Ochtrup einst und heute
„Aber nur, wenn ich keinen Kittel tragen muss“

Ochtrup -

Geschwungene Waschtische mit Rasiertöpfchen auf der Ablage, umklappbare Stühle, diskrete Kabinen. Dazu eine Nassrasur für den Herrn, eine Dauer- oder Wasserwelle für die Dame. So sah das Friseurhandwerk früher aus. Friseurmeister Markus Ehling kann sich an diese Zeit noch gut erinnern, half er doch schon als Steppke im Salon seines Vaters mit. Heute sieht seine Arbeit jedoch ganz anders aus als früher.

Samstag, 23.02.2019, 07:00 Uhr
Schon als Kind war Markus Ehling oft im Frisiersalon seines Vaters und half dort mit. Heute ist er selbst Meister dieses Fachs. In den all den Jahren hat sich sein Beruf stark verändert.
Schon als Kind war Markus Ehling oft im Frisiersalon seines Vaters und half dort mit. Heute ist er selbst Meister dieses Fachs. In den all den Jahren hat sich sein Beruf stark verändert. Foto: Irmgard Tappe

Als Markus Ehling ein Steppke im Vorschulalter war, füllte er gern die Shampooflaschen im Friseursalon seines Vaters auf. „Zur Belohnung gab es manchmal Süßigkeiten von den Mitarbeitern. Das gefiel mir natürlich“, schmunzelt der Friseurmeister.

Ob das der Auslöser für seine spätere Berufswahl war? Vielleicht. „Bereits während meiner Schulzeit schwebte mir vor, das Friseurhandwerk zu erlernen. Allerdings nur, wenn ich während der Arbeit keinen Kittel tragen musste, wie das damals üblich war“, erzählt der Ochtruper und zeigt Fotos von seinem Großvater Gerhard Ehling , der 1932 das gleichnamige Friseurgeschäft an der Bergstraße eröffnete. Der Firmengründer und sein Geselle trugen weiße Baumwollkittel – gestärkt und exakt gebügelt.

Auf einem anderen Foto ist der Herrensalon seines Großvaters zu sehen. Das Mobiliar: Stühle, deren Sitze sich umklappen ließen. Davor geschwungene Waschbecken mit Rasiertöpfchen auf der Ablage. „Früher kamen die Landwirte sonntagmorgens im Anschluss an den Kirchgang zur Nassrasur. Danach kauften sie bei Schmitz Tabakwaren, tranken dort auch ein Schnäpschen oder gingen in Kock‘s Wirtshaus zum Frühschoppen, bevor sie wieder mit der Kutsche zurück in die Bauerschaften fuhren“, weiß Markus Ehling aus Erzählungen seiner Vorfahren.

Der weiße Kittel gehörte für Gerhard Ehling (l.) zum Beruf des Friseurs dazu. Sein Enkel Markus Ehling ist froh, dass er dieses modische Accessoire heute weglassen kann.

Der weiße Kittel gehörte für Gerhard Ehling (l.) zum Beruf des Friseurs dazu. Sein Enkel Markus Ehling ist froh, dass er dieses modische Accessoire heute weglassen kann. Foto: Privatarchiv Ehling

Diese sonntägliche Tradition hat auch sein Vater Heinz Ehling noch erfahren, als er 1956 in den Betrieb einstieg. Inzwischen gab es dort einen Damen- und einen Herrensalon – natürlich in zwei getrennten Räumen. Die Frisierplätze im Damensalon waren ebenfalls diskret voneinander getrennt. Markus Ehling erinnert sich noch an diese alten Kabinen mit den grünen Vorhängen. „Jede Kabine war nummeriert und hatte ein Waschbecken mit großer Ablage sowie einen Spiegel und eine Trockenhaube mit Schwenkarm, die an der Wand befestigt war.“

Auch wenn die Vorhänge keine Einblicke gewährten – schalldicht waren sie nicht. So bestand durchaus das Risiko, dass die Kundin aus Kabine acht den neuesten Klatsch über Kundin aus Kabine sieben erzählen wollte. Ohne zu ahnen, dass besagte Dame nebenan mithörte. Für die Mitarbeiter eine unangenehme Situation, die sie durch Mimik und Gestik zu retten versuchten.

Es war auch die Zeit der Dauerwellen und gelegten Wasserwellen. Besonders vor Festtagen wie Weihnachten, Ostern und Pfingsten herrschte bei den Friseuren Hochbetrieb. Die Kundinnen kamen jedoch nicht nach Terminabsprache. Man ging in den Friseursalon und wartete, bis man an der Reihe war. Dass es sich zu den Stoßzeiten im Wartebereich des Salons staute, gehörte dazu.

Ebenso der Wunsch vieler Kundinnen, ihre Haarpracht durch blonde Strähnchen aufzufrischen. Frau bekam dann eine mit Löchern versehene Badekappe aufs Haupt gestülpt. Mit Hilfe einer Häkelnadel wurden einzelne Haarsträhnchen durch die Löcher gezogen und blondiert.

Markus Ehling lernte während seiner Ausbildung in Münster eine neue Folien- Strähnchentechnik kennen. Und während im Salon seines Vaters noch fleißig Dauerwellen gewickelt und Wasserwellen gelegt wurden, bekam der Ochtruper viele neue Seiten seines Handwerks zu Gesicht. Flotte Fönfrisuren zum Beispiel. Aber auch kosmetische Behandlungen hielten Einzug in die Friseursalons.

Nachdem Ehling in verschiedenen Großstädten Deutschlands Erfahrungen gesammelt hatte, kam er 1987 als frisch gebackener Meister seines Fachs zurück ins elterliche Geschäft. „Meine erste Kundin in Ochtrup wünschte eine gelegte Wasserwelle. Wellen legen hatte ich aber nie gelernt. Ich hätte die Kundin auch gern meinem Vater überlassen. Aber die Dame bestand darauf, dass ich sie persönlich bediene und kein anderer“, erinnert sich der 55-Jährige kopfschüttelnd an diese Herausforderung.

Wenn man den heutigen Salon Ehling an der Fürstenbergstraße betritt, ist vom nostalgischen Charme grüner Kabinenvorhänge nichts mehr zu sehen. Statt dessen ein helles, modernes Ambiente mit offen einsehbaren Frisierplätzen, wo „Hair-Stylisten“ und „Beauty-Artisten“ ihre Kundschaft bedienen. Mitarbeiterin Anna Seggewiß checkt gerade die Termine, die online eingegangen sind. Kosmetikerin Steffie Hölscher bereitet die Beauty-Behandlung für die nächste Kundin vor, und der Chef berät eine Frau, die einen typgerechten Haarschnitt wünscht. „Wir haben das Image unserer Branche verändert. Heute zählen wir zu den Gestaltern der Modewelt“, sagt Markus Ehling. Ja, eine neue Zeit hat Einzug gehalten ins Friseurhandwerk des 21. Jahrhunderts.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6410364?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F182%2F
Lagerhalle einer Zimmerei an der K 20 völlig zerstört
Großalarm für die Feuerwehr am Ostersonntag um kurz vor 16 Uhr. Zwei Löschzüge aus Everswinkel und Alverskirchen sowie eine Drehleiter aus Sendenhorst werden zur Brandbekämpfung alarmiert.
Nachrichten-Ticker