Johannes Bierbaum vertreibt Tidenuhr als Weltneuheit
Wasserratten ticken anders

Ochtrup -

Als Kaufmann ist er Realist – ein Mensch, der sich vorrangig an Zahlen orientiert. Als Privatmann ist er aber auch Idealist. Jemand, der sich für eine Idee begeistern kann – einfach, weil sie ihm gefällt, weil er Spaß daran hat. Unabhängig der Kosten-/Nutzen-Rechnung. Beide Facetten seines Wesens kann Johannes Bierbaum gut in Einklang bringen. Und hat fast kindlichen Spaß daran, wenn sie so harmonieren, wie es momentan der Fall ist: Gemeinsam mit dem auf Juist lebenden Künstler Friedrich Fäsing hat der 62-jährige Ochtruper eine Tiden-Uhr als Weltneuheit auf den Markt gebracht. Vorgestellt wurde sie auf der Bootsmesse in Düsseldorf.

Samstag, 09.02.2019, 05:00 Uhr
Zwei Seemänner an Land bei der Bootsmesse in Düsseldorf. Johannes Bierbaum (l.) und Friedrich Fäsing haben zur Vermarktung der Tidenuhr eine gemeinsame Firma gegründet.
Zwei Seemänner an Land bei der Bootsmesse in Düsseldorf. Johannes Bierbaum (l.) und Friedrich Fäsing haben zur Vermarktung der Tidenuhr eine gemeinsame Firma gegründet. Foto: Messe Düsseldorf / C. Tillmann

Ein Münsterländer, der sich für ein Gezeiten-Chronometer engagiert? „Das ist auf den ersten Blick ungewöhnlich“, schmunzelt Johannes Bierbaum , als hätte er genau diese Frage erwartet. „Ich bin schon von Kind an mit meinen Eltern an die See gefahren. Auch heute noch zieht es mich regelmäßig an die Küste. Seit 1999 fahre ich auf die Insel Juist, und dort habe ich Friedrich Fäsing kennengelernt. Man unterhält sich beim Tee, tauscht sich über die gegenseitigen Interessen aus – und bei diesen Gesprächen haben ich dann den Künstler in der Person Fäsings kennengelernt. Und den Bastler.“

Der Bastler Fäsing hatte einen Drehring für eine Uhr entworfen, der die Gezeiten, also Ebbe und Flut, angeben konnte. „So etwas gab es vorher nicht. Und mich hat die Idee begeistert“, schildert Johannes Bierbaum die weitere Entwicklung. Mehrere Tassen Tee und Unterhaltungen später, „war klar, diese Uhr wollen wir auf den Markt bringen. Friedrich Fäsing als Entwickler, ich als zuständige Person für den Vertrieb.“ Bei 2,6 Millionen zugelassenen Booten in Deutschland müsste es dafür doch Bedarf geben, so die Überlegung der Geschäftspartner, die sich eigens für dieses Produkt zu dem Unternehmen Güst Vertriebs GbR zusammengeschlossen haben. Es folgte die Anmeldung zum Gebrauchsmusterschutz „und dann habe ich mich ganz enthusiastisch 2015 auf den Weg zur Basel-World gemacht, um dort mit Lieferanten ins Gespräch zu kommen“, sagt Johannes Bierbaum.

Was er zuvor nicht wusste: „Man spricht auf dieser Messe nicht einfach die Leute an und stellt sein Produkt vor. Man muss mit ihnen vorab Termine machen. Das hatte ich natürlich versäumt. Und die Realität hatte mich schnell eingeholt.“ Grund zum Aufgeben war diese Erfahrung für den Ochtruper jedoch nicht. An diesem Punkt kam der Kaufmann in ihm zum Vorschein. Er suchte sich Hersteller, die ins Seefahrer-Portfolio passten – und wurde bei der Uhrenfabrik Wempe in Hamburg fündig. „Das Unternehmen stellt nicht nur Schmuck her, sondern rüstet auch Schiffe mit Uhren und Messgeräten aus“, so Bierbaum: „Da greift ein Rädchen ins andere.“

Dass das noble Uhrwerk zum stolzen unverbindlichen Verkaufspreis von 2575 Euro kein Alltagsgegenstand für Jedermann ist, das ist auch Geschäftsmann Bierbaum und Künstler Fäsing bewusst. Johannes Bierbaum: „Uhren gehen heute in ihrer Funktion immer stärker in die technische Richtung. Man benutzt sie zum Joggen, zum Tauchen, als Telefon. Und kauft sie nicht mehr im Schmuckgeschäft, sondern im Technikbedarf.“ Er sieht deshalb das von ihm vertriebene Produkt eher als Marke, als Erkennungszeichen für Kapitäne, Bootsbesitzer, Lotsen – für Wasserratten eben.

„Die Uhr ist ein Deko-Objekt. In jeder Preislage. Und bei Männern, die weniger Ketten oder Ringe tragen, ist sie ein Erkennungszeichen. So wie ein Hundebesitzer mit seinem Vierbeiner mit einem anderen Hundebesitzer ins Gespräch kommt, kann ich als Träger der Tiden­uhr mit Gleichgesinnten Kontakt aufnehmen. Sie stellt ein ‚Wir-Gefühl‘ her. Besonders für jene, die eine Verbindung zur europäischen Küste haben.“ Oder für die Zeitgenossen, die „vom Thema genauso durchtrieben sind, wie ich.“

Für Johannes Bierbaum sind Entwicklung und Vertrieb der Tidenuhr „ein Spaß, den ich mir gönne. Es ist weniger der Verdienst, der mich reizt und von dem ich nicht einmal weiß, ob er kommt und wenn ja, in welcher Höhe.“ Er freut sich nach eigenem Bekunden „vor allem darüber, jetzt häufiger zu Tee und Gesprächen nach Juist reisen zu können. Und an weiteren Ideen mit Friedrich Fäsing zu knobeln.“ Die ersten Überlegungen, verrät der Ochtruper, seien auch schon da: „Das nächste wird eine Wanduhr mit Tidenfunktion sein. Wir sind mit den Forschungen noch nicht am Ende. Andere haben Spaß an Hunden oder Pferden, wir halt an der Seefahrt.“ Wasserratten, so lernt man daraus, ticken nun mal ein wenig anders.

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