer Woche wird der Prozess fortgesetzt. Dann erwartet das Gericht von einem Gutachten Aufschluss darüber, inwieweit bei der Beurteilung der Tat Notwehr in Betracht kommen könnte.

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