Landgericht hebt Haftbefehl gegen Hasan M. auf
Wende im Totschlagsprozess macht Angehörige fassungslos

Ochtrup/Münster -

Der im Ochtruper Totschlagsprozess Angeklagte Hassan M. kommt aus der Untersuchungshaft frei. Es bestehe kein dringender Tatverdacht, begründete das Gericht seine Entscheidung und stützt sich dabei auf die Einschätzung eines Rechtsmediziners, dass es sich auch um einen Fall von Notwehr gehandelt haben könnte. Der Prozess wird fortgesetzt.

Freitag, 21.12.2018, 18:00 Uhr aktualisiert: 21.12.2018, 20:21 Uhr
Landgericht Münster 
Landgericht Münster  Foto: dpa

Völlig unerwartet kam die Wende im Prozess wegen Totschlags gegen Hasan M. vor dem Landgericht Münster nicht. Für die anwesenden Familienmitglieder und Freunde des getöteten José M. ist die Entscheidung des Gerichts am Freitagmittag dennoch ein Paukenschlag. Zuschauer halten sich die Hände vor das Gesicht und schluchzen laut, als der Vorsitzende Richter am Ende des fünften Verhandlungstages die Aufhebung des Haftbefehls gegen Hasan M. verkündet.

Der Angeklagte kommt daher aus der Untersuchungshaft frei. Da kann die Mutter des Getöteten nicht mehr an sich halten. Sie steht von der Nebenklagebank auf und unterbricht den Richter mit bebender Stimme: „Ich habe zwei kleine Kinder zuhause, sie weinen jeden Abend. Er hat meinen Sohn umgebracht und jetzt kommt er frei. Er wohnt in Ochtrup bei uns. Was soll ich meinen Kindern sagen?“

Handelte Hasan M. in Notwehr?

Persönliche Angriffe in Richtung des Strafverteidigers des Angeklagten folgen. Die Kammer unterbricht die Sitzung, doch die Mutter kann sich zunächst kaum beruhigen und bekommt gar einen Rüffel von der Staatsanwältin. „Das stimmt nicht“, kontert sie den Vorwurf der Mutter, Hasan M. habe den ganzen Morgen über gegrinst.

Tatsächlich verlief der fünfte Verhandlungstag für Hasan M. günstig. Schüchtern hatte er den Verhandlungssaal betreten und kurz mit seinem Verteidiger geflachst, bevor er mit ernster Miene und meist gesenktem Kopf der Verhandlung folgte. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob Hasan M. in Notwehr handelte, als er den 20-jährigen José M. im Mai dieses Jahres im Ochtruper Stadtpark mit einem Keramikmesser erstach.

Weil der nach eigenen Angaben 18-jährige Hasan M. – an der Richtigkeit der Altersangabe wurden während des Prozesses Zweifel laut – von seinem Recht zu schweigen Gebrauch macht, berichteten verschiedene Polizeibeamte von den Vernehmungen des Beschuldigten.

Kieferbruch an Karneval erlitten

Zwischen ihm und José M. gab es eine Vorgeschichte von Auseinandersetzungen in der Vergangenheit. Offenbar drehte sich der Konflikt um eine Freundin von José M. Hasan M. machte ihr Avancen, die unerwidert blieben. José M. beleidigte Hasan M. nach dessen Aussage bei einem Disput als „Kanaken“, speicherte ihn unter dem Namen „Hurensohn“ in seinem Handy ein. Hasan M. versuchte seinerseits, die Adresse des später Getöteten herauszufinden. Über die Handy-App „Snapchat“ fordert José M. ihn schließlich mitten in der Nacht zu einem Treffen im Ochtruper Stadtpark auf. Hasan M. zögert, lässt sich dann aber überreden. Im Park kommt es zur tödlichen Auseinandersetzung.

Nach eigener Aussage hatte Hasan M. das Messer aus Angst dabei – wenige Monate zuvor hatte er bei einer Auseinandersetzung an Karneval einen Kieferbruch erlitten. Ob José M. daran beteiligt gewesen war, blieb unklar.

Nüchtern und sachlich kam der Rechtsmediziner, der die Leiche des Opfers nach der Tat obduziert hatte, zu dem Ergebnis, dass die Notwehr-Version und der von Hasan M. bei der Polizei geschilderte Tatverlauf anhand der vorgefundenen Schnitt- und Stichverletzungen möglich erscheint.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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