Kräht der Hahn auf dem Mist,. . .
. . . geht der Bauer in den Wald

Ochtrup -

„Kräht der Hahn auf dem Mist, . . .“, heißt die neue Serie, in der die Westfälischen Nachrichten die Ochtruper Landwirte durch das Jahr begleiten und ihnen bei ihrer täglichen Arbeit über die Schulter schauen. Im Januar ist traditionell Pflanzzeit für Bäume.

Mittwoch, 09.01.2019, 06:00 Uhr
Die jungen Buchen und Eichen in der kleinen Schonung von Christian Möllers sind gut vier Jahre alt. Einige Bäume musste der Landwirt in diesem Jahr ersetzen. Vor allem die Trockenheit im vergangenen Jahr hat den jungen Pflanzen zugesetzt.
Die jungen Buchen und Eichen in der kleinen Schonung von Christian Möllers sind gut vier Jahre alt. Einige Bäume musste der Landwirt in diesem Jahr ersetzen. Vor allem die Trockenheit im vergangenen Jahr hat den jungen Pflanzen zugesetzt. Foto: Anne Steven

Der Regen tröpfelt stetig vom grauen Himmel und so richtig hell werden will es an diesem nasskalten Tag Anfang Januar auch nicht. Doch Christian Möllers kann ihm trotzdem etwas Positives abgewinnen, denn es friert nicht. Und so bietet sich für den Landwirt die Gelegenheit, in seinem kleinen Wald in der Oster notwendige Nachpflanzungen vorzunehmen.

„Der Wald ist eigentlich nur ein Hobby“, meint der Agraringenieur, der seinen Lebensunterhalt mit der Mast von Bullen und Schweinen verdient. Doch der Wald – es sind 2,5 Hektar – müsse eben auch bewirtschaftet werden. Doch diese Pflicht ist dem 45-Jährigen keine Last, vielmehr bereitet ihm die Abwechslung Freude. Und ganz nebenbei leistet er damit einen Beitrag zum Klimaschutz.

Gerade auf die jungen Triebe der Bäume hat es da Wild abgesehen.

Gerade auf die jungen Triebe der Bäume hat es da Wild abgesehen. Foto: Anne Steven

Nach dem Zweiten Weltkrieg , erzählt Christian Möllers, mussten viele Waldbesitzer Reparationen leisten. Der Kahlschlag wurde dann meist mit Kiefern und Fichten, die einen schnellen Wuchs versprachen, aufgeforstet. Dem natürlichen Wuchs in den Wäldern des Münsterlandes entsprach dies jedoch nicht, sind hier doch eher Laub- und Mischwälder vertreten.

Auch in dem kleinen Waldstück der Familie Möllers gibt es zahlreiche Kiefern. Vor einigen Jahren hat Christian Möllers einen Teil dieser Bäume gefällt und das Holz verkauft. In Absprache mit dem Förster sollte auf der frei gewordenen Fläche Laub- und Mischwald entstehen. Vor etwa vier Jahren pflanzten Christian Möllers und sein Vater Franz deshalb Roteichen, Rotbuchen und Vogelkirsche. Zum Schutz gegen Rehe, Hasen und anderes Wild, das die jungen Bäume wegen ihrer frischen Triebe zum Fressen gern hat, errichteten die Ochtruper einen Schutzzaun um ihre kleine Schonung. Der Zaun hält zudem Rehböcke ab, die die kleinen Bäume gerne nutzen, um sich von der Gewebehaut ihrer Geweihe zu befreien. Wenn der Bock mit seinem Geweih durch die Schonung fege, koste das mitunter schon mal den einen oder anderen Baum, weiß Christian Möllers.

Ein Zaun schützt die jungen Bäumen vor hungrigen Rehen.

Ein Zaun schützt die jungen Bäumen vor hungrigen Rehen. Foto: Anne Steven

Die Pflege des Waldes ist ihm wichtig – und das nicht nur mit Blick auf den Klimaschutz. Denn von den Bäumen, die Ochtruper jetzt pflanzt, hat er persönlich nichts mehr. „Das ist eine Generationensache“, weiß der Landwirt, dass frühestens seine Kinder, eher aber seine Enkel, Erlös mit den Bäumen erwirtschaften werden.

Die Trockenheit im vergangenen Jahr setzte der Natur zu und auch die jungen Bäume von Familie Möllers hatten zu kämpfen. „Viele sind eingegangen“, musste Christian Möllers feststellen. Doch das sei abzusehen gewesen, schließlich kämen die jungen Pflanzen mit ihren Wurzeln noch nicht so tief ins Erdreich. Außerdem ziehen die umstehenden großen Bäume natürlich ebenfalls jede Menge Wasser aus dem Boden.

Den Ausfall hat der Landwirt nun ersetzt. Gemeinsam mit seinem Vater und den Söhnen zog er in den Wald und pflanzte neue Roteichen und -buchen. Diese jungen Pflanzen werden in der Baumschule etwa zwei bis vier Jahre vorgezogen. Mit einer Höhe von etwa 1,50 Meter kommen sie dann in den Boden. Letzterer setzt sich im Winter, so dass die jungen Bäume eine echte Chance haben. Um ihnen das Wachsen zu erleichtern, hält Christian Möllers die Umgebung frei von Brombeerranken und dergleichen. „Wenn die Bäume eine Größe von drei Metern haben, kann man auch den Wildzaun wegnehmen“, sagt er.

Außerhalb des Wildzauns schützen Manschetten die jugnen Bäume vor Verbiss.

Außerhalb des Wildzauns schützen Manschetten die jugnen Bäume vor Verbiss. Foto: Anne Steven

Während der Landwirt im Wald die Bäume fördert, gilt es an anderer Stelle den kleineren Pflanzen Platz zu verschaffen. Stichwort „Wallheckenpflege“. Die Münsterländische Parklandschaft ist durch landwirtschaftlich genutzte Flächen, Wiesen und Wallhecken geprägt. „Wenn die Bäume zu groß werden, haben die Hecken keine Chance“, erklärt der 45-Jährige. So sei es eben manchmal auch notwendig, Bäume zu fällen. Wenn Radler an solch einer Hecke vorbeikämen, entstünde oft der Eindruck eines Kahlschlags. „Der ist in dem Fall dann aber gut“, macht Christian Möllers deutlich. Schließlich stellten diese ökologisch wertvollen Lebensräume Rückzugsmöglichkeiten für viele Tiere und Pflanze in der Agrarlandschaft dar. Und jetzt im Winter ist die passende Zeit, um diese zu pflegen. Das gilt auch für das Schneiden von Kaminholz. „Klar wünscht man sich da Sonnenschein“, meint Christian Möllers schmunzelnd. Aber der Regen fehlt der Natur schließlich noch mehr. „Das Defizit des vergangenen Jahres ist noch längst nicht aufgeholt“, weiß der Fachmann. Daher darf es ruhig noch ein wenig weiter tröpfeln.

Christian Möllers bei der Arbeit im Wald. Jetzt im Januar ist eine gute Zeit, um Bäume zu pflanzen, sagt der Octhruper Landwirt.

Christian Möllers bei der Arbeit im Wald. Jetzt im Januar ist eine gute Zeit, um Bäume zu pflanzen, sagt der Octhruper Landwirt. Foto: Anne Steven

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6306298?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F182%2F
Top-Einschaltquote - aber auch Kritik: "Viel Münster, wenig Inhalt"
Netzreaktionen auf Münster-Tatort: Top-Einschaltquote - aber auch Kritik: "Viel Münster, wenig Inhalt"
Nachrichten-Ticker