Bis zum 28. Februar ist der Heckenschnitt noch erlaubt
Einmal Schnitzel, bitte!

Ochtrup -

Es knackt und knirscht. Nicht im Gebälk, sondern im Heckenholz in der Wester. Ein Bagger reckt seinen Greifarm immer wieder zielgerichtet auf das untere Stammdrittel der Nussbaum-, Birken- und sonstigen Ableger. Kratsch - der armdicke Stamm ist durchgekniffen, knickt um wie ein Strohhalm und geht zu Boden.

Dienstag, 12.02.2019, 06:00 Uhr
Stück für Stück arbeitet sich der Bagger durch die Wallhecke in der Wester. Die Äste werden mit dem Greifer „durchgekniffen“ und dann auf dem Feld zum Abtransport gebündelt. Die Verjüngung der Hecken dient ihrem besseren Wachstum, betonen die Landwirte. Zumal die Hecken nicht auf kompletter Länge, sondern in einzelnen Feldern auf den Stock gesetzt werden.
Stück für Stück arbeitet sich der Bagger durch die Wallhecke in der Wester. Die Äste werden mit dem Greifer „durchgekniffen“ und dann auf dem Feld zum Abtransport gebündelt. Die Verjüngung der Hecken dient ihrem besseren Wachstum, betonen die Landwirte. Zumal die Hecken nicht auf kompletter Länge, sondern in einzelnen Feldern auf den Stock gesetzt werden. Foto: Susanne Menzel

Auf einer Länge von etwa 350 Metern verjüngen an diesem Tag der Metelener Thomas Wolbeck und sein Team den Grünstreifen. Zur Verfügung gestellt hat ihn Theo Stohldreyer: „Die Schnitte sind notwendig, damit die Hecke von unten dichter nachwächst.“ Nutznießer der Pflegemaßnahme ist Thomas Ostendorf, der die Aststücke, die sich zur Verarbeitung als Kaminholz nicht eignen, zu Häckseln für seine Heizung schreddern lässt. „Eine Win-win-Situation für alle Seiten“, befinden Stohldreyer wie auch Ostendorf. Bis zum 28. Februar dürfen die notwendigen Verjüngungsmaßnahmen in der Natur noch vorgenommen werden, dann ist bis Ende September erst einmal Ruhe.

Thomas Ostendorf hat seine Heizungsanlage 2013 von Gas auf Hackschnitzel umgestellt, um Schweineställe mit Abferkelbuchten und auch das Wohnhaus auf diesem Wege zu erwärmen. „Damals gingen die Gaspreise durch die Decke“, erinnert er sich. „Hinzu kamen kalte Winter. Wir mussten den Gastank ungefähr alle zehn Tage neu befüllen lassen. Das waren hohe Kosten.“

Die Entscheidung für eine Hackschnitzelheizung auf seinem landwirtschaftlichen Betrieb lag für den Ochtruper aus vielen Gründen auf der Hand: „Gerade in der Parklandschaft Münsterland wächst die Energie jeden Tag nach. Sie ist unabhängig vom Weltgeschehen und von Spekulationen“, erklärt er. Aus einem Hektar Wald, rechnet Ostendorf vor, ließen sich pro Jahr zehn bis 15 Kubikmeter Gehölz generieren, die in dieser Größenordnung nachwüchsen: „Auf ganz Deutschland gesehen, sind es mehr Kubikmeter als gebraucht werden.“

Gerade jetzt, zur kalten Jahreszeit, sind Lager und auch ein Teil des Hofes voll mit den Holzspänen. Regengeschützt trocknet das Häckselgut unter einer Plane vor sich hin. Temperaturen von 50 bis 60 Grad erreicht der Holzhaufen im Inneren. „Natürlich kann man auch maschinell trocknen lassen“, sagt Ostendorf. „Aber ich habe hier den Platz, um das selbst zu regeln.“ Einmal in der Woche setzt er Schlepper samt Schaufel in Bewegung, um den Spänebunker für die Heizung zu befüllen. „Das ist eine Arbeit, die am liebsten meine Söhne übernehmen“, lacht der Landwirt.

Für ihn, so sein Resümee, habe sich die Heizungsumstellung gelohnt. „In kleineren Einfamilienhäusern rentiert sich dagegen eine Hackschnitzelheizung weniger. Da scheitert es oft schon an den Lagermöglichkeiten. Es will sich ja auch niemand seinen Garten mit den Häckseln zukippen. Hier ist dann eher eine Pellet-Heizung denkbar.“ In landwirtschaftlichen Betrieben dagegen mache sie sich bezahlt: „Sie ist im Gebrauch um etwa ein Drittel günstiger als Gas“, so Ostendorfs Bilanz. Zwischen drei und 3,5 Cent koste eine Kilowattstunde mit dem Häckselgut, 4,5 bis fünf Cent seien es bei Gas. „Nach sieben bis acht Jahren hat sich der Umbau amortisiert.“

Thomas Wolbeck und sein Mitarbeiter-Team ziehen unterdessen weiter. Sie sind in vielen Regionen des Münsterlandes unterwegs, um bis zum Monatsende noch die Hecken durch Rückschnitt zu verjüngen. „Somit sichert man ihren Erhalt“, erklärt Thomas Wolbeck. „Ein Vorgang, der an jedem Strauch alle zehn Jahre erfolgen sollte.“ Es sehe zwar auf den ersten Blick immer brutal aus, wenn der Bagger anrücke und die Sträucher knapp über dem Boden abknapse. „Aber die Wurzeln der Heckensträucher bleiben ja intakt“, betont Wolbeck. „Sie können Kraft sammeln, um anschließend gestärkt wieder neu auszutreiben.“ So würden Hecken auch nie über ihre komplette Länge gestutzt, betont der Fachmann. Sie würden in gleich lange Felder eingeteilt und dann ein übers andere Feld bearbeitet. Das bedeute wiederum für die Tierwelt mehr Schutz.

Und ist der Bagger abgerückt, kommen Trecker und Anhänger hinterher, um die Heckenreste abzufahren. Denn die sind begehrt. Vor allem, wenn sie so schön sortiert aufgeschichtet sind.

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