Schöffengericht verurteilt Ochtruper zu drei Jahren und drei Monaten Haft
Streit zwischen Freunden eskaliert

Ochtrup/Rheine/Steinfurt -

Zu einer Haftstrafe von drei Jahren und drei Monaten ohne Bewährung verurteilte das Schöffengericht in Rheine jetzt einen 49-jährigen Mann aus Och­trup. Das Gericht hatte ihn wegen gefährlicher Körperverletzung in zwei Fällen, zwei Fahrten ohne Führerschein und einer Straßenverkehrsgefährdung durch Drogen am 21. August 2018 in Burgsteinfurt angeklagt.

Montag, 11.02.2019, 17:00 Uhr
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Symbolbild  Foto: dpa

Als „Drama in drei Akten“, bezeichnete sein Verteidiger die Gewalttat zwischen dem Angeklagten und einem 33-jährigen Gronauer. Der Angeklagte sei das Opfer gewesen. Er habe in Notwehr zum Messer gegriffen. Dabei erlitt der 33-Jährige Schnittwunden an Hals und Schienbein sowie eine Prellung des Brustkorbs. Bevor er zusammenbrach, rief er selbst den Rettungsdienst.

Zur Tat: Morgens um sieben Uhr brach ein heftiger Streit zwischen den bis dahin besten Freunden aus. Entweder ging es dabei um die Freundin des Angeklagten, oder um einen geplanten Raubüberfall. Das ließ sich vor Gericht nicht klären. Beide Männer hatten einen Cocktail von Kokain und Methadon intus. Als der Streit im Auto eskalierte, griff der Angeklagte nach einem Messer und fügte seinem Beifahrer die Schnittwunden zu. Später soll er ihn mit seinem Pkw angefahren haben, bevor er nach Ochtrup zurückfuhr. Das Messer warf er unterwegs aus dem Fenster, wie er sagte. Der Beschuldigte gestand den heftigen Streit: „Ich dachte, er wollte mir meine Freundin abspenstig machen. Ich war nicht zimperlich und habe ihn schon ziemlich angemacht.“

Daraufhin sei der Beifahrer total ausgeflippt und auf ihn losgegangen. „Er hat mir mit einer Blechschere auf den Kopf geschlagen und mit seinem Knie eine Rippe gebrochen“, beschrieb der Angeklagte die Attacke seines Kontrahenten. Er selbst habe das Messer zu seinem Schutz ergriffen. Bei dem anschließenden Gerangel sei sein Freund verletzt worden, aber nicht absichtlich. Als der Gronauer endlich von dem Angeklagten abließ und aus dem Auto flüchtete, habe der Ochtruper mit dem Messer in der Hand im K+K-Markt Hilfe holen wollen, wie er sagte. „Warum sind Sie da nicht einfach weggefahren?“ fragte der Staatsanwalt. Er glaubte nicht an Notwehr.

Die Auseinandersetzung ging auf dem Parkplatz weiter: Der 33-jährige Geschädigte nahm einen Benzinkanister vom Boden, wie er als Zeuge sagte, um sich zu schützen. Er hatte blutende Schnittverletzungen.

Schließlich sei der Angeklagte in sein Auto gesprungen, während der Geschädigte mit dem Kanister auf den Pkw einschlug. Als der Fahrer zurücksetzte, riss er seinen Kontrahenten mit. Wie eine Anwohnerin aussagte, habe sich der Verletzte kurz aufgerichtet und sei dann noch einmal angefahren worden. Er musste zwei Tage stationär behandelt werden.

Der Staatsanwalt hatte für den Angeklagten vier Jahre Haft beantragt, die Höchststrafe beim Amtsgericht. Nach der Urteilsverkündung flippte der Angeklagte regelrecht aus, hielt sich die Ohren bei der Begründung der Richterin zu und schimpfte: „Ich will das dämliche Gelaber nicht hören“. Er musste sofort zurück in die Zelle, der Haftbefehl blieb bestehen.

Seit frühester Jugend stand er regelmäßig vor Gericht, oft wegen Straftaten im Zusammenhang mit Drogen. Bereits als 19-Jähriger verbüßte er eine mehr als dreijährige Freiheitsstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung. Zwischenzeitlich gab es aber auch eine längere straffreie Zeit. Nun muss er wieder in Haft.

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