Das Hotel Pröpsting an der Bahnhofstraße
Die Geschichte steht im Keller

Ochtrup -

Wer den Keller des Pröpstingschen Einfamilienhauses betritt, geht nicht einfach nur eine Etage tiefer. Er taucht ein in eine andere Ära. In die des letzten Jahrhunderts.

Mittwoch, 06.03.2019, 07:00 Uhr
Das ehemalige Haus an der Bahnhofstraße 1 war Anlaufstelle für Übernachtungsgäste, Stammtische und Kegler. Heute befindet sich dort das Textilgeschäft Huesmann. (kl. Foto unten)
Das ehemalige Haus an der Bahnhofstraße 1 war Anlaufstelle für Übernachtungsgäste, Stammtische und Kegler. Heute befindet sich dort das Textilgeschäft Huesmann. (kl. Foto unten) Foto: Susanne Menzel

Mit Eichenmöbeln, massiven Stammtischen, mit Lehnstühlen samt Sitzkissen und blau-weißen Bembeln. „Wir haben hier einen Teil des Inventars unseres alten Hauses gerettet und aufgebaut“, lacht Paul-Heinz Pröpsting . „Es ist eine Erinnerung, die wir aufrecht erhalten wollten und in die wir manches Mal zurückgehen.“ Dann beispielsweise wird der Plattenspieler in Bewegung gesetzt und aus den schwarzen Scheiben erklingen Elvis Presley-Hits.

Das „ Hotel Pröpsting “ stand einst mitten in der Stadt, an der Bahnhofstraße 1. Da, wo sich heute Textil Huesmann und der Spielplatz befinden. Dem Hotel angegliedert war eine Mühle. „Das Hotel haben schon meine Großeltern, Maria und Franz-Heinrich, bewirtschaftet“, erzählt der Enkel, selbst inzwischen 77 Jahre alt. In den 20er Jahren war es ein florierendes Unternehmen mit 21 Betten. Eine Kegelbahn gehörte dazu: „Die Nachfrage wurde allerdings irgendwann weniger, so dass die Kegelbahn in den 20er Jahren geschlossen wurde“, erinnert sich Paul-Heinz Pröpsting. Dafür gründeten sein Vater und dessen Bruder 1924 eine Mühle, die Anfang der 30er Jahre durch eine Brandstiftung zunächst vernichtet, aber in moderner Form wieder aufgebaut wurde. „Sogar mit einem Doppel-Walzenstuhl“, betont der Ochtruper stolz.

Bis 1968 haben die Pröpstings das Hotel in Eigenregie bewirtschaftet. Paul-Heinz Pröpsting erzählt: „Mein Vater ist früh gestorben. Er kam bei einem Bombenangriff in Burgsteinfurt ums Leben. Sein Bruder, mein Onkel, hat es dann zunächst mit einem weiteren Bruder fortgeführt. Dieser Bruder verstarb jedoch ebenfalls. Da der Onkel kinderlos war, sollten meine Brüder und ich die Nachfolge antreten.“ Paul-Heinz lernte das Müllerhandwerk, sein Bruder Hermann-Josef absolvierte eine Ausbildung als Koch. „Allerdings durften wir an dem Gebäude nichts mehr sanieren, obwohl es notwendig war.“ Die Zimmer verfügten zwar als erstes Hotel in der Stadt über fließend warmes und kaltes Wasser, Bad und Toilette jedoch lagen auf dem Gang. Die Badewanne stand für alle zur Benutzung frei. Standards aus der Vergangenheit, aber längst nicht mehr zeitgemäß. Der Onkel entschloss sich dazu, das Haus zu verpachten, später dann wurde es verkauft. Paul-Heinz Pröpsting, unterdessen zum Müllermeister ausgebildet, entschloss sich, in diesem Metier weiter seine Brötchen zu verdienen. Landhandel, Mühle und das erste Grüne Warenhaus waren zunächst an der Marktstraße angesiedelt (dort, wo sich heute der Parkplatz befindet), 1983 zog es ihn samt Betrieb an den Gausebrink. Dort befindet sich auch heute noch sein Unternehmen, dort steht er auch mit 77 Jahren noch Tag für Tag im Geschäft.

An die Vergangenheit denkt er mit einem Lächeln auf den Lippen. An die Gäste, die in den 50er Jahren noch mit dem Pferdewagen abgeholt wurden, an die Feste im 200 Personen fassenden Saal, an die vielen Stammtische und Gesellschaften. Und wenn die Wehmut sehr groß ist, geht er einfach in den Keller und schwelgt dort in Erinnerungen. Mit Frau und Enkelkindern und bei Elvis-Liedern.

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