Auftakt zur Woche der Brüderlichkeit
Gegen das „schleichende Gift“

Ochtrup -

Am 10. März (Sonntag) eröffnet Dr. Gregor Gysi die Woche der Brüderlichkeit in Ochtrup. Sein Festvortrag ist mit dem Titel „Mensch, wo bist du? Gemeinsam gegen Judenfeindschaft“ überschrieben. Der Gast aus Berlin wird über Antisemitismus in der Gesellschaft – sichtbar und unsichtbar – sprechen.

Mittwoch, 20.02.2019, 07:00 Uhr aktualisiert: 20.02.2019, 17:17 Uhr
Dr. Gregor Gysi eröffnet am 10. März die Woche der Brüderlichkeit.
Dr. Gregor Gysi eröffnet am 10. März die Woche der Brüderlichkeit. Foto: Pressefoto

Dass Antisemitismus in unserer Gesellschaft offensichtlich zu Tage tritt, ist heute eher selten. Attacken wie zum Beispiel im April vergangenen Jahres, als in Berlin zwei Männer mit Kippa auf der Straße angegriffen wurden oder wie im Dezember 2017, als wiederum in Berlin Teilnehmer einer Demonstration eine selbstgemalte Fahne mit einem Davidstern verbrannt haben, sind da die Ausnahme. Viel verbreiteter sei eine latente Judenfeindschaft im Verborgenen, weiß der Geschäftsführer des Kulturforums, Dr. Guido Dahl. Er spricht in diesem Zusammenhang von einem „schleichenden Gift“, das nur manchmal in primitiv-öffentlicher Form zu Tage trete. Antisemitismus wirke subkutan, also unter der Haut, verborgen, – in Andeutungen, Vergleichen oder subjektiven Erfahrungsberichten. „Wenn jemand sagt: ‚Glauben Sie, ich kenne diese Leute’, dann ist da sehr subjektiv, aber kaum zu widerlegen. Was will man da sagen?“, wehrt er sich gegen eine wie er sagt, „beliebige Vorurteilskultur“. Gerade deshalb seien Vorsicht angesagt und Veranstaltungsreihen wie die Woche der Brüderlichkeit so wichtig.

Seit fast 30 Jahren hat sich die Woche der Brüderlichkeit die Verbesserung des Dialogs zwischen Juden und Christen auf die Fahnen geschrieben. In diesem Jahr findet ihr Auftakt am 10. März (Sonntag) statt. Auf Einladung des Kulturforums wird Dr. Gregor Gysi zur Eröffnung in Welbergens Alter Kirche die Festansprache halten. Sie steht unter dem Motto „Mensch, wo bist Du? Gemeinsam gegen Judenfeindschaft“. Vermutlich müssen in dem altehrwürdigen romanisch-gotischen Gotteshaus die Stühle enger zusammengerückt werden, wenn der prominente Gast aus Berlin über Antisemitismus in unserer Gesellschaft sprechen wird.

„Der langjährige Frontmann von PDS und Linkspartei war Mitgestalter der deutschen Einheit und gilt in Deutschland als eine wichtige Stimme des Ostens“, schreibt die Stadt Ochtrup in einer Ankündigung. Obwohl Gysi seit Oktober 2015 kein Spitzenamt innehat, sei er doch in der Bevölkerung bis heute sehr beliebt – und das auch beim politischen Gegner. Mit Humor und Scharfsinn habe er sich im Bundestag zudem viel Achtung über die Parteigrenzen hinweg erworben.

Bevor Gysi allerdings das Wort ergreift, ist Ochtrups Bürgermeister Kai Hutzenlaub an der Reihe. Er wird die Gäste begrüßen. Für die musikalische Gestaltung sorgt das Folkduo „Am Rhin“ mit Petra Spellmeyer (Gesang) und Klaus Spellmeyer (Gitarre/Akkordeon). Zu guter Letzt obliegt nach über 30-jähriger Tradition der Woche der Brüderlichkeit dem Geschäftsführer des Kulturforums, Dr. Guido Dahl, das Schlusswort.

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Die Eröffnung der Woche der Brüderlichkeit mit Dr. Gregor Gysi beginnt am 10. März (Sonntag) um 17 Uhr in der Alten Kirche in Welbergen. Es gibt keine Platzreservierungen. Zuvor trägt sich der Gast aus Berlin ins Goldene Buch der Stadt Ochtrup ein.   | www.ochtrup.de

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