23 Jugendliche der Städtischen Realschule engagieren sich freiwillig
Das Ehrenamt macht Schule

Ochtrup -

Am Handy oder am Tablett daddeln, Musik hören, chillen – die Hauptbeschäftigung der Jugend. Mal den Müll wegbringen, Rasen mähen, oder sich sonst wie engagieren – bei den meisten Fehlanzeige. Ehrenamtliches Engagement? Damit stößt man nur bei den Wenigsten auf offene Ohren. Um so erstaunlicher deshalb die Bereitschaft von 23 Neuntklässlern der Städtischen Realschule, genau in diesem Feld im kommenden Schulhalbjahr einen persönlichen Schwerpunkt zu setzen.

Samstag, 09.02.2019, 06:00 Uhr
Bald geht‘s los: 23 Neuntklässler sind ab der kommenden Woche an der Städtischen Realschule die Pioniere im ehrenamtlichen Engagement, das Pädagogin Eva Nayda (hintere Reihe, r.) initiiert hat.
Bald geht‘s los: 23 Neuntklässler sind ab der kommenden Woche an der Städtischen Realschule die Pioniere im ehrenamtlichen Engagement, das Pädagogin Eva Nayda (hintere Reihe, r.) initiiert hat. Foto: Nele Scheipers

Eva Nayda, seit Sommer Pädagogin an der Schule, hat die Jugendlichem im Alter zwischen 14 und 15 Jahren für ein Pilotprojekt begeistern können, das ab Montag (11. Februar) offiziell an den Start geht. Im Bereich Berufsorientierung engagieren sich die Realschüler im Rahmen des freiwilligen Ehrenamtes in sozial, ökologisch oder kulturell geprägten Berufszweigen. „Der Fokus liegt dabei auf den so genannten Softkills, also auf dem persönlichen Einsatz, auf der Durchsetzungsfähigkeit, der Kommunikation und der Reflexion“, umreißt Eva Nayda den pädagogischen Ansatz.

25 Projektpartner – vom Seniorenheim über die Landwirtschaft, den Fußball- und den Reitverein bis hin zur Kindertageseinrichtung oder dem Töpfereimuseum und der Bücherei – konnte die engagierte Lehrerin bisher schon gewinnen. „Es ist für alle eine spannende Pilotphase, in der sie sich zunächst orientieren sowie Grenzen und Spielräume ausloten müssen“, weiß Eva Nayda.

Und die Neuntklässler macht genau dieser Aspekt besonders stolz: Sie sind die ersten, die hier quasi Schulgeschichte schreiben, die Pflöcke einschlagen, Konzepte mit erarbeiten und auch umsetzen. „Das gibt sicherlich noch einmal einen besonderen Motivationskick“, ist auch Schulleiterin Doris Kuhlbusch überzeugt, die das Projekt nicht nur unterstützt, sondern als festen Unterrichtsbestandteil ab dem kommenden Schuljahr sehr begrüßt: „Es ist ja das ehrenamtliche Engagement, das unsere Gesellschaft trägt“, unterstreicht sie gemeinsam mit Eva Nayda.

Etwa 15 Stunden werden die Neuntklässler bis zu den Sommerferien nach Absprache mit „ihrem“ Unternehmen leisten. Die sind Pflicht. Wer mehr machen möchte, kein Problem. Ab nächstem Schuljahr werden dann 30 Ehrenamtsstunden angesetzt.

Das Engagement der Jugendlichen ist freiwillig, findet seinen Niederschlag aber auch auf dem Zeugnis. Nichtsdestotrotz: Für manche ist ehrenamtliches Engagement auch ohne die schriftliche Bescheinigung schon jetzt Bestandteil der Freizeit. Wie bei Verena Kerkhoff. Die 16-Jährige ist seit einigen Wochen im Tierheim aktiv, säubert dort samstags die Gehege, spielt und versorgt die vierbeinigen Bewohner. „Alles fing damit an, dass ich einen aufgefundenen Hasen dort hingebracht habe. Mit taten die Tiere leid, sodass ich beschlossen habe, zu helfen.“ Für die Schule ist sie allerdings nicht in tierischer, sondern in menschlicher Mission unterwegs, in einem Pflegeheim in Wettringen.

Während sich einige der ganz mutigen Schüler alleine auf den Weg machen, haben sich andere – auch mit Hinblick auf ihre persönlichen Vorlieben – zusammengeschlossen. Wie Franziska (15), Leonora (15), Lotte (14) und Pia. Die pferdebegeisterten Mädels haben beim Reit- und Fahrverein vorgesprochen und sind als Quartett mit offenen Armen empfangen worden. Reitbeteiligungen und Unterricht hat das „Kleeblatt“ schon seit längerer Zeit. „Jetzt können wir bei Veranstaltungen mit Unterstützen, Ausritte begleiten und uns im Stallmanagement mit einbringen“, freuen sich die Jugendlichen. Natürlich werden sie häufig auch die Mistgabel in der Hand halten. „Das gehört aber dazu“, sind sie sich dessen bewusst.

Was Doris Kuhlbusch und Eva Nayda über die hohe Bereitschaft zur Projektteilnahme hinaus freut, ist der Umstand, „dass sich nicht nur Mädchen gemeldet haben, sondern immerhin auch neun Jungs.“ Dennis und Julian, beide 15, zieht‘s beispielsweise in die Landwirtschaft. Sie wollen bei einem Schweinezüchter helfen. Was ihre Ausgaben sein werden? „Wissen wir nicht, ist noch eine Wundertüte“, sind sie gespannt.

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