Sicherheit für Senioren auf Pedelecs
250 Gramm an der richtigen Stelle

Ochtrup -

„250 Gramm an der richtigen Stelle können Leben retten“, unterstrichen die Polizeioberkommissare Markus Tasche und Susanne Hosch nicht nur in Worten, sondern auch mit Unterstützung eindrucksvoller Fotos aus dem Alltag als Streifenbeamte. Gemeint ist an dieser Stelle der Helm, den nicht nur die Fietser auf „normalen“ Rädern, sondern besonders auch die auf den Pedelecs als Pflichtkleidung ansehen sollten.

Freitag, 22.02.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 22.02.2019, 13:54 Uhr
Ein Airbag gibt‘s nicht nur im Auto, sondern auch als Halskrause fürs Rad (Foto oben und unten rechts).
Ein Airbag gibt‘s nicht nur im Auto, sondern auch als Halskrause fürs Rad (Foto oben und unten rechts). Foto: S. Menzel

Die Fahrräder mit Unterstützung, wie sie im Fachjargon heißen, nehmen an Popularität seit Jahren zu. Und das besonders auch bei älteren Mitbürgern. Diese hatte sich die KAB deshalb als Zielgruppe für einen Vortrag mit den Verkehrssicherheitsberatern Tasche und Hosch ausgeguckt.

Die Infos, die die beiden Experten gaben, ließen dabei selbst so manch erfahrenen Pedalritter aufhorchen. „Die Unfallstatistik im Kreis Steinfurt bereitet uns erhebliche Sorgen“, erklärte Markus Tasche. So gab es in 2017 in diesem regionalen Bereich 270 verletzte Senioren durch Unfälle. 127 ältere Verkehrsteilnehmer verletzten sich bei der Fahrt mit dem Rad oder dem Pedelec. Sieben Personen kamen ums Leben – Drei davon waren mit einem normalen Rad unterwegs, drei auf einem Pedelec und eine Person als Fußgänger. „Das heißt, wir haben im Durchschnitt alle drei Tage mit einem Unfall mit Fahrradbeteiligung zu tun“, rechnete Hosch vor.

Die Räder mit Unterstützung sind vor allem deshalb so beliebt, weil sie das Fietsen erleichtern. „Gerade auf längeren Strecken oder den Berg hoch, ist es damit wesentlich einfacher“, bestätigt auch Walter Feldevert. Der 77-Jährige unternimmt besonders gerne am Wochenende längere Touren mit Ehefrau Christa. „Natürlich mit einem Helm auf dem Kopf“, betont der Ochtruper. „Darauf haben unsere Kinder bestanden, als sie uns die Räder geschenkt haben.“ Und das ist nicht der schlechteste Weg, unterstreichen die Polizeioberkommissare: „Der Helm schützt. Der Umstieg von einem herkömmlichen Rad auf ein Pedelec bedeutet ohnehin schon eine Umstellung. Man ist damit im Straßenverkehr wesentlich schneller unterwegs. Dabei sollte man nicht aus den Augen lassen, dass im Alter Reaktions-, Seh- und Hörvermögen sowie auch die Muskelkraft nachlassen. Um sich sicher durch die Straßen zu bewegen, sollten Sicherheit und Sichtbarkeit, die eigene körperliche Kondition sowie auch die Ausrüstung des Rades immer wieder überprüft werden“, empfahlen die Verkehrssicherheitsberater.

Dass der Helm dabei eine wesentliche Rolle spielt, machten sie anhand von Praxisbeispielen deutlich: Eine Radlerin, die ohne Helm über einen Radweg gefahren und an einen Laternenpfahl geprallt war, kam zu Fall – und zog sich dabei tödliche Kopfverletzungen zu. „Drastisch“, raunten die Anwesenden.

Ebenso eindrucksvoll auch der Versuch, den Susanne Hosch dann demonstrierte: Ein rohes Ei, eingepackt in einen Styropor-Mini-Helm, ließ sie zu Boden fallen. Das Ei überstand diese „Behandlung“ ohne eine einzige Delle. „Gleiches Prinzip gilt für den menschlichen Kopf bei einem Sturz. Er ist das wichtigste Körperteil, das wir haben“, betonte die Fachfrau.

Um den Helm nicht nur als Accessoire attraktiver zu machen, lassen sich die Hersteller inzwischen allerhand einfallen, zeigte auch Tobias Hauk vom Radhaus Krechting, den sich Markus Tasche und Susanne Hosch für den Vortrag mit ins Boot geholt hatten. So gibt es beispielsweise Helme mit rundherum farbiger LED-Beleuchtung. Oder solche mit Visier, die nicht nur Brillenträger unterstützen, sondern auch im Sommer vor Insekten schützen, die sich ins Auge verirren.

Absolutes „Highlight“, besonders für Helmmuffel, ist aber der „Airbag“, der als eine Art Halskrause daherkommt. Um den Nacken gelegt, fällt er kaum auf. „Bei einem Sturz aber kann er Leben retten“, versicherte Tobias Hauk: „Bei Crash löst er sich in 0,1 Sekunden aus. Er ist aufgeblasen, bevor der Kopf die Bordsteinkante erreicht.“ Mit 300 Euro im Vergleich zum Helm eine nicht gerade billige „Lebensversicherung“, aber immerhin eine gute Alternative. „Jeder muss sich letztlich für sich selbst die Frage ‚Wie teuer ist das Leben?‘ beantworten“, meinte Tobias Hauk.

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