Plädoyers im Prozess vor dem Landgericht
„Notwehr hat Grenzen“

Ochtrup/Münster -

Mit den Plädoyers der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung wurde am Mittwoch der Prozess gegen den 18-jährigen Hassan M. vor dem Landgericht Münster fortgesetzt. Ihm wird vorgeworfen, im vergangenen Jahr den 20 Jahre alten Jose M. mit sechs Messerstichen im Stadtpark getötet zu haben.

Mittwoch, 09.01.2019, 16:26 Uhr aktualisiert: 09.01.2019, 17:28 Uhr
Blumen und Kerzen erinnerten wenige Tage nach dem Tötungsdelikt im Stadtpark an das Opfer. Im Prozess gegen dessen 18-jährigen Kontrahenten wurden am Mittwoch die Plädoyers gehalten.
Blumen und Kerzen erinnerten wenige Tage nach dem Tötungsdelikt im Stadtpark an das Opfer. Im Prozess gegen dessen 18-jährigen Kontrahenten wurden am Mittwoch die Plädoyers gehalten. Foto: Anne Steven

Die Staatsanwältin fasste aus ihrer Sicht das Geschehen in der Tatnacht und die Vorgeschichte des Streites zusammen. Wie schon an vorherigen Verhandlungstagen erörtert, gingen den tödlichen Messerstichen bereits heftige Auseinandersetzungen bei einer Rosenmontagsparty, am Bahnhof und in einer Ochtruper Gaststätte voraus. Beim Zusammentreffen im Stadtpark, das der später Getötete eingefordert hatte, kam es zum Kampf, in dessen Verlauf der Angeklagte seinen Gegner mit sechs unkontrollierten Messerstichen in den Brustkorb attackierte.

Staatsanwältin: Tod in Kauf genommen

Für die Staatsanwältin bestand kein Zweifel, dass Hassan M. den Tod seines Kontrahenten billigend in Kauf nahm. „Notwehr hat Grenzen und der Einsatz einer Waffe muss zwingend angedroht werden“, so die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer. Daher sei der Angeklagte des Totschlags schuldig und entsprechend zu verurteilen. Für die Anwendung von Waffengewalt gebe es in diesem Fall keine Rechtfertigung. Ein Strafmaß forderte die Vertreterin der Anklage nicht. Dies wolle sie dem Gericht überlassen.

Auch der Vertreter der Nebenkläger, der Eltern des Getöteten, bezichtigte den Angeklagten des vollendeten Totschlags, da ihm klar sein musste, dass die dem Opfer zugefügten Stiche tödlich sein würden. Hassan M. selbst habe bei einer ersten polizeilichen Vernehmung ausgesagt: „Ich bin ein Mörder!“ Zudem sei die Tat mit vehementer Brutalität und Wucht ausgeführt worden.

Der Verteidiger des Angeklagten sprach vor seinem Plädoyer der Familie des Getöteten sein tief empfundenes Mitleid aus. „Ein Kind zu verlieren ist wohl das Schlimmste, was Eltern erleben können“, so der Anwalt in seinen Worten an die Eltern.

Verteidiger: Aggressionen gingen vom Opfer aus

Als Verteidiger habe er jedoch eine andere Sichtweise und beurteile die Tat aus juristischer Sicht anders als die Staatsanwältin und die Nebenkläger. In der besagten Nacht habe Jose M. den Angeklagten mit der Absicht in den Stadtpark bestellt, ihm eine Abreibung zu verpassen. Zwei Freunde, die die Begegnung der beiden hinter einer Hecke beobachten konnten, sollten, wenn nötig, eingreifen und Jose M. zu Hilfe kommen. Nach Auffassung des Verteidigers gingen die an den Tag gelegten Aggressionen eindeutig vom Getöteten aus.

Für den Angeklagten spreche auch, dass er nach den Stichen selbst den Notarzt alarmiert und versucht habe, die Blutungen des Verletzten zu stoppen. Außerdem habe er keinen Fluchtversuch unternommen und keine Aggressionen gezeigt. Eine Verurteilung wegen Totschlags käme nicht in Betracht, da keine Tötugsabsicht vorgelegen habe, so der Verteidiger. Letztlich habe Hassan M. keine andere Möglichkeit gesehen, sich aus dem Schwitzkasten, in dem Jose M. ihn festhielt, zu befreien. Nach Abwägung der Gesamtumstände beantragte er, den Angeklagten vom Vorwurf des Totschlages freizusprechen.

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Der Prozess wird am 21. Januar (Montag) mit der Urteilsverkündung abgeschlossen.

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