Internationaler Frauentag
Eine wechselvolle Geschichte

Ochtrup -

Der Weltfrauentag kommt in Ochtrup ohne große Feiern aus. Für ihre Rechte sind die Frauen hier eher auf leisen Sohlen unterwegs gewesen. Wie beispielsweise Cläre Boge (heute 93 Jahre), die 1973 als erstes weibliches Mitglied ins Stadtparlament eingezogen ist.

Freitag, 08.03.2019, 07:00 Uhr
Die rote Rose steht am Weltfrauentag für Wertschätzung und Anerkennung.
Die rote Rose steht am Weltfrauentag für Wertschätzung und Anerkennung. Foto: colourbox

Es ist eine wechselvolle Geschichte, die der Internationale Frauentag seit seiner Installation vor über 100 Jahren bereits hinter sich hat. Initiiert von Clara Zetkin , forderten am 19. März 1911 über eine Million Menschen nicht nur in Deutschland, sondern auch in der Schweiz, in Österreich, Ungarn und Dänemark, dass Frauen nicht nur wählen dürfen, sondern auch für Ämter zugelassen werden. Gleichberechtigung in allen Lebenslagen war das erklärte Ziel: gleiche Chancen und Rechte in Beruf, Familie und Bildung.

Nachdem die Frauenbewegung während der Zeit des Nationalsozialismus brach lag, gingen die Frauen in den 60er Jahren erneut auf die Straße, demonstrierten unter anderem für sexuelle Selbstbestimmung und das Recht auf Abtreibung. Ein drittes Aufblühen des Frauentages folgte in den 90er Jahren, als ein neues Bild von Weiblichkeit sowie von der Rolle des Mannes im Fokus standen.

Es war die „Vorzeige-Emanze“ Alice Schwarzer, die 2010 die Abschaffung des Frauentages forderte und statt dessen „365 Tage im Jahr für Menschen, Männer wie Frauen“ vorschlug. Seit 2018 findet der Internationale Frauentag in europäischen Ländern erneut ein großes Echo. So beteiligten sich im vergangenen Jahr allein in Spanien 5,3 Millionen Menschen an dem für diesen Tag ausgelobten Frauenstreik, der unter dem Motto stand: „Wenn Frauen streiken, steht die Welt still“. Und erstmals ist der 8. März in diesem Jahr im Bundesland Berlin ein Feiertag.

In Ochtrup war der Frauentag in der öffentlichen Wahrnehmung scheinbar kaum präsent. „Aktionen dazu hat es hier vermutlich nicht gegeben. Es sind jedenfalls nach Archivlage keine bekannt“, sagt Stadtarchivarin Karin Schlesiger. Wohl aber gibt es zahlreiche Frauen, die sich schon früh für das Allgemeinwohl engagiert haben. Wie etwa Clara Hellraeth, geborene Laurenz, die nach ihrer Heirat und dem Umzug nach Münster dort den Katholischen Fürsorgeverein, heute bekannt als Sozialdienst katholischer Frauen, mit aufbaute. In ihrer Funktion als Vorsitzende war sie zudem Mitgründerin des Caritasverbandes für die Diözese Münster.

Und es war Cläre Boge , die 1973 als erste Frau in den Ochtruper Stadtrat einzog und sich zwei Jahrzehnte an der politischen Gestaltung der Kommune beteiligte. Unter anderem war die heute 93-Jährige Vorsitzende des Sozial- und des Kulturausschusses. Kämpfen, so betont die Seniorin, habe sie für ihr Recht damals nicht: „Mein Mann Bernd hat mich immer unterstützt. Und die männlichen Mitglieder im Ortsparlament waren stets fair und anständig.“ Heute prägen in der Töpferstadt drei Frauen das Bild im politischen sowie im kommunalen Raum: Birgit Stening als Erste Beigeordnete, Karin Korten als Leiterin des Bau-, Planungs- und des Umweltamtes sowie Christa Lenderich als stellvertretende Bürgermeisterin.

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