Straßen.NRW lässt Bäume regelmäßig überprüfen
Kontrolle auf 20.000 Kilometern

Ochtrup -

Es waren Sekundenbruchteile, die in dieser Woche auf der Bentheimer Straße über Leben und Tod entschieden. Eine Pappel stürzte auf die Straße, traf zwei Mal auf ein vorbeifahrendes Auto. Gutachter müssen nun – auch im Sinne der Hinterbliebenen – untersuchen, wie es zu dem Vorfall kommen konnte. Was bleibt, ist allerdings die Frage: Wie kann ein Baum einfach umfallen?

Freitag, 08.03.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 08.03.2019, 10:15 Uhr
Auf der Landstraße 582 (Bentheimer Straße) stürzte am Rosenmontag eine Pappel auf die Fahrbahn und traf ein vorbeifahrendes Auto. Der Fahrer, ein 37-jähriger Familienvater aus Ochtrup, wurde dabei getötet.
Auf der Landstraße 582 (Bentheimer Straße) stürzte am Rosenmontag eine Pappel auf die Fahrbahn und traf ein vorbeifahrendes Auto. Der Fahrer, ein 37-jähriger Familienvater aus Ochtrup, wurde dabei getötet. Foto: Martin Fahlbusch

Straßen.NRW, in deren Besitz sich nach eigenem Bekunden zwar nicht dieser umgestürzte Baum an der L 582, dafür allerdings viele anderen Gehölze entlang von rund 20.000 Straßenkilometern im gesamten Bundesland befinden, schickt fast täglich 30 Kontrolleure los, die Pappeln, Buchen, Eichen & Co. auf ihre Gesundheit wie auch auf ihre Standhaftigkeit genau in Augenschein nehmen. Mit Sondierstab, Schonhammer und Splintmesser ausgerüstet, klopfen, messen und untersuchen sie, ob etwa Insekten oder Pilze dem Baum zu schaffen gemacht, ob Trockenheit oder Sturm ihn beeinflusst haben, oder ob er Zeichen von Altersschwäche aufweist.

Welches der Gehölze entlang der Fahrbahnen genau in die Zuständigkeit von Straßen.NRW fällt, ist durch eine Grenzfeststellung anhand von Luftbildern auszumachen. Im Zweifel wird vor Ort eingemessen. „Die Kontrolle selbst erfolgt in regelmäßigen, festgelegten und mit allen involvierten Stellen abgesprochenen Intervallen“, erklärt Dr. Frank Eilermann, promovierter Förster bei Straßen.NRW, auf Nachfrage unserer Zeitung. „Bei älteren, wertvolleren Bäumen sind die Abstände enger, bei gesunden Alleebäumen weiter gefasst. Bei letzteren beträgt der Abstand etwa zwei Jahre.“

Kontrollabstände richten sich nach Baumart

Je nachdem, was die Kon­trolleure an Gegebenheiten feststellten, würden weitere Maßnahmen ergriffen. Dr. Eilermann: „Liegt ein Schaden vor, wird dieser zunächst eingeteilt: ist er mechanisch, also ist die Statik betroffen, oder ist er biologisch, beispielsweise Pilzbefall. Dann wird nach weiteren Schritten geschaut.“
Abhängig sind die Kontrollintervalle zudem vom Standort (frei stehend oder in Böschungen), aber auch von der Baumart. „Es gibt ein Regelwerk, in dem die Gehölze in unterschiedliche Wachstumseinheiten unterteilt sind. Das sind die Jugend-, die Reife- und die Altersphase.

Die spielen selbstverständlich zusätzlich mit herein. Pappeln, Birken oder Weiden kommen recht früh in die Reifephase und werden auch nicht so alt. Schon deshalb erfordern sie eine besondere Aufmerksamkeit. Buche, Eiche oder Bergahorn dagegen sind robuster und langlebiger“, gibt der Förster einen Einblick in die umfassende Materie. Natürlich, so betont er, gebe es darüber hinaus noch „Anlass-bezogene Sonderkontrollen“.

Soll heißen: Stürme, nasse Schneelast oder ein trockener, heißer Sommer sind weitere Indikatoren für eine Inspektion.

Dialog mit den Fach- und Naturschutzbehörden

Die Pflanze Baum lebt – und sie verändert sich. Daher ist eine regelmäßige Begutachtung von Nöten. Die erledigen die Baumkontrolleure seit 2007 im Auftrag von Straßen.NRW. Dabei ist „Baumkontrolleur“ kein eigenständiger Beruf, sondern eine Zusatzqualifikation, die die Mitarbeiter erworben haben und die sie bei der Gehölzpflege im Dialog mit den Fach- und Naturschutzbehörden ausüben.

Obwohl die Teams eigentlich im Auftrage des Landesbetriebes unterwegs sind, achten sie natürlich trotzdem darauf, was sich in angrenzenden Privatwäldern tut. „Wenn unsere Mitarbeiter erkennen, dass in der Nachbarschaft augenscheinlich kranke Bäume stehen oder solche, die sich in Schieflage befinden, oder viel Totholz zu erkennen ist, schreiben wir die Privatleute an und informieren sie, dass etwas auf ihrem Grund und Boden nicht in Ordnung ist.“

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