Realschüler lassen sich von „Plant for the planet“ inspirieren
Die Welt ein bisschen besser machen

Ochtrup -

Etwas für den Klimaschutz tun, wollten die Schüler der 7d der Ochtruper Realschule. Ihre Idee: Bäume pflanzen. Doch die Jugendlichen beließen es nicht bei wenigen Exemplaren. Sie holten die Schulleitung und auch die Stadt Ochtrup mit ins Boot.

Donnerstag, 24.01.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 24.01.2019, 15:34 Uhr
Aktiv etwas für den Klimaschutz tun möchten die Schüler der 7d der Realschule und Lehrerin Nele Oelerich (hinten l.). Gemeinsam haben sie eine Baumpflanzaktion ins Leben gerufen. Um auch ihre Mitschüler zu informieren, luden sie den zehnjährigen Botschafter für Klimagerechtigkeit, Emil Lottritz (l.) von „Plant for the planet“, ein.
Aktiv etwas für den Klimaschutz tun möchten die Schüler der 7d der Realschule und Lehrerin Nele Oelerich (hinten l.). Gemeinsam haben sie eine Baumpflanzaktion ins Leben gerufen. Um auch ihre Mitschüler zu informieren, luden sie den zehnjährigen Botschafter für Klimagerechtigkeit, Emil Lottritz (l.) von „Plant for the planet“, ein. Foto: Anne Steven

„Ich habe gelernt, dass du nie zu klein dafür bist, einen Unterschied zu machen.“ Die Rede der 15-jährigen Greta Thunberg aus Schweden bei der Klimakonferenz in Kattowitz ist am Mittwochmorgen via Video in der Aula des Schulzentrums zu hören. Ihre Worte beeindrucken die Schüler sichtlich. Doch die Klasse 7d, die ihre Mitschüler aus dem siebten und achten Jahrgang an diesem Morgen eingeladen hat, will nicht jeden Freitag die Schulze schwänzen und für mehr Klimaschutz demonstrieren, wie Greta es tut. Nein, die Realschüler haben eine andere Idee: Sie wollen Bäume pflanzen und damit aktiv einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Die Idee zu diesem Projekt gärt bereits eine ganze Weile. Und Greta Thunberg hat damit eigentlich nur insofern etwas zu tun, als das sie alle für die gleiche Sache kämpfen. In einer Deutscharbeit verwendete Lehrerin Nele Oelerich im vergangenen Schuljahr – damals gingen die Mädchen und Jungen noch in die sechste Klasse – einen Text des Projekts „Plant for the Planet“ (deutsch: „Pflanzen für den Planeten“‘). Und dieses Projekt oder besser die Idee, die dahinter steckt, ging den Schülern nicht mehr aus dem Kopf. „Irgendwann kamen sie zu mir und fragten mich, ob sie denn nicht auch Bäume für den Klimaschutz pflanzen könnten“, erzählt Nele Oelerich.

Die Lehrerin war nicht die einzige, die die Schüler überzeugten. Auch die Schulleitung und Vertreter der Stadt Och­trup als Schulträgerin fanden die Idee großartig. Die Begeisterung ging sogar soweit, dass die Kommune zusagte, Spenden, die die Schüler für ihr Projekt sammeln, zu verdoppeln. Und noch mehr: Die Stadt stellt ein Grundstück an der Dietrich-Bonhoeffer-Straße zur Verfügung, das ohnehin nicht bebaut werden darf. Dort wollen die Schüler demnächst zur Tat schreiten und insgesamt 70 Bäume pflanzen.

Zwei Süßkirschen haben sie Anfang Dezember bereits symbolisch auf ihrem Schulhof gepflanzt. „Wir hoffen, wir können die Welt dadurch besser machen“, drückten Marlene Engels und Laura Dahlmann am Mittwochmorgen stellvertretend den Wunsch ihrer Mitschüler aus.

Marlene Engels (r.) und Laura Dahlmann stellten ihr Projekt den Mitschülern vor.

Marlene Engels (r.) und Laura Dahlmann stellten ihr Projekt den Mitschülern vor. Foto: Anne Steven

Ganz auf ihrer Seite ist auch Emil Lottritz aus Herne. Der Zehnjährige war am Mittwoch als Botschafter des Projekts „Plant for the planet“ eigens nach Ochtrup gekommen, um von dem weltweiten Projekt zu berichten. Gemeinsam mit den Realschülern schaute er auf die Welt. Zeigte ihnen wie viel Kohlenstoffdioxid jeder Mensch pro Jahr ausstößt, was es mit dem Treibhauseffekt auf sich hat und warum das Pflanzen von Bäumen so wichtig ist. „Es verschafft uns einen kleinen Aufschub“, erklärte der Zehnjährige. Schließlich nehmen Bäume das COauf und verwandeln es in Sauerstoff.

War die Stimmung in der Aula nach dem humorvollen Video der 7d, in dem sie ihre Baumpflanzaktion zuvor präsentiert hatten, noch locker und gelöst, änderte sich das bald. Emil Lottritz zeigten den Schülern Aufnahmen der Arktis und des Grönlandeises – aus dem Jahr 1980 und aus 2012. „Alter!“, entfuhr es einem Schüler spontan als er den deutlichen Rückgang der Eismassen bemerkte. Und das aufgeregte Murmeln in der Aula wurde noch lauter, als Emil Lottritz weitere Folgen des Klimawandels wie etwa den Anstieg des Meeresspiegels aufzählte. „Wir müssen die Erwachsenen überzeugen, dass sie etwas tun“, rief der Zehnjährige die Schüler in der Aula zum Mitmachen auf. Es sei lange genug geredet worden, nun müsse etwas getan werden.

Zwei Süßkirschen haben die Schüler der 7d der Realschule auf ihrem Schulhof gepflanzt. Weitere Bäume sollen folgen.

Zwei Süßkirschen haben die Schüler der 7d der Realschule auf ihrem Schulhof gepflanzt. Weitere Bäume sollen folgen. Foto: Anne Steven

Ins gleiche Horn stieß auch die Leiterin der Realschule, Doris Nollen Kuhlbusch. „Fasst euch auch mal an die eigene Nase“, forderte sie die Schüler auf, darüber nachzudenken, ob sie täglich von ihren Eltern mit dem Auto zur Schule gebracht werden müssten, wie viele Bäume in ihrem Garten ständen oder wie viel unnötigen Müll sie produzieren. „Mit geht es darum, dass bei euch etwas hängen bleibt. Das ihr begreift: Jeder Einzelne ist wichtig. Ihr seid diejenigen, die etwas tun müssen. Überlegt euch doch mal, wie wir als Schule das Projekt nachhaltig unterstützen können“, so die Schulleiterin.

Die Mädchen und Jungen der 7d werden Mitte März an der Dietrich-Bonhoeffer-Straße ihre Baumpflanzaktion fortsetzen. 70 Bäume sollen gepflanzt werden. Und das soll noch lange nicht das Ende sein. Sie haben begriffen, dass sie etwas tun können.

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