M:LW Festival Philharmonie gibt ein begeisterndes Neujahrskonzert
Hand in Hand in Harmonie

Ochtrup -

„Was wäre ein Neujahrskonzert ohne Johann Strauss?“ Dirk Klapsing setzte gleich zu Beginn den Ton der Veranstaltung: Heiter, schwungvoll und energiegeladen sollte es ins neue Jahr gehen beim Konzert der M:LW Festival Philharmonie in der Marienkirche.

Dienstag, 08.01.2019, 07:00 Uhr aktualisiert: 09.01.2019, 11:22 Uhr
International besetzt mit hervorragenden Nachwuchsmusikern setzte das Orchester der M:LW Festival Philharmonie einen beschwingten, harmonischen Ton zum Jahresbeginn.
International besetzt mit hervorragenden Nachwuchsmusikern setzte das Orchester der M:LW Festival Philharmonie einen beschwingten, harmonischen Ton zum Jahresbeginn. Foto: Christiane Nitsche

Getreu dem Vorbild der Wiener Neujahrskonzerte ging es mit Walzern, Polkas, Rondo und Marsch tänzerisch bis traumtänzerisch an den Start. Dass aber gerade die Leichtigkeit in der Musik einer besonderen Klasse bedarf, will sie überzeugen, das weiß auch der Intendant der Musiklandschaft Westfalen.

Dabei war es Dirk Klapsing, der persönlich durchs Programm führte, ein Anliegen, nicht nur die Klasse der einzelnen Musiker des Ensembles zu betonen, sondern auch, wie hier Akteure vieler Nationen und Kulturen „zu einem harmonischen Klangkörper zusammengewachsen sind“. So gab es denn einen Neujahrsgruß in allerlei Sprachen, darunter Koreanisch, Russisch, Serbisch, Französisch, Hebräisch, Ungarisch, Englisch, Niederländisch, Gälisch – und fast als augenzwinkernde Zugabe auch ein „Frohes Neues Jahr“ einer deutschen Musikerin ins gut gefüllte Kirchenschiff.

Dirigiert wurde das Orchester von Martin Panteleev.

Dirigiert wurde das Orchester von Martin Panteleev. Foto: Christiane Nietsche

Dass von Richard Strauss junior viel mehr Gutes zu hören ist als der von ihm zugunsten der politischen Verbundenheit des preußischen und des österreichischen Herrscherhauses komponierte Kaiserwalzer, den selbst konsequente „Sissi“-Verweigerer kennen, bewies ein Blick ins Programm: Von der „Pizzicato Polka“ bis zur Ouvertüre aus dem Zigeunerbaron bot das Orchester unter Martin Panteleev allein sieben Strauss-Stücke dar. „Aber kennen Sie auch den Walzer ‚Hand in Hand‘?“, fragte Klapsing ins Publikum. Niemand hob die Hand – erwartungsgemäß wohl. Denn, wie Klapsing anschließend ausführte, der von Johann Strauss komponierte Walzer fristet ein trauriges Dasein im Verborgenen.

Nachdem er ihn für Klavier komponiert hatte, machte sich Carl Michael Ziehrer 1889 daran, das Stück für Orchester zu instrumentieren, um es dann in Wien aufzuführen – sehr zum Unwillen seines Schöpfers, dem diese Instrumentierung so gar nicht gefiel. Also setzte er sich selbst daran und gab dem Ganzen nach Abschluss einen neuen Titel: „Kaiserwalzer“.

Ein Vergleich mit Interpretationen anderer, oft auch besonders großer Orchester, verbietet sich beinahe für diese, so inflationär der Kaiserwalzer doch immer wieder zu hören ist. Das ein oder andere zuckende Bein in den dicht besetzten Kirchenbänken zeigte aber doch, wie gut die Ausführung gelang.

Vielleicht lag es am Russischen Marsch, der vor dem Kaiserwalzer auf dem Programm stand. Absolut präzise Einsätze im Ensemble sind hier Pflicht, wenn das Stück ein Genuss sein soll. Und wenn dabei doch ein weicher Gesamtklang entsteht – das ist großartig. Wie zur Bestätigung erklärt auch Dirk Klapsing anschließend seine Vorliebe für den Russischen Marsch. „Das ist mein Favorit.“

Dass diese Präzision und die gute Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen Dirigent und Musikern nach nur zweieinhalb Tagen gemeinsamen Probens zustand kam – traumhaft.

Seine Ausnahme-Klasse bewies das Ensemble dann aber vor allem in der Begleitung des hervorragenden Solisten Jósef Lendvay, der auf einer echten Stradivari den passenden Funken Leidenschaft und Temperament in die musikalische Traumtänzerei brachte.

Im fulminanten Schlussstück des Abends, Niccolò Paganinis „Moto perpetuo“ brillierte Lendvay derart, dass schon bei den letzten Tönen die ersten von den Sitzen sprangen, um stehend zu applaudieren.

„2500 bis 2800 Noten“, rechnete Dirk Klapsing vor, „in etwa dreieinhalb Minuten.“ Wer jemals auch nur ein wenig Musik gemacht hat, weiß was das bedeutet: Ein Parforceritt, der – will er auch noch ein Genuss für die Zuhörer sein – gefühlt eine Million Mal geübt gehört. Und nur die wenigsten werden ihn auch dann bewältigen. Nicht umsonst gelten viele Stücke Paganinis als unspielbar.

Fazit: „Eine solche Qualität ist den Preis wirklich wert.“ Wieder einmal nahm Dirk Klapsing jede berechtigte positive Kritik vorweg.

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Bleibt zu sagen, dass die Neujahrstournee der M:LW Festival Philharmonie noch nicht beendet ist. Weitere Termine sind am Freitag und Samstag (11. und 12. Januar) in Horn Bad Meinberg und Bad Lippspringe.

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