Seit 30 Jahren tippt eine illustre Runde jede Woche die Spielausgänge
Geballter Fußballverstand

Ochtrup -

Blau und Weiß, Schwarz und Gelb oder Rot und Blau – in den Fußballstadien stehen die Fans nach Farben „sortiert“ in streng getrennten Blöcken. Ein Aufeinandertreffen der Gruppen birgt oft eine Menge Zündstoff in sich. Anders dagegen das Bild in der Ochtruper Gaststätte Bücker. Hier bilden die Borussen mit den Knappen und den Bayern eine große, friedliche Truppe. Und das seit immerhin 30 Jahren. „Wir sind hier eine Spaßgemeinschaft mit Statuten“, umschreibt es Wirt Hermann Bücker mit einem jungenhaften Grinsen.

Dienstag, 08.01.2019, 06:00 Uhr
Verschiedene Altersgruppen, verschiedene Nationalitäten, verschiedene Club-Vorlieben: die Tipp-Gemeinschaft bei Bücker ist bunt gemischt. Hier treffen sich (v.l.) Heinz Lenz, Josef Kröger, Hermann Bücker, Matthias Larkiens und Sandra Schweizer zum Fachsimpeln. Links: Hermann Bücker mit dem Spielplan für die Fans.
Verschiedene Altersgruppen, verschiedene Nationalitäten, verschiedene Club-Vorlieben: die Tipp-Gemeinschaft bei Bücker ist bunt gemischt. Hier treffen sich (v.l.) Heinz Lenz, Josef Kröger, Hermann Bücker, Matthias Larkiens und Sandra Schweizer zum Fachsimpeln. Links: Hermann Bücker mit dem Spielplan für die Fans. Foto: Susanne Menzel

Angefangen hatte es 1988: Sechs Stammgäste samt Bücker kamen Wochenende für Wochenende an der Theke zum Fachsimpeln zusammen. Und natürlich lieferte jeder seine eigene Prognose zum Spielausgang in der Liga. „Warum nicht ein gemeinsames Tippspiel organisieren?“, kam irgendwann die Frage auf. „Aus einer Laune heraus haben wir uns dann zusammengetan“, schildern die Akteure der ersten Stunde im Rückblick. Und aus sieben Fußballfans wurden Jahr für Jahr mehr – heute sind es 62. „Und damit ist auch eine Grenze erreicht“, betont Hermann Bücker : „Mehr nehmen wir nicht auf, da kann die Warteliste noch so lang sein. Nur wenn jemand verstirbt oder freiwillig ausscheidet, wenn also ein Platz frei wird, ist das Nachrücken möglich.“

Getippt werden Spieltag für Spieltag die Ligen eins und zwei rauf und runter. Europa- und Weltmeisterschaften kommen als „Topping“ oben drauf.

Jeder Tipper erhält zu Saisonbeginn einen Spielplan. Dazu werden dann Listen angefertigt, in die Tipps und Spielausgänge eingetragen werden. Auch Ranglisten haben die Statistiker in der Runde angelegt.

„Jeder kommt dann im Laufe der Woche persönlich vorbei, um seine Einschätzung sowie auch seinen Gewinneinsatz abzugeben“, erklärt Bücker die Spielregeln. „Hier ist nix mit online, wie es anderswo vielleicht gehandhabt wird. Wir sind da ganz ‚old Fashion‘, so wie früher.“ Und es sind bei weitem nicht nur die Herren der Schöpfung, die den Fußballverstand für sich reklamieren. „15 Prozent der Tipper sind weiblich“, ist die Gemeinschaft stolz.

So wie Sandra Schweizer , die stellvertretende Vorsitzende. Seit vier Jahren ist sie dabei, ist „irgendwie dareingerutscht“, wie sie selbst sagt. Von Fußball hatte sie seinerzeit wenig Ahnung, gibt die Ochtruperin offen zu: „Es hat mich dann aber gefuchst, dass ich von Tuten und Blasen keinen Plan hatte und ich habe mich in die Materie reingekniet. Wobei: Schlecht beim Tippen war ich auch vorher nie“, grinst Schweizer.

Zwischen 25 Jahren und Ende 70 sind die Gruppenmitglieder alt. Viele von ihnen stehen noch voll im Berufsleben, andere dagegen genießen bereits das Rentnerdasein. So wie Martin Dempe, ebenfalls seit Gründung mit dabei. „Ich mag hier vor allem die Geselligkeit“, nennt er seine Beweggründe, Woche für Woche mit Gleichgesinnten zu plaudern.

Und natürlich wird nicht der komplette Einsatz gleich wieder an den Tagessieger ausgeschüttet. Der erhält 15 Euro. Die gesammelten Punkte pro Spieltag werden addiert – und

am Saisonende gibt es für den besten 150 Euro Prämie. Der Letzte darf sich noch über einen Euro freuen. Von dem restlichen Geld werden fünf bis sechs Aktivitäten pro Jahr finanziert. Das fängt bei der Generalversammlung an und hört beim Sommerfest auf. Dieses Jahr, zum runden Geburtstag, steht zudem am 12. Januar (Samstag) um 18 Uhr ein Winterfest mit Musik, Spaß, Fußballgesprächen und natürlich einer Tombola an.

Auch gemeinsame Fahrten zu interessanten Spielen werden von dem Überschuss bezahlt. „Leider“, so bedauert Hermann Bücker, „wird es aber immer schwieriger, für solche Highlights live im Stadion Karten zu bekommen.“

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