Bürgerwind Welbergen
Beteiligung frühestens im Sommer

Ochtrup -

Seit April 2018 sind die vier Windkaftanlagen der Bürgerwind Welbergen GmbH & Co. KG im Schwering- und Mohringhook bereits am Netzt. Im Dezember fand die Schlüsselübergabe statt. Die Bürgerbeteiligung wollen die Geschäftsführer Werner Kappelhoff und Franz-Josef Münstermann im Sommer angehen.

Samstag, 12.01.2019, 06:00 Uhr
Die Windkraftanlagen der Bürgerwind Welbergen GmbH & Co.KG – hier eine Aufnahme aus dem Mohringhook – drehen sich bereits eine ganze Weile.  
Die Windkraftanlagen der Bürgerwind Welbergen GmbH & Co.KG – hier eine Aufnahme aus dem Mohringhook – drehen sich bereits eine ganze Weile.   Foto: Werner Kappelhoff

„Jetzt sind es endlich unsere.“ Franz-Josef Münstermann strahlt über das ganze Gesicht, und auch Werner Kappelhoff schaut sehr zufrieden aus. Die beiden Geschäftsführer der Bürgerwind Welbergen GmbH & Co. KG sprechen von einem Meilenstein, wenn sie an die Abnahme und Schlüsselübergabe für die Windkraftanlagen im Mohring- und Schweringhook zurückdenken.

Das war kurz vor Weihnachten. Und jetzt liegt die Verantwortung bei ihnen. Während sich Kappelhoff mehr der technischen Betriebsführung widmet, hat Münstermann die kaufmännische Seite übernommen. Einer fehlt den beiden Geschäftsführern an dieser Stelle besonders: Hans-Hermann Vollenbröker, der im vergangenen Jahr bei einem Jagdunfall ums Leben kam. „Gerade in solchen wichtigen Situationen merkt man sein Fehlen natürlich besonders“, sagt Kappelhoff. „Aber wir werden sein Lebenswerk weiterführen“, stellt Münstermann klar.

Doch alleine seien die Aufgaben nicht zu stemmen. Unterstützung bekommen sie deshalb von der NLF Bürgerwind Saerbeck. Letztere berät und begleitet insgesamt 13 Bürgerwindgesellschaften im Kreis Steinfurt bei der Planung und Realisierung ihrer Bürgerwindenergieprojekte. Wichtig ist den Geschäftsführern: „Die NLF wird beratend tätig, aber nie entscheidend.“

Doch wie geht es nun weiter? Seit Ende März 2018 sind alle vier Windkraftanlagen am Netz (wir berichteten), seit Ende Dezember nun liegt die Verantwortung bei der Bürgerwind Welbergen. Der nächste Schritt ist jetzt die Bürgerbeteiligung.

„Die NLF bereitet das gerade vor“, berichtet Münstermann. Dazu wird ein sogenanntes Prospekt erstellt, welches das Projekt bis ins kleinste Detail mit allen Risiken und Gefahren vorstellt. Voraussichtlich im Sommer wollen Kappelhoff und Münstermann das Prospekt dann auf einer Informationsveranstaltung der Öffentlichkeit präsentieren. Vorher muss allerdings das Bundesamt für Finanzen (BaFin) sein Okay geben. Erst danach wird es eine Bewerbungsfrist für interessierte Bürger geben. An dem Bürgerwindprojekt beteiligen dürfen sich Personen, die mindestens 18 Jahre alt sind, einen Wohnsitz in Ochtrup und eine private E-Mail-Adresse haben, sowie mindestens 1000 Euro investieren wollen. Bisher haben Kappelhoff und Münstermann schon sehr viele Investitions- beziehungsweise Beteiligungsanfragen. Doch sie wollen so viele Bürger wie möglich an dem Projekt beteiligen. Das Prinzip: Der Topf wird von unten aufgefüllt. „Das wird sicherlich der schwierigste Teil“, meint Münstermann. Als erstes haben die Grundstückseigentümer und Gründungsmitglieder einen Anspruch, dann folgen die direkten Anwohner und dann die Bürger. „Berücksichtigt wird jeder, nur gegebenenfalls eben nicht mit der gewünschten Summe“, verspricht Kappelhoff.

Die Anwohner erhalten in diesem Jahr erstmals eine jährliche Entschädigung – abgestuft danach, wie nah sie an den neuen Windkraftanlagen wohnen. Diese Zahlung – ein prozentualer Anteil an der Vergütung, der bei den Windparkprojekten im Kreis Steinfurt allgemein üblich ist, – leiste die Bürgerwind Welbergen freiwillig, betont Kappelhoff. Aber auch die Grundstückseigentümer werden in diesem Jahr erstmalig Zahlungen entsprechend des Windjahresertrages erhalten.

Die Geschäftsführer der Bürgerwind Welbergen GmbH & Co. KG Werner Kappelhoff und Franz-Josef-Münstermann (2. und 3. v.l.) bei Schlüsselübergabe im Dezember. Das Bild zeigt außerdem NLF-Projektingenieur Peter Köster und Maja Wulf von Enercon.
Foto: Sven Dahl, NLF

Während die Windkraftanlagen im Schweringhook hinsichtlich des Schallaufkommens bereits endvermessen sind, steht die gutachterliche Abnahmemessung im Mohringhook noch aus. Bislang sind die Windbauern aber zufrieden. „Die Gutachter haben nachgemessen. Die Werte, die für den Schweringhook prognostiziert wurden, sind eingehalten worden“, freut sich Münstermann.

Aktuell laufen alle vier Anlagen noch nicht im Regelbetrieb, da einige Restarbeiten und Wartungen laufen. Doch auch im Regelbetrieb können sich die Anlagen immer wieder abschalten. „Wir werden oft darauf angesprochen, wenn die Anlagen mal stillstehen“, erzählt Kappelhoff. So schalten sich die Anlagen oftmals in der Dämmerung ab. Denn dann könnten je nach Jahreszeit bei bestimmten Temperaturen und wenig Wind Fledermäuse unterwegs sein (Fledermausabschaltung). Außerdem gibt es eine sogenannte Schattenwurf-Abschaltung. „Wir haben den Anwohnern zugesichert, dass an den Wohnhäusern kein Schattenwurf sein darf“, erklärt Münstermann die automatische Abschaltung je nach Sonnenstand. Im vergangenen Jahr sei das häufig der Fall gewesen. Doch ein Problem für die Wirtschaftlichkeit stelle es nicht dar, da bei Sonnenschein vielfach auch nur wenig Wind gemessen werde.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6312429?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F182%2F
Studentenwerk: Kein Ghetto am Wilhemskamp
Die Wohnanlage Wilhelmskamp könnte nachverdichtet werden. aus. Das Studierendenwerk ist zurückhaltend gegenüber dem Vorschlag des Planungsbüros John Architekten.
Nachrichten-Ticker